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Justiz

22.06.2017

Bisher selten in Freiheit gewesen

Am Landgericht muss sich ein 32-Jähriger wegen versuchter Vergewaltigung verantworten. Es gibt noch kein Urteil, aber ins Gefängnis wird er wieder müssen. Die Vorstrafenliste ist enorm

Wenn man von seinen 32 Lebensjahren rund 15 nicht in Freiheit, also in Gefängnissen oder im Entzug verbracht hat. Wenn man – umgekehrt – seit 1998 nur neun Monate am Stück auf freiem Fuß war, dann drängt sich eine Frage ziemlich deutlich auf: Wohin soll dieses noch recht junge Leben denn eigentlich weiter führen?

Genau das wollte Richter Thomas Denz gestern am Landgericht vom Angeklagten wissen. Der muss sich diesmal wegen versuchter Vergewaltigung, wegen gefährlicher Körperverletzung und diverser Diebstähle verantworten. Die Antwort lautete: Einen Beruf erlernen, Schreiner vielleicht.

Ob es dazu kommt, ist ungewiss. Sicher ist, daraus machte der Vorsitzende der 5. Strafkammer keinen Hehl, dass der Ingolstädter auch die nächste Zeit seines Lebens wird in Haft verbringen müssen.

Ob der Mann, der im August vergangenen Jahres eine 27-Jährige nackt in der Badewanne überfallen hatte, tatsächlich wegen versuchter Vergewaltigung verurteilt wird, ist zwar ungewiss. Denn die zu Tode erschreckte, gewürgte, geschlagene und gefährlich verletzte Ingolstädterin konnte sich bei Prozessauftakt nicht mehr genau erinnern, wohin ihr der Angeklagte überall gegriffen hatte, als sie sich heftig gewehrt und ihm so gerade noch entkommen konnte. Bei der Polizei hatte sie zwar entsprechende Angaben gemacht. Und: Was auch sonst hätte sie von dem Fremden annehmen sollen, der sie nackt heimsuchte, als sie gerade mit einem Entspannungsbad das Wochenende begann? Dennoch: Für das Urteil zählt, was vor Gericht gesagt wird. Und da der Angeklagte zwar einerseits geständig ist, aber andererseits sexuelle Absichten vehement bestreitet, steht da Aussage gegen Aussage.

Wie berichtet, hatte er angegeben, dass er die Tage kurz nach seiner Haftentlassung im vergangenen Hochsommer vor allem mit Drogen und Alkohol verbracht hatte: Marihuana, Schnaps und Heroin. Auch an jenem 19. August 2016. Da sei er, wie früher schon so oft, sehr berauscht in ein Haus eingebrochen. Er habe gedacht, er sei allein, sei dort „herumspaziert“, habe Geld genommen, habe sich später in einem Arbeitszimmer erleichtert und habe sich danach, um sich zu reinigen, auf die Suche nach einem Bad gemacht. Dass dort eine Frau in der Wanne lag und eine Serie schaute, will er nicht mitbekommen haben. Er sei als er sie sah in Panik geraten, habe sie – wie in der Anklage beschrieben – geschlagen, gewürgt und aus der Badewanne gezerrt. Er betonte aber, dass er zu keinem Zeitpunkt Sex gewollt habe. Er habe gewollt, dass die schreiende Frau still sei, damit er nicht schon wieder ins Gefängnis müsse.

Für wie glaubwürdig die Kammer das alles hält, wird sich noch herausstellen. Die rechtsmedizinischen und toxikologischen Gutachter stellten die Aussage des Angeklagten – was den Drogenrausch betrifft – deutlich infrage. Auch wenn die Eingrenzung des Promillewertes nicht ganz leicht gewesen war, sei eine Einschränkung seiner Steuerungsfähigkeit für den Überfall der Frau im Bad auszuschließen. Zudem seien Heroin und THC – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – nicht nachzuweisen.

Der Angeklagte, der sich bei der Frau am ersten Verhandlungstag entschuldigt hatte, ist nicht einschlägig vorbestraft. Es gibt keine Verurteilungen wegen Sexualstraftaten. Dennoch gehört sein Eintrag im Bundeszentralregister zu den sehr ausführlichen. Einbrüche, Drogengeschichten, Raub, Körperverletzung. Zuletzt hatte er nach einer Einbruchserie betrunken mehrere Autos geschrottet. Deshalb hatte er beim letzten Mal fast dreieinhalb Jahre bekommen. Nur wenige Tage nach der Entlassung wurde er wieder straffällig. Das Urteil wird nächsten Mittwoch verkündet.

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