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Serie (3)

11.10.2019

Bittersüßes Gewächs gegen Albträume

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2 Bilder
Die Blütenstände der Pflanze sind besonders.

In Neuburgs Auwäldern wächst der „Bittersüße Nachtschatten“, eine Pflanze, die eng mit altem Volksglauben verbunden ist und so manches Kuriosum zeigt

Der Donau-Auwald zwischen Neuburg und Ingolstadt bietet vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Das Aueninstitut Neuburg erforscht seit über zehn Jahren dieses besondere Ökosystem und unterstützt so die Arbeit des Wasserwirtschaftsamtes Ingolstadt und der Naturschutzbehörde Neuburg und Ingolstadt bei deren Bemühungen, den Auwald und seine natürlichen Bedingungen zu erhalten. Hier wird regelmäßig über besondere Arten, fragile Beziehungen und Kuriositäten aus der Aue vor unserer Haustüre berichtet.

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Nachtschattengewächse – eine Pflanzenfamilie, die von uns Menschen sehr unterschiedlich genutzt wird: Manche Art stellt wichtige Nahrungsmittel, wie zum Beispiel Kartoffel, Paprika und Tomate her, prächtige Zierpflanzen sind vertreten wie die Engelstrompete und schließlich gibt es in dieser Familie auch Arten, deren Inhaltsstoffe gleichsam Medizin und Gift sind, zum Beispiel die Tollkirsche, der Stechapfel oder das Bilsenkraut.

Der heimische „Bittersüße Nachtschatten“ ist ein eher unbekannter Vertreter der Familie. Er soll, so ein alter Volksglaube, Albträume fernhalten und übler Nachrede entgegenwirken. Den Beinamen „bittersüß“ erhielt die Pflanze aufgrund des Geschmacks der im reifen Zustand knallroten Beeren. Sie schmecken beim Zerkauen zunächst bitter und schließlich süß. Aber Achtung: im grünen Zustand sind die Beeren höchst giftig!

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Dieser bittere Geschmack ist eine Verteidigungsstrategie des „Bittersüßen Nachtschattens“ gegen Fressfeinde: Wie viele Nachtschattengewächse enthält die gesamte Pflanze Alkaloide, die für die meisten Lebewesen giftig sind und somit ein Breitband-Fraßschutz sind. Eben diese Alkaloide sind es, die aufgrund ihrer entzündungs- und juckreizhemmenden Wirkung in der Medizin Anwendung finden. Eine weitere spannende Abwehrstrategie ist das Zusammenspiel mit Ameisen: Werden Pflanzenteile angefressen, tritt ein zuckerhaltiges Wundsekret aus, welches eine Leibgarde aus Ameisen auf den Plan ruft. Sie beschützen die Pflanze vor anderen Tieren (Schnecken und Raupen), um sich selbst an diesem Sekret zu laben.

Anzutreffen ist der „Bittersüße Nachtschatten“ auf halbschattigen und feuchten Standorten mit reichlich Klettermöglichkeiten, so auch im Schilfröhricht bei uns in den Donau-Auen.

Die filigranen Blütenstände, die der Nachtschatten von Juni bis August ausbildet, zeugen von einer besonderen Anatomie: Die fünf nach hinten geschlagenen, tiefvioletten Blütenblätter betonen die hervorstehenden, knallgelben Staubblätter, die zu einer Röhre verwachsen sind. Schließlich ragt im Zentrum der Blüte, so als ob die Blüte ihren Betrachtern neckisch die Zunge zeigen würde, der Griffel mit Narbe heraus. Die Staubblattröhre ist prall gefüllt mit Pollen, ein Lockmittel für etwaige Bestäuber.

Solanum dulcamara ist hierzulande keine bedrohte Pflanzenart. Besuchern fallen beim nächsten herbstlichen Waldspaziergang die strahlend roten Beeren auf.

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