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Neuburg

06.02.2018

Bilanz: „Einbruch“ im Bücherturm

Gemütlich: Oben im Bücherturm ist eine neue Lounge eingerichtet worden. Bibliotheksleiter Ralph Zaffrahn schmökert hier gerade in einem Sachbuch.
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Gemütlich: Oben im Bücherturm ist eine neue Lounge eingerichtet worden. Bibliotheksleiter Ralph Zaffrahn schmökert hier gerade in einem Sachbuch.
Bild: Dorothee Pfaffel

Die Ausleihzahlen in der Stadtbücherei sind 2017 stark zurückgegangen. Woran liegt das und was könnte man dagegen tun?

Der Neuburger Bücherturm verzeichnet zum ersten Mal in seiner Geschichte stark sinkende Ausleihzahlen. „So einen Einbruch gab es noch nie“, sagt der Leiter der Stadtbücherei Ralph Zaffrahn. Im vergangenen Jahr wurden rund 7000 Medien weniger ausgeliehen als im Jahr davor. Und auch die Neuanmeldungen in der Bücherei sind zurückgegangen. Zaffrahn hat aber schon einige Ideen, wie er diesem Trend entgegenwirken will.

162000 entliehene Medien waren es noch 2016, ein Jahr später waren es schon nur mehr 155000. Zwar habe die Ausleihe elektronischer Medien über die Onleihe Schwaben um 1000 zugenommen, wie der Bibliotheksleiter berichtet, doch das konnte den Rückgang bei den klassischen Medien – darunter versteht man alles, was man direkt vor Ort im Bücherturm bekommen kann – nicht kompensieren. Die sinkende Beliebtheit klassischer Medien sei ein bundesweiter Trend, so Zaffrahn. Vor allem Hörbücher, Erwachsenen-DVDs sowie Kinder- und Jugendbücher würden immer weniger nachgefragt. Und natürlich Musik-CDs. Das liege am Internet, vermutet der Bibliotheksleiter, insbesondere an Streamingdiensten. Bei Romanen, Kinderspielen und Kinderzeitschriften sei die Nachfrage 2017 hingegen gestiegen.

Zu den sinkenden Ausleihzahlen passen die weniger gewordenen Neuanmeldungen: 2016 waren es 565, 2017 nur noch 476. Auch die Anzahl der aktiven Leser ist laut Zaffrahn von 3000 auf 2800 gefallen.

Was tun? Ein paar Maßnahmen wurden bereits getroffen: Eine Bibliotheksmitarbeiterin besucht zum Beispiel Kindergärten und stellt dort die Bücherei vor. Dann gibt es „Willkommenstüten“ mit einem Überraschungsinhalt für Buben und Mädchen. Die Kinder- und Jugendbuchregale wurden umgebaut und nach Interessensbereichen wie Fantasy, Tiere, Abenteuer und so weiter sortiert. Für die Erwachsenen gibt es eine neue Lounge mit zwei roten Sofas im obersten Stockwerk. Dafür mussten zwei Sachbuchregale weichen, doch auch die finden immer weniger Beachtung. Zaffrahn würde gerne Kaffee anbieten, allerdings fehlt im Bücherturm ein Wasseranschluss. Kürzlich wurden die Innenwände – zum ersten Mal seit 26 Jahren – neu gestrichen und auch die Innenbeleuchtung soll ausgetauscht werden. Aber von einer Klimaanlage, die für angenehme Temperaturen während der Sommermonate sorgen könnte, kann Zaffrahn weiterhin nur träumen. Wie Dieter Reichstein vom städtischen Bauamt auf Nachfrage erklärte, kämen ohnehin nur zwei ganz andere Möglichkeiten infrage: entweder Außenjalousien, die aber sehr störungsanfällig seien, oder spezielle Fenstergläser, die bessere Wärmedämmeigenschaften hätten als die bisherigen und gleichzeitig vor der Sonne schützten. Reichstein: „Wir haben den Bücherturm im Auge, aber in diesem Haushalt ist nichts angemeldet. 2018 wird also noch nichts umgesetzt.“

Statt Musik-CDs einzukaufen, würde der Bibliotheksleiter lieber an einem Streamingdienst für Bibliotheken teilnehmen. Er hat schon eine entsprechende Anfrage beim Kulturamt der Stadt gestellt. Eine weitere Idee Zaffrahns wäre ein kostenloses sechsmonatiges „Schnupperlesen“ für Neubürger. Vorstellen könnte er sich auch einen Bücherschrank an einem öffentlichen Platz in der Stadt, aus dem jeder Bücher herausnehmen und hineinstellen darf. Im Bürgerhaus Schwalbanger gibt es ein solches Regal bereits, im Bürgerhaus im Ostend würde der Bibliotheksleiter gerne noch eines aufstellen, um auf die Bücherei im ersten Stock hinzuweisen, die ohnehin nur noch vier Stunden in der Woche ehrenamtlich betrieben wird. Außerdem möchte Zaffrahn die kostenlose Ausleihe für unter 18-Jährige stärker bewerben.

Der Bestand des Bücherturms wurde 2017 um 3800 Medien aufgestockt, darunter vor allem Bücher, aber zum Beispiel auch die sehr gut nachgefragten Playstation-Spiele. Der Gesamtbestand beträgt nun 58000 Medien. „Wir platzen aus allen Nähten. Wir bräuchten dringend mehr Platz“, sagt Zaffrahn. Dabei werden in der Stadtbücherei auch jedes Jahr Exemplare ausgemistet. Ein Glück, dass es die Onleihe gibt – die braucht nämlich keinen Platz in Neuburg und ihr Bestand wächst kontinuierlich: 2013 verfügte sie über 10284 Medien, 2017 bereits über 32150. „Eine Erfolgsgeschichte“, findet Zaffrahn. Um alle Angebote der Stadtbücherei nutzen zu können, zahlen Erwachsene 15 Euro pro Jahr. Im vergangenen Jahr hat man so 25000 Euro eingenommen, im Jahr davor waren es 27160.

Im Bücherturm kann man aber nicht nur Bücher, CDs, DVDs und Spiele ausleihen. Dort finden auch jedes Jahr Ausstellungen und Veranstaltungen statt. Heuer sind vier Ausstellungen geplant: Eine mit Plakaten anlässlich der 50. Produktion der Kammeroper, eine mit den Resultaten eines BUND-Naturschutz-Fotowettbewerbs zum Thema Donau-Auen, eine mit Bildern von Rainer Röschke und eine mit Fotografien von Manuela Keller. Die Veranstaltungen beginnen am 9. März mit einer Beamer-Show von Gabriele Schmid: „Die Magie des Jakobswegs“. Am 16. März geht es weiter mit einer Märchenstunde von Carla Teigeler: „Klein Häschen wollt spazieren gehen“. Am 28. März folgt ein Vortrag zu archäologischen Funden im Landkreis, am 10. April ein Reisebericht über Korsika, am 16. April eine Krimilesung von Inge Löhnig aus ihrem Buch „Sieh nichts Böses“ im Pfarrsaal Heilig Geist (in Zusammenarbeit mit der Katholischen Bücherei) und am 8. Juni eine Vorlese- und Malstunde mit Heike Kielsmeier zum Buch „Die hässliche Fünf“. Ein Schachturnier für Kinder und Jugendliche findet am 14. Juli statt, eines für Erwachsene am 21. Juli. Zum Buch „Taxifahrt mit Viktor“ gibt es am 5. September eine Ferienpass-Veranstaltung mit Heike Kielsmeier. Am 9. November beschließt der Bücherturm das Jahr mit einer Lesung von Volker Weidemann aus dem Buch „Träumer“ – in Zusammenarbeit mit der Ernst-Toller-Gesellschaft und dem Historischen Verein – im Kongregationssaal.

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