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Neuburg

25.11.2019

Barbara Zeitelhack schließt ihr Stadtarchiv-Kapitel

Barbara Zeitelhack hört am Donnerstag als Leiterin des Neuburger Stadtarchivs auf. Auch für die Zeit danach hat sie zahlreiche Pläne und wird als Gast wohl das ein oder andere Mal an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren.
Foto: Fabian Kluge

25 Jahre lang hat sie das Stadtarchiv geleitet, am Donnerstag ist Barbara Zeitelhacks letzter Arbeitstag. Warum es das Archiv ohne sie nicht geben würde.

Bis zur Decke türmen sich die großen, weißen Magazine im Loiblhaus in der Amalienstraße. Aktenkarton reiht sich an Aktenkarton. Nur ein Bruchteil des Neuburger Stadtarchivs lagert hier – und doch bekommt man einen Eindruck dessen, was Barbara Zeitelhack für die Stadt geleistet hat.

Denn als sie vor 25 Jahren ihren Dienst im Gedächtnis der Stadt antritt, gibt es noch kein Archiv in dem Sinn. „20 Jahre haben es ältere Herren ehrenamtlich geführt. Ich musste also erst einmal ein Stadtarchiv aufbauen“, erinnert sich Zeitelhack. Am Donnerstag verabschiedet sie sich nun in den Ruhestand.

Neuburger Stadtarchiv: Es ging auch um Mordfälle

Ihre Leidenschaft für die Archivarbeiten entdeckt sie bereits im Geschichtsstudium. Für ihre Magisterarbeit verbringt sie damals längere Zeit in Archiven. Als eine Mischung aus „kriminalistischer Neugierde und Puzzlespielen“ beschreibt die Leiterin ihre Tätigkeit. Und immer wieder entdecken sie und ihre Kollegen neue Zusammenhänge und Verbindungen.

Wie beim angeblichen Mord am Wehrmachtsoffizier Hubert Büttner am 16. Dezember 1942. Auf einem Pirschgang soll er von drei russischen Zwangsarbeitern getötet worden sein – so jedenfalls lautet die offizielle Version. „Wir haben alle Quellen gesichtet, nach denen es auch Selbstmord gewesen sein könnte“, erklärt Zeitelhack. Aus Gründen der Vertuschung habe man schließend die Zwangsarbeiter beschuldigt und sofort hingerichtet. Doch es sei nach wie vor schwierig, das der Bevölkerung zu vermitteln, gibt sie zu.

Neuburger Stadtarchiv: Mehrere Regalmeter häufen sich pro Jahr an

Allgemein erfahre man durch die Archivarbeit viel über die Mentalität der Neuburger sowie über die Stadt. „Manche politischen Themen ziehen sich über Jahrzehnte. Manchmal haben wir gewettet, wie Entscheidungen gefällt werden“, erinnert sich Zeitelhack, lächelt und strahlt dabei eine charakteristische Ruhe und Besonnenheit aus. Bei den Wetten hätte sie übrigens meistens richtig gelegen, schiebt sie ergänzend hinterher.

Ansonsten hat sich die Archivleiterin auch um das Tagesgeschäft gekümmert. Rund zehn Prozent aus 30 Jahren Stadtverwaltung wandern ins Archiv oder anders ausgedrückt: 15 bis 20 Regalmeter Urkunden, Akten und Fotos aus Verwaltung, drei Meter Standesamt und acht Meter Sonderbestände pro Jahr ordnen – und zwar in ein System, das sie miteingeführt hat. Die Kür sei gewesen, das Material auszuwerten.

Das Ergebnis zeigte sich etwa anhand zweier Großprojekte: Ab 2002 war das Stadtarchiv für Ausstellungen, ein Symposium und unter anderem das Ottheinrichbuch zu den Pfalz-Neuburger Jubiläen verantwortlich. Eine Ausstellung und einen großen Band gab es außerdem zu den Neuburger Umbrüchen nach den beiden Weltkriegen bis zur Währungsreform.

Barbara Zeitelhack hat Pläne für die Zeit nach dem Stadtarchiv

Weil das Stadtarchiv aus allen Nähten zu platzen drohte, konnte es seit zwei Jahren nichts mehr aufnehmen – und das, obwohl es dazu verpflichtet ist. Abhilfe schafft seit diesem Jahr ein neuer Raum im Loiblhaus nach Verhandlungen mit den Fadenspielern und den Betreibern der Badstube, die zuvor den Raum nutzten. Für rund zehn Jahre bringen die Räumlichkeiten Entlastung. Danach ist sogar ein kompletter Neubau im Gespräch. Das nächste Großprojekt, nämlich das Neuburger Stadtarchiv ins digitale Zeitalter zu führen, steht schon früher an und ist Aufgabe von Zeitelhacks 30-jährigem Nachfolger Patrick Wiesenbacher. Dem gibt sie mit auf den Weg, Neugierde, Engagement, Mut und Gelassenheit an den Tag zu legen, aber all das seien Eigenschaften, die er bereits habe.

Langweilig wird Zeitelhack nach ihrem Abschied am Donnerstag jedenfalls nicht. In ihrer Schublade schlummern mehrere unvollendete Werke, einige davon will sie veröffentlichen. Außerdem gebe es immer wieder Themen, die Zeitelhack interessieren – beispielsweise die Neuburger Nachkriegsgeschichte: „Das Material ist gut, viel wurde dazu noch nicht gemacht und mit Glück kann ich sogar mit Zeitzeugen sprechen.“ Als Gast wird sie also noch öfter ins Archiv zurückkehren. Die Sammelleidenschaft, die sie in ihrem Beruf haben musste, teilt sie in ihrem Privatleben übrigens nicht. „Da werfe ich eher weg.“

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