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Neuburg

31.12.2020

Begabtes Geburtstagskind: Wie die Künstlerin Ute Patel-Mißfeldt ihren 80. feiert

Plus Sie lehrte an Universitäten, obwohl sie nie studiert hat. Sie inszenierte Opern, ohne Noten lesen zu können. Am Silvestertag wird „Mut zum Hut“-Initiatorin Ute Patel-Mißfeldt 80 Jahre alt – und blickt auf ein aufregendes Leben zurück.

Den Sinn für das Schöne, den hat sie von der Mutter. Und ein wenig wohl auch von der rothaarigen Tante. Auf jeden Fall kam das weiblicherseits, sagt Ute Patel-Mißfeldt. Und wie die Ästhetik so waren es auch jene Frauen, die den Hut als Kopfbedeckung kultivierten. Ein Accessoire, das die Tochter und Nichte später nicht ohne Extravaganz als den dernier cri, also den letzten Schrei, etablieren sollte. Jetzt wird die Initiatorin der größten und bedeutendsten Hut- und Schmuckschau 80 Jahre alt.

Doch anders als viele glauben, ist Ute Patel-Mißfeldt keine Hutmacherin. Nur zwei hat sie in ihrem Leben gefertigt. Die 300 Hüte, die sich bei ihr und einer Deckenhöhe von 4,80 Metern stapeln, stammen aus anderen Händen und Fingern. „Das kriege ich aus den Leuten nicht heraus, dass ich keine Hüte mache“, bekräftigt die Künstlerin. Seit 22 Jahren veranstaltet sie die Messe „Mut zum Hut“. Modisten auf der ganzen Welt fragen an, um im Residenzschloss in Neuburg ausstellen zu dürfen. Russen, die Amerikaner, die Franzosen und Engländer. Das Schöne an der Schau sei ihre Einmaligkeit, meint sie. „Weihnachtsmärkte haben nur noch Konkurrenz, weil alle auf denselben Zug aufspringen, wenn etwas Erfolg hat. Das geht bei der Hutschau nicht“, erklärt die Frau, die nun an ihre Tochter übergeben will. Zwar hätten andere versucht, das Konzept zu kopieren, in Hamburg zum Beispiel. Sie scheiterten aber daran.

Ute Patel-Mißfeldt lehrte an Schulen und Universitäten

Ähnlich wie das Tragen von Hüten scheint auch Ute Patel-Mißfeldt fast zeitlos. Die Künstlerin ist auf nichts fixiert – was durchaus auf ihre Vita abgefärbt hat: Sie lehrte in Schulen, unterrichtete an Universitäten, ohne je studiert zu haben. Sie inszenierte Opern, obwohl sie keine Noten liest. Sie schrieb mehr als 40 Bücher, bestritt eine Vernissage mit Picasso und Dalí, engagierte sich als Genossin bei der SPD. Mit ihrem zweiten Ehemann gründete Ute Patel-Mißfeldt eine Frauenorganisation im indischen Bhavnagar. Sie karikiert und aquarelliert. Sie illustriert Bücher. Sie entwirft Kalender, malt auf Seide, designt Porzellan, hat für all das Preise und Auszeichnungen gewonnen. Wundert es da, dass Ute Patel-Mißfeldt in einer Silvesternacht geboren wurde? Am 31. Dezember 1940 um fünf vor zwölf, vor genau 80 Jahren.

Heute sitzt sie da, in ihrem Wohnzimmer auf dem Schloss. Die Wand schimmert golden, das Porzellan aus der Vitrine. Von oben hängen Zweige von Nadelhölzern in den Raum, verdichtet zu einer adventlichen Lampe. Ein gläserner Stöckelschuh baumelt daran, genauso Sterne und ein Schmetterling. Darunter sitzt sie auf der Couch, mit Collier, passenden Ohrringen, geblümtem Kleid, pittoresk. Und auf dem Tisch, da stehen Kekse. Sie ist kein Kind Neuburgs, nein. Ute Patel-Mißfeldt kommt aus dem Norden, aus Bremerhaven, der Schwesterstadt Bremens. Je älter sie werde, erzählt sie, desto mehr fehle ihr das Meer, vermisse sie die Nebelhörner. Aufgewachsen ist sie in Zeiten des Krieges und den Jahren danach. Schon früh lernte Ute Patel-Mißfeldt, für sich und ihre Lieben einzustehen. „Sie nannten mich den Dompteur der Familie.“

Die Neuburger Messe "Mut zum Hut" hat sie ins Leben gerufen

Geld war rar in diesen Tagen. Hatte ein Geschäft geschlossen, musste man an der Hintertür nach Milch fragen, die man erst eine Woche später bezahlen konnte. „Ute macht das schon“, hieß es dann. Und Ute machte es. Mit zwölf vereinbarte sie einen Termin bei einem Anwalt, um ihre Mutter scheiden zu lassen. Als sie 14 war und Elvis in der Stadt spielte, machte sie sich nachts aus dem Staub, um Rock’n’Roll tanzen zu gehen. „Meine Eltern dachten, ich schlafe.“

Sie wurde in einer Silvesternacht geboren: die mehrfache Buchautorin, Künstlerin, Mutter und Gründerin der Hutschau „Mut zum Hut“ Ute Patel-Mißfeldt.

Sie war jung, als sie ihren ersten Mann heiratete. Mit ihm bekam sie drei Kinder. Er ließ sie nicht mehr lesen, malen, nicht mehr gute Musik hören. Er sei sehr eifersüchtig gewesen, erinnert sie sich, habe ihr gesagt, dass sie hässlich sei, sie jedoch bis zur Selbstaufgabe geliebt. Dann ließ sie sich scheiden. Es sei eine anständige Trennung gewesen, sagt die Künstlerin heute. Die Liebe, diese eine, von der man sagt, es sei die große, hat sie dennoch gefunden. Das begann mit einem Krankenhausbesuch. Mitte 30 war sie da.

Ute Patel-Mißfeldt war mit Vallabhbhai Patel verheiratet

„Ich ließ mir die Füße operieren.“ Dort, im Hospital, begann Ute Patel-Mißfeldt damit, Karikaturen von den Ärzten zu zeichnen, womit sie ihr Zimmer bepflasterte. Das fiel natürlich auf. Auch einem Assistenzarzt, der die Künstlerin einem hochgeschätzten Mediziner der Urologie empfahl: Prof. Dr. med. Vallabhbhai Patel. Er sollte später ihr zweiter Ehemann werden.

Er fotografierte und philosophierte. „Mein Mann hat viel für diese Welt getan.“ Die beiden ergänzten sich gut. Er adoptierte ihre Kinder, sie adoptierte seins. Sie hatten eine „wundervolle Ehe“, Liebe und Respekt für einander. Bis er an einem Dienstag im September 2017 starb. Die Liebe aber ist geblieben.

Und das Malen. Das sei wie singen, sagt Ute Patel-Mißfeldt, sie tue es jeden Tag. Schon im Kindesalter habe das angefangen. „Ich bemalte alles.“ Sogar die Blumenkästen. Deshalb wird sie es wohl auch an ihrem heutigen Geburtstag tun, der nichts Besonderes sein soll. Das war er nie und wird es nicht. Ein Tag im Leben einer außergewöhnlichen Künstlerin aus Neuburg, so ungeniert schlicht.

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