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12.06.2009

"Bin ich hier falsch?"

Eichstätt Mattias Reimers sitzt lässig mit einem Kaffee in der Küche seiner WG. "Kann ich deinen Spielstand am Computer überschreiben?", fragt ein Mitbewohner. "Ja klar! Aber nur wenn wir dann nachher zusammen noch mal neu anfangen", gibt Matthias zurück. Während seine Kommilitonen in der Uni sitzen oder sich in der Bibliothek hinter Büchern vergraben, lebt Matthias in den Tag hinein und beschäftigt sich mit Dingen, die ihm Spaß machen. Der 20-Jährige hat vor gut zwei Wochen beschlossen sein Studium aufzugeben.

Gründe dafür gab es viele, sagt er. Aber der Kern des Problems sei gewesen, dass er sich nicht mit seinem Journalistik-Studium und erst recht nicht mit dem Beruf des Journalisten identifizieren konnte. "Je mehr ich studiert habe und journalistische Tätigkeiten wie Schreiben und Recherchieren ausgeübt habe, desto klarer wurde mir, dass es nichts für mich ist." Einen konkreten Auslöser für die Aufgabe des Studiums habe es nicht gegeben. Allerdings sei ihm immer häufiger aufgefallen, dass er sich nicht wie seine Kommilitonen für die Studieninhalte begeistern konnte. "Da stellte sich mir ständig die Frage: Bin ich hier falsch?", erklärt Matthias.

Mit solchen Gefühlen steht der 20-Jährige nicht allein da. Studienberater Dr. Georg-Matthias Mojse erlebt jedes Semester zahlreiche Fälle, in denen Studierende feststellen, dass ihr aktuelles Studienfach nicht mehr ihren Interessen entspricht. Das sei neben falschen Erwartungen an das Studium die häufigste Ursache für einen Studienwechsel. "Dabei sollte man allerdings als BAföG-Empfänger darauf achten, dass man sich innerhalb der ersten zwei Semester darüber klar wird, ob man das Studium weiter führen will oder nicht", sagt Mojse. Ansonsten kann es Probleme mit der finanziellen Unterstützung geben." Bei einem Studienwechsel nach dem dritten oder vierten Semester müsse man dem BAföG-Amt schon triftige Gründe präsentieren. Das können unter anderem gesundheitliche Probleme, wie beispielsweise eine Allergie gegen chemische Substanzen bei einem Chemie-Studenten oder das mehrmalige Versagen in entscheidenden Prüfungen sein.

Bei Bachelorstudenten folgt eine Zwangs-Exmatrikulation, wenn nach Beendigung des 3. Semesters nicht wenigstens 40 ECTS-Punkte erreicht wurden. Allerdings beobachtet Mojse, dass die Zahl der Studienabbrecher seit der Einführung des Bachelor/Master-Systems stark zurückgegangen ist. Der Studienberater begründet diese Entwicklung damit, dass Studierende schon während des Studiums Leistungen erbringen und sich nicht erst am Ende mit einem unüberwindbaren Berg an Prüfungen konfrontiert sehen. Auch setze man sich im neuen System früher damit auseinander, ob man die richtige Wahl getroffen hat.

"Bin ich hier falsch?"

Wer dennoch sein bisheriges Studium aufgibt oder es gezwungenermaßen beenden muss, sollte sich rechtzeitig über Bewerbungsfristen des neuen Studienfaches informieren und am besten mit dem Studienberater der jeweiligen Universität abklären, ob man sich bereits erbrachte Leistungen eventuell anrechnen lassen kann.

Matthias Reimers hat noch keine konkreten Pläne, wie es jetzt für ihn weiter gehen soll. Am liebsten würde er eine Weltreise machen und auch die ärmsten Länder der Erde bereisen, um sich selbst besser kennenzulernen. "Ich bin aber nicht so naiv zu glauben, dass ich nach dieser Reise plötzlich weiß, was ich studieren soll." Er müsse jetzt einfach ausloten, welches Studienfach zu ihm am besten passe. "Momentan könnte ich mir Chemie oder Maschinenbau gut vorstellen", sagt Matthias.

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