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Neuburg

03.04.2021

Baby-Strampler im Miniformat: Vier Neuburgerinnen nähen Kleidung für Frühchen

Johanna (links) und Kathrin Kaltenstadler haben einen Verein namens „Neuburg’s kleine Wunder“ gegründet, über den sie Kleidung für Frühchen verschenken.
Foto: Claudia Stegmann

Plus Für Frühchen ist es schwer, passende Kleidung zu kaufen. Deshalb nähen vier Neuburgerinnen extra-kleine Baby-Outfits. Was hinter dem Engagement steckt.

Tapetenwechsel in der Mazillisstraße: Wo einst Messer und Scheren ausgestellt wurden, hängen jetzt bunte Strampler im Schaufenster – und zwar ganz besondere. Denn die Höschen, Bodys und Mützen sind alle etliche Nummern kleiner, als man sie üblicherweise kaufen kann. Sie sind gemacht für „Neuburg’s kleine Wunder“, also für all jene Babys, die zu früh auf die Welt gekommen sind und die deshalb noch viel zu klein für Strampler von der Stange sind. Genauso heißt auch der neue Verein, der sich in eben jenem Schaufenster vorstellt. Gegründet wurde er von Kathrin und Johanna Kaltenstadler, die zusammen mit Oma Hildegard Kaufmann und Tante Alexandra Demuth die Mini-Strampler mit viel Liebe nähen und die für ihre Arbeit nun Unterstützer suchen.

Vier Neuburgerinnen nähen Kleidung für Frühchen

An Hilfe von außen dachte Hildegard Kaufmann noch nicht, als sie sich vor etwa sechs Jahren an die Nähmaschine gesetzt hat und die ersten Hosen und Oberteile für die Frühchen im Neuburger Krankenhaus genäht hat. Zu jener Zeit war sie dort öfter zu Besuch und hatte deshalb von den Krankenschwestern erfahren, dass es alles andere als leicht ist, für Frühgeborene passende Kleidung zu bekommen. Hildegard Kaufmann fackelte deshalb nicht lange und legte los.

In der Mazillisstraße in Neuburg zeigt der neu gegründete Verein, welche Outfits die Neuburgerinnen für Krankenhäuser und Eltern nähen.
Foto: Claudia Stegmann

Etwa alle drei Monate habe sie im Neuburger Krankenhaus 15 Outfits abgegeben, erzählt sie. Die Stoffe dafür hat sie zum Großteil aus privater Kasse bezahlt. Gespart wurde trotzdem nicht. „Ich hab schon hochwertige Stoffe ausgesucht, weil die müssen ja in der Waschmaschine 90 Grad aushalten. Im Zweifelsfall hab ich lieber nur zehn Outfits gemacht, als ein Glump gekauft“, sagt die 66-Jährige.

Jahrelang hat Hildegard Kaufmann als „Einzelkämpferin“ die Neuburger Klinik unterstützt – bis Corona kam. Zuerst schlich Enkelin Johanna (21) in ihrem Nähzimmer um sie herum und bat um Beschäftigung während des Lockdowns. Wenig später half auch deren Schwester Kathrin (24) beim Ausschneiden der Stoffe. Als schließlich auch Hildegard Kaufmanns Tochter Alexandra Demuth in das Strampler-Geschäft mit einstieg, war das Familien-Quartett aus drei Generationen perfekt. Weil das ehemalige Kinderzimmer als Nähstube nun nicht mehr ausreichte, musste Opa Franz sein Arbeitszimmer räumen und den Damen Platz machen.

Frühchenkleidung aus Neuburg: Das steckt hinter dem Engagement

Dort wurde nun genäht, was das Zeug hielt – und zwar nicht nur Frühchenkleidung, sondern auch Mund-Nasenschutz-Masken, die im vergangenen Jahr so begehrt waren. Die haben sie gegen eine Spende angeboten und konnten von den Einnahmen wiederum Stoffe für die Babybekleidung kaufen. Und genau dieses Prinzip hat sie auf die Idee des Spenden-Reinvests gebracht, bei dem nun der Verein „Neuburg’s kleine Wunder“ helfen soll.

Neben der Mini-Kleidung für Frühgeborene nähen die Vier seit einiger Zeit auch normal große Babyhosen und Mützen. Diese bieten sie in der Bäckerei Kaltenstadler gegen einen Spendenbetrag an. Das Geld fließt 1:1 in den Kauf von Stoffen für die Frühchen-Kleidung. Um den Spendern nun deutlich zu signalisieren, dass sie ein gemeinnütziges Projekt unterstützen und nicht das Hobby von vier Neuburgerinnen, haben sie einen Verein gegründet. „Damit erleichtern wir uns die Arbeit, denn nun können wir offiziell Spenden annehmen“, erklärt Kathrin Kaltenstadler. Außerdem sei es den Näherinnen wichtig, glaubhaft zu wirken und nachvollziehbar zu machen, wohin das gespendete Geld fließt.

Mini-Baby-Kleidung kommt auch dem Krankenhaus Neuburg zugute

Und das kommt mittlerweile nicht nur dem Krankenhaus in Neuburg zugute, sondern auch dem Josefinum in Augsburg. 56 bzw. 55 Frühchen wurden dort im vergangenen Jahr betreut. Neben Wickelbodys, Stramplern, Mützen und Schnuffeltüchern fertigen die Neuburgerinnen mittlerweile unter anderem auch wattierte Decken an, die über den Inkubator gelegt werden, um Außengeräusche abzudämpfen. „Frau Kaufmann spendet schon seit Jahren verschiedene selbst gemachte Sachen an die Klinik Sankt Elisabeth. Für dieses Engagement sind wir sehr dankbar“, wertschätzt Anne Brinkmann, Pflegeleiterin der Pädiatrie an der KJF Klinik, das Engagement.

’Teamwork: Hildegard Kaufmann näht, ihre Tochter Alexandra Demuth trennt auf. „Das kann ich am besten“, sagt die Friseurin.
Foto: Claudia Stegmann

Neben den Krankenhäusern sollen nun auch Eltern eine kostenlose Erstausstattung bekommen, wenn sie mit ihrem Baby nach Hause dürfen. Weil die Nachversorgung unter anderem über den Verein Elisa mittlerweile so gut klappt, werden Frühchen schon ab einem Gewicht von etwa 2000 Gramm entlassen. Die gängige Babyausstattung passt da natürlich noch nicht. Deshalb schnüren Kathrin und Johanna Kaltenstadler auf Nachfrage ein „Frühchen-Paket“, und zwar ganz nach den Wünschen der Eltern. Ganz nach dem Satzungszweck des Vereins müssen Eltern dafür nichts bezahlen. „Wenn sie wollen, dürfen sie natürlich etwas spenden. Aber grundsätzlich ist das Paket kostenlos“, sagt Johanna Kaltenstadler.

Was in so einem Erstausstattungs-Paket stecken kann, können sich Interessierte im Schaufenster in der Mazillisstraße ansehen. Außerdem präsentiert sich der Verein auf Facebook, Instagram und unter www.neuburgskleinewunder.de.

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