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Diskussion in Bertoldsheim

08.07.2018

Bertoldsheimer Poldergegner holen sich Unterstützung 

BI-Sprecher Peter von der Grün (2. von links) begrüßte zusammen mit dem Rennertshofener Bürgermeister Georg Hirschbeck (links) die drei Grünenpolitikerinnen auf der Terrasse der Schlossgaststätte, mit der potenziellen Polderfläche jenseits der Bebauung im Hintergrund: Eva Lettenbauer, Karola Schwarz und Christine Kamm (v.r.).
Bild: NR

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Christine Kamm hört sich die Argumente der Bürgerinitiativen an und verspricht politischen Beistand.

Ruhig geworden war es zuletzt um den Aufreger Flutpolder Bertoldsheim/Burgheim – zu ruhig für die Bürgerinitiative vor Ort. Der Sprecher der Nord-BI, Peter von der Grün, fürchtet, dass das derzeit von zwei Fachbüros aus Ulm und der Schweiz durchgerechnete Grundwassermodell am Ende ein Ergebnis ganz im Sinne der Auftraggeber sein könnte. Um die Diskussion zu befeuern und sich im Vorfeld der Landtagswahlen politische Unterstützung zu holen, haben die BI’s deshalb die Landtagsfraktionen zu ihrem regelmäßigen Stammtisch eingeladen. Als Erstes haben die Grünen die Gelegenheit wahrgenommen.

Wie sinnvoll ist eine Riesenwanne am Donaunord- oder Südufer?

Am Freitag diskutierten MdL Christine Kamm (Augsburg), die Donau-Rieser Landtagsdirektkandidatin Eva Lettenbauer und die Neuburger Kreisrätin Karola Schwarz mit den Anliegern über Hochwasserschutz und die Sinnhaftigkeit der Riesenwanne am Donaunord- oder Südufer mit einem Volumen von 19 Millionen Kubikmetern.

Kamm: Das Pfingsthochwasser 1999 miterlebt

Mit der Stepperger Enge, so argumentierte Moderator Peter von der Grün, existiere schon ein natürlicher Hochwasserschutz vor Ort. Zudem werde auf Rennertshofener Flur bis 2020 bereits der Flutpolder Riedensheim fertig gebaut. Man habe damit schon einen wesentlichen Beitrag geleistet, so der Tenor. Sie werde im Oktober nicht mehr antreten, entgegnete Kamm, dennoch sei ihr dieses Thema nicht gleichgültig. Sie selbst lebe an der Wertach, habe das Pfingsthochwasser 1999 miterlebt, und könne seitdem beobachten, wie durch die Aufweitung des Flusses Hochwasserschutz mit ökologischer Aufwertung von Flora und Fauna sehr gut einhergehen könne. „Ich sehe dort jeden Tag, was Wunderbares geschehen kann, wenn man Hochwasserschutz in der Fläche betreibt. Das Wasser in der Wertach fließt nicht mehr so schnell ab wie früher.“

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Hochwasserschutz an der Wertach als Blaupause für die Region?

Kamm sieht daran in Blaupause für die Donau, eine Alternative für das technische Konzept der Staatsregierung mit einer Kette von zwölf Poldern zwischen Ulm und Regensburg. Es sei sinnvoller, an den Zuflüssen vorzusorgen. Das sei dort in viel effektiverem und verträglichem Umfang möglich. „Ich bin erschrocken, als ich die Pläne gesehen habe, was für eine Riesenmauer bei Ihnen geplant ist und wie viel Fläche dabei entwertet wird. Das ist ein Monstrum.“

Eva Lettenbauer will am 14. Oktober ins Maximilianeum einziehen. „Wir bleiben mit Ihnen am Ball“, sicherte sie den rund 60 Zuhörern im Saal zu. Sie bedauere das Primat des technischen Hochwasserschutzes in Bayern. Das führe dazu, dass einige Regionen, wie die Kreise Donau-Ries und Neuburg-Schrobenhausen, stärker belastet würden, andere dagegen gar nicht. „Wir stehen auf der Seite der BI und wollen diesen zweiten Polder verhindern, ohne Wenn und Aber“, versprach sie.

Aus technischer Sicht sei Skepsis angebracht, ob mit Poldern der Abfluss zu steuern sei, sie seien zu träge. Die Grünen setzen auf natürlichen Hochwasserschutz, outete sich Lettenbauer als Verfechterin der Nationalparkidee. „Die Auwälder sind die große Besonderheit an der Donau. Ihr Schutz ist aktiver Hochwasserschutz und zugleich setzen wir damit die Biodiversitätsstrategie um.“ Die biologische Vielfalt zu schützen sei ein Markenkern der Grünen.

Absolute Fehlplanung

„Das muss sein!“, ließ Peter von der Grün keinen Zweifel am Sinn von Hochwasserschutz. Es müsse aber die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Polderkonzeptes gestellt werden. Der Rückhalt an der Landkreisgrenze sei eine absolute Fehlplanung. Die Ausmaße – eine Fläche von 700 Fußballfeldern – gigantisch, die Kosten immens, die Bauwerke und der Damm riesig, die Wirksamkeit fraglich. Bei einer Einstautiefe von fünf Metern werde der hydraulische Druck immens sein, die Folgen für die Häuser der Anlieger unkalkulierbar, befürchtet nicht nur er. „Das wir auf dem Land und unser Anliegen keine Rolle spielen sollen in München, ist einfach nur erbärmlich.“

Starke Worte fand Bürgermeister Georg Hirschbeck (CSU). „Ministerpräsident Markus Söder hat gesagt, gegen den Bürgerwillen ist nichts durchsetzbar. Für mich heißt das in der Konsequenz, auch kein Flutpolder!“

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