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Kreis Eichstätt

19.03.2018

Bistum gegen Gemeinde: Glaubenszwist im Egweiler Pfarrhaus

Bruder Justin (rechts) und Bruder Clemens (Dritter von rechts) wollen mit ihren Unterstützern in Egweil bleiben. Das Bistum hat sich sowohl von der Glaubensinitiative als auch von Kaplan Johannes Weise distanziert. Der Kaplan und zwei weitere Unterstützer mussten, bevor das Bild entstanden ist, zu einem Termin.
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Bruder Justin (rechts) und Bruder Clemens (Dritter von rechts) wollen mit ihren Unterstützern in Egweil bleiben. Das Bistum hat sich sowohl von der Glaubensinitiative als auch von Kaplan Johannes Weise distanziert. Der Kaplan und zwei weitere Unterstützer mussten, bevor das Bild entstanden ist, zu einem Termin.
Bild: Bastian Sünkel

Die Egweiler Kreuzbrüder stehen für eine Kirche, die sich nicht hinter Mauern versteckt. Wird ihnen das nun zum Verhängnis? Das Bistum trennt sich von Kaplan Johannes Weise.

Das Schreiben trifft Kaplan Johannes Weise aus heiterem Himmel. Der Brief kommt am 31. Dezember im Pfarrhaus in Egweil an und trägt die Unterschrift: „ Gregor Maria Hanke, Bischof von Eichstätt“. Der Bischof macht darin unmissverständlich klar, dass er sich zum 31. Juli von seinem Kaplan trennen wird und er Kaplan Weises Glaubensgemeinschaft in seinem Bistum „für beendet wissen möchte“. Bischof Hanke zweifelt in dem Schreiben an (liegt der Redaktion vor), dass die Gemeinschaft kirchlichen Verlautbarungen genüge und, dass Kaplan Weise der Richtige dafür sei, die „Gemeinschaft vom Kreuz“ zu leiten. Eine Bankrotterklärung und ein Rausschmiss von höchster Stelle.

Noch einen Monat zuvor hat der Bischof eine ganz andere Meinung von den Egweiler Glaubensbrüdern. Am 30. November gibt Bischof Hanke mit seiner Unterschrift die Anerkennung der „Gemeinschaft vom Kreuz“ als kirchlicher Verein bekannt. Mit einer Veröffentlichung im Pastoralblatt des Bistums wäre der Verein für zwei Jahre unter dem Schutz des Bistums gestanden. Doch die Veröffentlichung hat es nie gegeben. Stattdessen den Brief mit der Kündigung.

Kreuzbrüder haben viele Unterstützer

Was war passiert? So wirklich sicher ist sich an diesem Montagnachmittag niemand. Die drei Kreuzbrüder haben sich mit acht Unterstützern aus dem Ort im Pfarrhaus versammelt. Seit Februar 2015 leben Bruder Martin (Kaplan Johannes Weise, 41), Bruder Justin (Jonathan Veit, 29) und Bruder Klemenz (Kai Röder, 43) in dem Haus ein Ave-Maria von der Kirchentür entfernt. Kaplan Weise hat Ende 2013 die halbe Stelle im Pfarrverband Nassenfels unter der Prämisse angetreten, dass er seine Glaubensinitiative mit seinen Mitbrüdern ins Leben rufen darf. Die drei Theologen verfolgen das erklärte Ziel, sich unter ihrem Leitspruch „Keuschheit, Gehorsam, Armut“ nicht hinter den Mauern des Pfarrhauses zu verstecken, sondern ihren Dienst an der Gemeinde zu tun. Seit die Brüder im Februar 2015 ins Pfarrhaus eingezogen sind, sind sie auf die Menschen zugegangen. Sie haben einen Gospelchor und eine Posaunengruppe gegründet, im Wirtshaus Fastenpredigten gehalten, sich um benachteiligte Menschen gekümmert und gerade bei jenen den Glauben beworben, die man nicht in der Kirche sehe, erklärt Kaplan Weise. Anfangs herrschte Skepsis, sagt er. Ihre Methoden wirkten unkonventionell. Einige Gemeindemitglieder hätten sich sogar gefragt, ob es sich um eine Sekte handelt. Die Skepsis hat sich gelegt. Sie haben viele Freunde und Unterstützer in Egweil gefunden. Aber auch Kritiker.

Bistum gegen Gemeinde: Glaubenszwist im Egweiler Pfarrhaus

Ein Streit bahnte sich direkt beim Einzug an. Die Brüder planten, einen Gemeinschaftsschlafraum unter dem Dach einzurichten. Die Kirchenverwaltung war aus baurechtlichen Gründen dagegen. Das Verhältnis mit einzelnen Mitgliedern der Verwaltung spitzte sich zu. Und auch zwischen den Brüdern und Pfarrer Slawomir Gluchowski hängt seit mehreren Wochen der Haussegen schief. Im Dezember verlangt der Geistliche von Bruder Clemens, seine Kandidatur für den Pfarrgemeinderat zurückzuziehen, sagt der Kreuzbruder mit dem Verweis auf Zeugen dieses Gesprächs. Einen zweiten Disput habe es zwischen den Eltern der künftigen Kommunionkinder und dem Pfarrer gegeben. Die Eltern forderten, dass die Brüder den Unterricht übernehmen. Pfarrer Gluchowski war dagegen. Kurz vor Weihnachten sollte ein Gespräch zwischen Pfarrer, Kaplan und Generalvikar Isidor Vollnhals die Situation entschärfen. Nur eine Woche später kam die unerwartete Auflösung des Arbeitsvertrags mit Kaplan Weise – ohne dass einer der Hauptverantwortlichen im Bistum das Gespräch mit den Brüdern gesucht habe, sagen sie und ihre Unterstützer. Eine Erklärung bleibt das Bistum den Gemeindemitgliedern schuldig. Als erste Reaktion haben nun elf Pfarrgemeinderatsmitglieder ihre Kandidatur für die Wahl Ende Februar zurückgezogen und ehrenamtliche Kirchenhelfer ihre Posten – auf Zeit – niedergelegt.

Keine Auskunft und Drohungen

Auf Nachfrage unserer Zeitung hält sich das Bistum bedeckt. Kaplan Weise sei „befristet und auf Probe in den Dienst der Diözese Eichstätt übernommen“ worden, heißt es in dem Schreiben. Das Anstellungsverhältnis werde zum 30. Juni beendet, schreibt die Pressestelle fälschlicherweise. Auch die Kirchenverwaltung Egweil will sich nicht zu dem Thema äußern. Ein Mitglied, das laut Unterlagen, die unserer Zeitung vorliegen, öfter mit den Kreuzbrüdern aneinandergeraten ist, droht mit rechtlichen Konsequenzen, wenn die Kirchenverwaltung in diesem Artikel erwähnt wird. Pfarrer Gluchowski ist telefonisch nicht erreichbar.

Die Kreuzbrüder wollen in Egweil bleiben. „Wenn man die Flucht ergreift, gibt man ihnen recht“, sagt Bruder Clemens. Am Sonntagabend haben sich nach eigenen Aussagen rund 250 (größtenteils) Befürworter der Glaubensinitiative im Egweiler Heindl-Saal versammelt, um sich für die Brüder einzusetzen und eine Erklärung vom Bischof einzufordern. Das Bistum will sich bis Anfang Februar lediglich mit Verwaltung und Pfarrgemeinderat treffen.

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