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Ingolstadt

09.11.2012

Bei Frust Brand gelegt: Feuerteufel war ein Feuerwehrmann

Wenn er Frust hat – besonders aber nach Streit oder Stress mit Frauen – und betrunken ist, dann legt er immer wieder Feuer. Symbolbild
Bild: Williams Fuhr

Ein 27 Jahre alter Serienbrandstifter hat Millionenschäden angerichtet. Nun droht ihm die Psychiatrie.

Wenn er Frust hat – besonders aber nach Streit oder Stress mit Frauen – und betrunken ist, dann legt er immer wieder Feuer. Wahllos: Mülltonnen, Papiercontainer, ganze Einkaufscenter und sogar eine Kirche hat der junge Mann schon angesteckt. Seit gestern muss er sich vor dem Landgericht verantworten.

Der Fall, um den es konkret geht, ist auf den ersten Blick relativ harmlos: Am 26. November vergangenen Jahres legte der Angeklagte beim Ingolstädter Hauptbahnhof nachts gegen 3.50 Uhr in einer alten Lagerhalle an drei Stellen Feuer, um das Gebäude abzufackeln.

Aber soweit kam es nicht. Die Feuerwehr war nämlich viel schneller zur Stelle, als der Täter ahnen konnte. Denn der 27-Jährige wurde zu diesem Zeitpunkt längst von Kriminalbeamten überwacht, weil er im Verdacht stand, für eine ganze Serie von Brandstiftungen im Ingolstädter Süden verantwortlich zu sein, die damals Feuerwehr und Polizei intensiv beschäftigt haben.

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Bei den Ermittlungen dazu warf der Polizeicomputer die Daten des jungen Mannes aus, der aus den neuen Bundesländern stammt und schon vor längerer Zeit in den Süden von Ingolstadt zog. So wurde festgestellt, dass es sich um einen vielfach vorbestraften Serienstraftäter handelt, der in seinem Leben bereits zahllose Feuer gelegt hat. Also konzentrierte sich die Ingolstädter Kripo auf diesen Mann, in dessen Wohnumfeld monatelang Brände gelegt wurden. Aber: Nachweisen konnte man ihm bislang nur den einen Fall in der alten Lagerhalle am Bahnhof.

Nach der Festnahme riss die Brandserie ab

Die übrigen Brandstiftungen hofft man über die DNA-Probe aufklären zu können, die von dem jetzt Angeklagten genommen wurde. Ergebnisse dazu liegen aber noch nicht vor, sagte Oberstaatsanwalt Günter Mayerhöfer gestern am Rande des Prozesses unserer Zeitung. Aber ein sehr starkes Indiz gibt es, dass alle Feuerlegungen auf das Konto des Angeklagten gehen könnten: Nach dessen Festnahme und Inhaftierung riss die Serie in Ingolstadt nämlich sofort ab.

Der Prozess beleuchtet aus Ingolstädter Sicht also womöglich nur die Spitze des Eisberges. Darauf deuten die zahlreichen Vorstrafen des Mannes hin. 2003 ging es los mit einer Brandstiftung auf der Damentoilette eines Gasthauses.

Ein Jahr später dann setzte es eine saftige Jugendstrafe von viereinhalb Jahren für eine Serie mit immerhin 13 Brandstiftungen. Unter anderem fackelte er in einem Einkaufscenter in einem Ort in Brandenburg ganz nahe an der polnischen Grenze vier Geschäfte ab (Gesamtschaden 1,7 Millionen Euro) und legte Feuer an Einkaufsmärkten in einer Kleinstadt zwischen Hamburg und Bremen (1,1 Millionen Euro Schaden). Jedes Mal teils heftig betrunken, nicht selten über 2,5 Promille. In diesem Zustand steckte er auch zahlreiche Mülltonnen, Holzpaletten, ein leer stehendes Haus oder einen Personenwagen in einer unversperrten Garage an.

Auch vor einem Gotteshaus machte er nicht Halt, stellte einen Müllsack vor das Eingangsportal einer evangelischen Kirche und zündete ihn an. Zum Glück hatte ein Zeuge alles beobachtet und die Feuerwehr verständigt. Dennoch entstand erheblicher Schaden am und im Eingangsbereich der Kirche.

„Haben sie ein besonderes Faible für Feuer?“, wollte Landgerichtsvizepräsident Paul Weingartner gestern beim Prozessauftakt vom Angeklagten wissen. Der sagte nur: „Dazu möchte ich nichts sagen.“ Muss er eigentlich auch nicht mehr, denn eine Gutachterin vom Bezirkskrankenhaus Haar hat den 27-Jährigen getestet und einen klaren Hang zur Pyromanie herausgefunden. Außerdem gab der Angeklagte ihr gegenüber auch zu, vom Feuer fasziniert zu sein. Eben aus dem Grund zog es ihn auch im frühen Alter von erst neun Jahren bereits in seiner Heimat zur Jugendfeuerwehr. Später wurde er aktiver Feuerwehrmann und wollte unbedingt einmal zur Berufsfeuerwehr. Als seine ersten Brandstiftungen im Jahr 2003 aufflogen, wurde er von der Freiwilligen Feuerwehr in seiner Heimatgemeinde ausgeschlossen.

Das Urteil fällt voraussichtlich am 26. November.

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