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14.11.2017

Beim Dorfladen geht zu wenig voran

Als bester Platz für einen Dorfladen in Rohrenfels gilt das Gebäude der ehemaligen Bäckerei Jann direkt im Ortszentrum.
Bild: Georg Wurm

In Rohrenfels werden händeringend Bürger gesucht, die bis Ende November Anteile für das Projekt im Rahmen der Dorferneuerung zeichnen. Der Arbeitskreis ruft zu mehr Engagement auf

Schnell um die Ecke Semmeln holen gehen oder die Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens fußläufig besorgen können: Ein Dorfladen steht seit Langem ganz oben auf der Wunschliste vieler Rohrenfelser, seit die ehemalige Bäckerei im Ortszentrum dichtgemacht hat. Im Rahmen der Dorferneuerung hält der Freistaat Fördermittel für derartige Projekte bereit und in Rohrenfels wurde ein eigener Arbeitskreis eingerichtet. Doch weil sich die Umsetzung in die Länge zieht, steht das Vorhaben nun auf der Kippe. Die Zeit wird knapp, denn bis Ende November soll ein Zeichen gesetzt werden und die Finanzierung stehen.

„Wir wollen ein Signal der Bürger“, formuliert es Ulrich Auburger, Sprecher des Arbeitskreises. Seit vier Jahren arbeite man an dem Projekt, „und irgendwann brauchen wir ein Signal und die Unterstützung aus der Bevölkerung.“ Die Aktion ist durchaus als Hilferuf zu verstehen, denn Auburger und seine Mitstreiter würden sich mehr Engagement seitens des Gemeinderats wünschen. „Und eine bessere Infrastruktur ist ja auch wichtig für Rohrenfels. Wir wollen schließlich wachsen. Und wenn man in andere Gemeinden schaut, dann sieht man, wie es gehen kann.“

Nach einer Infoveranstaltung im September schien die Welt für Ulrich Auburger und seine Mitstreiter in Ordnung. Nach jenem Abend blickte man optimistisch nach vorne. Zum einen, weil die Versammlung sehr gut besucht war, zum anderen, weil die Anwesenden sich mit dem Projekt angefreundet hatten. Letzteres ist wichtig, weil der Dorfladen nur mit Bürgerbeteiligung umgesetzt werden soll. Die Rohrenfelser sollen dafür Anteile zeichnen, um die Finanzierungslücke von 80000 Euro schließen zu können. Ein Anteil sollte mindestens 200 Euro betragen. Aktuell sind erst 18000 Euro eingesammelt, die Stimmung im Arbeitskreis ist dementsprechend gedämpft. Die Bereitschaft der Rohrenfelser, in den Dorfladen zu investieren, stagniert scheinbar und die Euphorie scheine mittlerweile einer Lethargie gewichen, findet der Arbeitskreissprecher.

Dennoch gibt es nach wie vor eine große Zahl von Befürwortern. Der Arbeitskreis hat sich im Ort umgehört und Rohrenfelser gefunden, die sich für den Dorfladen starkmachen. Für Zahnarzt Franz Glöggler etwa wäre es ein absoluter Komfort und Luxus, im eigenen Dorf einkaufen zu können. Das spare Zeit und unnötige Wege. Martina Meilinger könnte dem Gedanken ebenfalls viel Positives abgewinnen. Kinder, findet die alleinerziehende Mutter einer Tochter, sollten ab einem gewissen Alter auch mal alleine zum Einkaufen geschickt werden können. Das sei ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstständigkeit. Seitdem es im Ort eine Druckampel gebe, sei zudem die Verkehrssicherheit gewährleistet. Übereinstimmung herrscht bei den Befürwortern darüber, dass sich jene, die einen Dorfladen eher zögerlich unterstützen, zu sehr von ihrer eigenen Situation leiten lassen würden. Manch einer mache sich offenbar keine Gedanken darüber, selbst eines Tages in seiner Mobilität eingeschränkt zu sein, glaubt Helmut Müller. Engagement für den Dorfladen zu übernehmen, bedeute Verantwortung für die Zukunft der Menschen im Ort zu übernehmen, findet er. Genau so sieht es auch Ute Löser. Sie wohnt seit September in Rohrenfels. Und weil sie kein Auto besitzt, fährt sie für ihre Einkäufe mit dem Fahrrad nach Neuburg, was schon witterungsbedingt nicht immer Freude mache. Zudem, meint sie, würde für sie und Menschen in ähnlicher Situation ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotenzial wegfallen, könnte man die Einkäufe vor Ort erledigen.

Im Arbeitskreis und bei den Befürwortern des Dorfladens ist man sich einig darüber, dass man bei den angebotenen Nahrungsmitteln auf regionale Produkte und keine Discounterware zurückgreifen sollte. Gerade bei Obst und Gemüse soll Qualität und Frische garantiert sein, ein positiver Aspekt für Natur und Umwelt wäre auch vorhanden, ergänzt Ulrich Auburger. Doch nun droht das Vorhaben am mangelnden finanziellen Engagement der Nutznießer zu scheitern.

Eigentlich müssten nur insgesamt 400 Bürger für jeweils 200 Euro Anteile zeichnen und die Sache wäre erledigt, meint Siegfried Lindner, Mitglied im Arbeitskreis. „Noch ist ja Zeit“, wirbt er. Die Absichtserklärungen findet man im Gemeindeblatt oder im Eingangsbereich der Gemeindekanzlei ausliegen. (mit nel)

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