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Burgheim

27.07.2020

Bahnhof in Burgheim ist bezugsfertig

Dank und Anerkennung für Projektleiterin Monika Basener. Bürgermeister Michael Böhm und sein Stellvertreter Andreas Flath (rechts) überreichten eine Urkunde und einen Blumenstrauß.

Plus Knapp zwei Jahre hat es gedauert. Nun ist der Bahnhof in Burgheim fertig. Für 1,1 Millionen Euro wurde das Gebäude saniert. Künftig wohnen dort anerkannte Asylbewerber.

Ein Paradebeispiel dafür, dass nichts beständiger als der Wandel ist, ist der Burgheimer Bahnhof. Als bei der Station Burgheim im Jahre 1874 erstmals ein Zug anhielt, transportierte er Tiere und sonstiges Frachtgut. Heute reisen dort Menschen ab und kommen an. Ankommen ist auch das passende Stichwort für die künftige Nutzung des Gebäudes. Anerkannte Asylbewerber sollen in sechs Wohnungen im Burgheimer Bahnhofsgebäude eine neue Heimat finden und sich integrieren.

Im Rahmen einer Gemeinderatssitzung als Ortstermin übergab Bürgermeister Michael Böhm zusammen mit hochrangigen Gästen das Gebäude seiner neuen Bestimmung. Burgheims Pfarrer, Dekan Werner Dippel, spendete den kirchlichen Segen. Böhm sprach auch noch deutliche Gegensätze der jüngeren Vergangenheit an. „Meine Oma hat mich dort bei der Frau Altmann (Eisenbahnerwitwe) geparkt, noch vor kurzem wohnte dort zwielichtiges, polizeibekanntes Klientel.“

Sie übergaben das Burgheimer Bahnhofsgebäude seiner neuen Bestimmung. Monika Basener, Hana Riemer (Regierung von Oberbayern), Michael Böhm, Emmi Böhm, Professor Christian Schiebel, Sabine Schneider, Rainer Wilhelm und Dekan Werner Dippel.

Das Gebäude ist seit 2002 Eigentum der Gemeinde Burgheim. Die dringend notwendige Sanierung hätte es ohne ein entsprechendes Programm der Städtebauförderung nicht gegeben, so Böhm. Vor fünf Jahren fragte er den Gemeinderat, ob das historische Gebäude als Einfallstor erhalten werden soll. „Einen Bahnhof hat schließlich nicht jeder.“ Eine früher geplante Unterkunft mit Flüchtlingen schlug fehl.

Nun half das Programm des Freistaates zur Unterbringung von „Fehlbelegern“ (anerkannte Asylbewerber). Burgheim will damit einen Beitrag zur Integration leisten. Die Planungen durch das Gempfinger Architekturbüro Rainer Wilhelm verliefen in enger Abstimmung mit dem Leiter der Baubehörde im Neuburger Landratsamt, Andreas Eberl, und der Leiterin der Ausländerbehörde, Emmi Böhm. Dann schlug die Bahnbürokratie zu.

800.000 Euro kommen vom Freistaat Bayern

Das Eisenbahnbundesamt meldete seine hoheitliche Stellung an und stoppte den Bau für neun Monate. Die gleichen Genehmigungsunterlagen, die das Landratsamt schon abgesegnet hatte, bekamen den Eisenbahnerstempel, sodass die Handwerker weiter arbeiten konnten.

Dass bei den Baumaßnahmen der Bahnverkehr nicht gestört wird, hatte die Burgheimer Verwaltung schon vorher mit anderen Abteilungen der Bahn abgeklärt. Davon berichtete auch Monika Basener, Geschäftsführerin der Burgheimer Gemeindeverwaltung und Projektleiterin. Nach zahlreichen Fallstricken und Schmerzen sei man stolz, etwas geschaffen zu haben.

Die Baukosten von rund 1,1 Millionen Euro fördert der Freistaat mit gut 800.000 Euro. Nun soll das geschichtsträchtige Burgheimer Bahnhofsgebäude der gesellschaftlichen Aufgabe Integration dienen. Für ihr vorbildliches Engagement überreichten Bürgermeister Michael Böhm und sein Stellvertreter Andreas Flath Monika Basener eine Urkunde und einen Blumenstrauß. Landratsstellvertreterin Sabine Schneider sprach von einem „Herzensprojekt“.

Burgheimer Bahnhof erfüllt einen guten Zweck

Unter etwa 600 Asylanten im Landkreis sind 100 Fehlbeleger, für die Wohnraum gesucht wird. Manche Gemeinden seien „schwarze Schafe“, denn nicht bei allen Bürgern komme das Thema gut an. Dabei haben potenzielle neue Bewohner große Anstrengungen auf sich genommen. Sie müssen einen Kurs „Mieterqualifizierung“ absolvieren und dann einen Test schreiben, bevor sie Vermietern vorgestellt werden.

In Burgheim haben sie den Öffentlichen Personennahverkehr vor der Haustür. Professor Christian Schiebel, Leiter der Städtebauförderung bei der Regierung von Oberbayern unterstrich, dass man das Ergebnis herzeigen kann. Dazu brauche es aber die Parlamente, die die gute (finanzielle) Ausstattung ermöglichen, aber auch Gemeinden mit tollen Ideen. Rund 200 Gemeinden in Bayern beteiligen sich an der Städtebauförderung, Burgheim schon seit den achtziger Jahren. Schiebel hatte auch ein Kompliment für die Burgheimer. „Nicht alle schätzen ihren Bahnhof so sehr wie sie“, betonte er. Nun diene das Gebäude einem guten Zweck – und das über Jahrzehnte.

Gemeinderat besichtigte saniertes Gebäude

Architekt Rainer Wilhelm sah seine größte Herausforderung in der Umgestaltung eines ehemals herrschaftlichen Gebäudes der königlichen Bahnsektion Neuburg für die alltägliche Nutzung für Bewohner, die aus Not ankommen. Die Vergangenheit in dem Gebäude wollte er „dezent anzeigen“, „ohne Kitsch daraus zu machen“. Das Haus sei gut bewohnbar, auch wenn die Gesetzgebung beim Brandschutz von damals sich zu der von heute unterscheide.

Als „Randgeschichte“ ergänzte Wilhelm, dass man die heimischen Mauersegler nicht vertrieben habe, sondern Nistkästen anbrachte. Anschließend besichtigten Gemeinderat und Gäste das renovierte Haus im Erdgeschoss und in zwei Stockwerken. Die Wohnungen sind mit modernen Sanitäranlagen und Küchenzeilen ausgestattet.

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