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Theater

18.11.2019

Bühnenuntauglicher Text

Sarah Horak (links) und Ingrid Cannonier in „Big Guns“.
Bild: Jochen Klenk

Aktionismus kann die deutschsprachige Erstaufführung von „Big Guns“ im Kleinen Haus nicht retten

„Eins“ und „Zwei“ werden die Personen genannt, die 90 Minuten eine Suada ablassen über Angst, Bedrohung, Gewalt. Im 2017 in London uraufgeführten Stück „Big Guns“ der jungen englischen Autorin Nina Segal geht es nicht, wie sonst am Theater üblich (und reizvoll) um Geschichten, Menschen, Charaktere. Es wird geredet und geredet, oft derart holterdiepolter und sprunghaft, dass das Zuhören Mühe macht, die Aufmerksamkeit zu erlahmen droht. Dem Text (Übersetzung: Thomas Arzt), der unter konventionellen Gesichtspunkten als absolut bühnenuntauglich zu bezeichnen wäre, hat Mareike Mikat im Kleinen Haus des Stadttheaters versucht, auf die Sprünge zu helfen. Immerhin handelt es sich bei der Inszenierung um nichts Geringeres als die deutschsprachige Erstaufführung. Bei der Premiere war die Autorin anwesend.

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Wie üblich bei solch sperrigen Konvoluten bemüht die Regisseurin Aktionismus. Schon am Einlass gibt es eine Personensicherheitskontrolle wie am Flughafen. Dazu ein Zettel mit Anweisungen für das „Verhalten bei Evakuierung“. Die findet dann tatsächlich statt, weil ja ständig davon gefaselt wird, dass ein Mann mit Waffe anwesend sei. Das Publikum wird also, nach Sitzgruppen geordnet, ins Freie beordert, soll aber sogleich wieder reinkommen. Ein paar Leute freilich nutzen die Chance, um sich unauffällig aus dem Staub zu machen. Und versäumen, wie die Protagonistinnen anschließend in Dirndl und weißblonden Perücken erscheinen. Welch eine kuriose Überraschung!

Interessant immerhin, wie diesmal der Bühnenraum des Kleinen Hauses genutzt wird (Ausstattung: Simone Manthey): als Arena mit Zuschauerreihen im Geviert. Dazwischen rennen, rumpeln, kreischen, machen auf Publikumsmitspiel, tasten auf elektronischen Steuerungselementen, wühlen in einem schmalen Rollcontainer nach Utensilien die tüchtigen Schauspielerinnen Ingrid Cannonier und Sarah Horak. Sie geben ihr Bestes, genauso wie der Münchner Spitzenmusiker Enik (alias Dominik Schäfer), dessen raffinierte Klanggebilde auch in Mikats „Romeo und Julia“-Inszenierung im Großen Haus zu hören sind.

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Insgesamt ist es eine heikle Sache, welche die neue Oberspielleiterin dem Publikum da eingebrockt hat. Wer sich unbedingt darüber den Kopf zerbrechen möchte, der sollte schleunigst in eine der nächsten Aufführungen gehen – ehe das Stück womöglich mangels Zuspruch vom Spielplan verschwindet. Ein großer Verlust wäre es nicht.

Weitere Vorstellungen gibt es am 19., 21., 22. und 24. November.

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