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Neuburg

11.10.2019

Barockkonzerte: Unerhörte Klänge im Ottheinrichsaal

Das Ensemble Spirit of Musicke gestaltete im Ottheinrichsaal des Neuburger Schlosses den Auftakt der diesjährigen Barockkonzerte.
Bild: Gerd Läser

Das Ensemble Spirit of Musicke zelebriert unter dem Titel „Women4Baroque“ bei den 72. Neuburger Barockkonzerten ein Programm, das so noch nirgends zu hören war.

Selbst wer eifrig Musikgeschichte studiert hat, dürfte von diesen Komponistinnen noch nie gehört haben. Und auch wer ein alter Hase in der Alten Musik ist, wird auf dem Programm kaum je das Cembalo-Solokonzert in F-Dur einer gewissen Anna Bon di Venezia entdeckt haben. Oder ein Flötentrio von Anna Amalie von Preußen. Die Neuburger Barockkonzerte 2019 aber boten zum Auftakt genau diese Stücke – und andere gänzlich unbekannte, also gewissermaßen unerhörte Werke, mit dem Programm-Titel „Women4Baroque“. Natürlich interpretiert von einem Frauen-Ensemble, das sich etwas kokett Spirit of Musicke nennt.

Barockkonzerte: Der Abend war ein Gesamtkunstwerk aus Musik und Info-Blöcken

„Innovativ“ – dieses Modewort kann man fast nicht mehr hören. Für diesen Abend im Ottheinrich-Saal passt es aber genau. Aus zwei Gründen: Das Programm mit Werken von Isabella Leonarda, E. Jacquet de la Guerre, Prinzessin Anna Amalie, Anna Bon die Venezia und einer Anonyma mit dem Pseudonym „Mrs Philarmonica“ wurde noch nirgends aufgeführt. Und die vier Musikerinnen Veronika Braß (Cembalo), Gabriele Ruhland (Cello/Gambe), Christine Busch (Violine) und Maria Loos (Blockflöte in fünf Varianten) erklärten auch, unter welchen Umständen diese lange verborgenen Schätze entstanden. Als Kinder und Jugendliche bekamen „höhere Töchter“ damals schon auch Musikunterricht, als Erwachsene durften sie aber oft genug das Erlernte nicht mehr anwenden. Komponieren galt für Frauen als unschicklich. Die Musik generell, so verkündeten Päpste zur Barockzeit, „schadet in höchstem Maße der geziemenden weiblichen Bescheidenheit“. Musik und kurze historische Info-Blöcke ergaben an diesem besonderen Abend ein Gesamtkunstwerk.

Man muss sich schon hineinhören in diese Werke, die kompositorische Qualität reicht nicht immer an große (männliche) Namen heran. Manche Sätze sind so kurz, dass einem der Karl-Valentin-Spruch in den Sinn kommt, der da lautet „Und am Ende trat plötzlich der Schluss ein“. Es gibt auch zwei, drei kleine Wackler in rasanten Passagen. Und die Stimmung der Instrumente, besonders der Flöten, ist in dem reichlich kühlen Saal nicht leicht zu halten. Bei langen Melodiebögen führt das zu Eintrübungen. Aber das sind Petitessen.

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Das Ensemble Spirit of Musicke spielt für Gleichberechtigung

Die vier Frauen bringen die Werke ihrer Geschlechtsgenossinnen mit Glanz zur Geltung. Sie spielen hoch motiviert, genau aufeinander hörend und aus dem Antrieb, etwas für die Gerechtigkeit, genauer gesagt für die Gleichberechtigung, in der Musikgeschichte zu tun. Vor allem nach der Pause steigern sich Intensität und Spritzigkeit, etwa in der virtuosen Flötensonate der Prinzessin Anna Amalie oder in den mitreißenden, auch kompositorisch dichten Sonaten jener „Mrs. Philarmonica“, von der wir biografisch nichts wissen, der wir aber für diese Werke dankbar sein können.

Samstagabend um 20 Uhr folgt im Kongregationssaal das Konzert „Starke Frauen“ mit Inga Kalna und dem Ensemble Il Pomo d’Oro, das Konzert am Sonntag in der Provinzialbibliothek um 17 Uhr widmet sich Clara und Robert Schumann.

Das gesamte Programm finden Sie hier.

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