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Justiz

24.02.2015

Barbesitzerin wegen Erpressung und Nötigung vor Gericht

Vor dem Amtsgericht Ingolstadt muss sich eine Barbesitzerin verantworten. Sie soll eine Kellnerin gezwungen haben ihre Kündigung zu unterschreiben.
Bild: Alexander Kaya

In Ingolstadt steht eine Barbesitzerin wegen Erpressung, Nötigung und schweren Raub vor Gericht. Sie soll eine Kellnerin unter verschärften Bedingungen gefeuert haben.

Es war auch eine kleine Einführung in die Phänomenologie der Barbuchhaltung. Zu lernen war am Amtsgericht zum Beispiel, was ein „orderman“ (mobiler Minicomputer zur Bestellungsaufnahme) ist, was ein Bruch (Tablett plus Inhalt auf Boden = Bruch), wie man einen solchen Bruch storniert und was für einen Stundenlohn (drei Euro) eine festangestellte Bedienung vor Einführung des Mindestlohnes im innerstädtischen Gastronomiewesen von Ingolstadt so hatte.

Die Geschichte, um die sich Amtsgerichtsvizedirektor Christian Veh gestern kümmern musste – und die den Zuhörern des Prozesses vertiefte Branchenkenntnisse ermöglichte – hatte sich Anfang Mai vergangenen Jahres zugetragen. In der Wohnung über einer Ingolstädter Bar (mit über eine Millionen Euro Jahresumsatz). Auf der Anklagebank sitzt eine der beiden Geschäftsführerinnen.

Die Barbesitzerin muss sich wegen Raub, Erpressung und Nötigung verantworten

Was genau passiert sein soll, wird noch verhandelt. Fest stehen die Anklagepunkte: Schwerer Raub, schwere räuberische Erpressung, Nötigung. Es geht also um was: Der Strafrahmen allein für schweren Raub sieht eine Freiheitsstrafe von nicht unter drei Jahren vor.

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Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, eine ihrer Bedienungen in der Wohnung über der Bar eingesperrt und dort ein Küchenmesser gezogen zu haben. Mit dieser danach auf dem Tisch abgelegten 30 Zentimeter langen Bedrohung aus geschärftem Stahl soll die Barbesitzerin die Angestellte dann dazu gebracht haben, ein vorgefertigtes (und vordatiertes) Kündigungsschreiben zu unterzeichnen und vorab den Erhalt des Monatslohnes für Mai zu quittieren. Zudem sollen das Wechselgeld und das Handy der Kellnerin in der Wohnung der Besitzerin geblieben sein als das Treffen beendet war.

Die Angeklagte bestreitet die Vorwürfe

Die Geschäftsführerin bestreitet vehement, ihre frühere Angestellte mit der Waffe bedroht zu haben. Sie bestätigt, dass es das Gespräch in der Küche gab. Der Grund: Von einer Kollegin der Kellnerin hatte sie einen Hinweis bekommen, dass diese bei den Abrechnungen betuppen und sich bereichern würde. Und das schon länger. Verdächtigt hatten die Kollegen sie schon eine Weile, nun meinte man, den Nachweis geführt zu haben. Komplize soll der Barkeeper gewesen sein, Kontrollinstanz der Kellnerinnen hinter dem Tresen. Die Geschäftsführerin, so sagte sie es gestern vor Gericht, habe die junge Frau zur Rede stellen und ihr dabei in die Augen sehen wollen. Man kannte sich seit Jahren und sei befreundet gewesen.

Bei der Kündigung soll die Mitarbeiterin mit einem Messer bedroht worden sein

Die Kellnerin hätte den Vorwurf an dem Abend nicht abgestritten, sondern hätte einfach nur „nein, nein“ gesagt, hätte die Kündigung unterschrieben und habe erkennbar nur raus gewollt, so die Darstellung ihrer früheren Chefin. Das Messer habe sie nicht aus der Schublade geholt, das habe schon vorher (und wie immer) neben einem Brett auf der „Kücheninsel“ gelegen. Es sei dort auch die ganze Zeit über unberührt liegen geblieben. Die Wohnungstür sei nie abgesperrt gewesen. Im Übrigen seien Personalgespräche in der über der Bar gelegenen Wohnung die Regel. Das Handy habe sie lediglich dabehalten, damit die Kellnerin den verdächtigen Barkeeper nicht habe warnen können. Das Wechselgeld aus der Geldbörse der Bedienung sei danach in der Küche quasi liegen geblieben und vergessen worden. In das Portemonnaie habe sie nur zur Kontrolle schauen wollen. Die geringe Summe Wechselgeldes (etwa 20 Euro bei Dienstbeginn) habe sie quasi als Bestätigung des Untreue-Verdachts gewertet (Dienstvorschrift: 150 Euro).

Im Prozess steht Aussage gegen Aussage

Während die kleine Schwester der Geschäftsführerin – ebenfalls an der Bar beteiligt und bei der Küchenkündigung anwesend – die Version der großen Schwester mit anwaltlichem Beistand bestätigte, hielt die Kellnerin ihre Vorwürfe aufrecht. Sie sagte: „Ich hatte Angst und wollte da raus“. Noch an dem Abend im Mai hatte sie bei der Polizei Anzeige erstattet. Sich durch falsche Abrechnungen bereichert zu haben, bestritt sie genauso entschieden wie der Barkeeper. Der Prozess wird am 9. März fortgesetzt.

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