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Neuburg

05.08.2019

Chor Bittenbrunn: Eine eingeschworene Gemeinschaft

Einmal die Woche wird geprobt. Chorleiterin Sabine Gruber und der Kirchenchor „Laetare“, was so viel wie „freue dich“ heißt. Der Chor beherrscht ein breites Repertoire. An Mariä Himmelfahrt tritt der Chor in den Bittenbrunner Kirche auf.
Bild: Manfred Dittenhofer

Plus Entgegen dem Trend hat der Kirchenchor Bittenbrunn keine Nachwuchsprobleme. Warum das so ist und wie sich die Situation im Bistum Augsburg gestaltet.

Wer sich mittwochs während einer lauen Sommernacht vor das Bittenbrunner Pfarrheim setzt, erhält ein Gratiskonzert. Denn einmal die Woche übt der Kirchenchor „Laetare“, was übersetzt „freue dich“ bedeutet. Dann feilt Chorleiterin Sabine Gruber mit ihrem Chor am Repertoire. Entgegen dem Trend, dass Kirchenchöre immer schwerer Nachwuchs bekommen, singt in Bittenbrunn eine eingeschworene Gemeinschaft.

„The Lord bless you.... and keep you....“ Zuerst stimmen die Damen im Sopran ein Lied von John Rutter an. Dann kommen die Alt-Stimmen dazu. Und im siebten Takt setzen auch die Herren ein. Tenor und Bass. Nun sind alle Stimmlagen des Chors aktiv. Ein neues Lied steht an diesem Abend auf dem Programm. Sabine Gruber hat ein englisches Kirchenlied gewählt. Das Repertoire des Bittenbrunner Kirchenchors ist breit – von ganzen Messen bis hin zu weltlichen Liedern wie Halleluja von Leonard Cohen. Ob auf Deutsch, Englisch oder Latein. Der Chor singt nicht nur mehrstimmig, sondern auch mehrsprachig.

Bevor das neue Lied einstudiert wird, gilt es, die „Musikinstrumente“ der Mitwirkenden zu „stimmen“. Und gemeint sind damit nicht nur die Stimmbänder der Chormitglieder. Zum Singen gehört der ganze Körper, betont Sabine Gruber. Deshalb startet die Chorleiterin die Trainingseinheit mit einem Aufwärmprogramm. Der Körper wird leicht abgeklopft – das entspannt. Um den Resonanzkörper richtig zu nutzen, wird tief in den Bauch geatmet. Das Zwerchfell muss beweglich sein. Lockerungsübungen für den Unterkiefer folgen. Dann die ersten Tonfolgen mit unterschiedlichen Vokalen. Denn der Ton will mit jedem Vokal gleich gehalten werden. Klingt das jetzt kompliziert? Ist es aber nicht. Es ist – ganz im Gegenteil – entspannend und, ja, macht Spaß.

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Die Leiterin des Kirchenchors Bittenbrunn findet: Singen kann jeder

Sabine Grubers These lautet: „Singen kann jeder. Viele wissen es nur nicht mehr.“ Kinder würden ganz unbefangen mit der Stimme umgehen. Erwachsene dagegen hätten oft Hemmungen. Dabei habe das Singen regelrecht heilende Wirkung. Es entspannt, hebt die Stimmung und ist im Chor auch noch ein gemeinsames Erlebnis. Die Stimmung bei den Bittenbrunner Chormitgliedern ist auf jeden Fall locker und ungezwungen. Es wird viel gelacht im Pfarrheim. Und es ist eine Gemeinschaft, die über die bloßen Liederabende hinausgeht.

Der Bittenbrunner Kirchenchor hat eine lange Tradition. 1947 wurde er von dem Lehrerehepaar Richter ins Leben gerufen. Otto Richter leitete den Chor bis 2007. 2014 stand der Chor allerdings vor dem Aus: kaum Sängernachwuchs und keine Chorleitung. Bis Sabine Gruber für den Posten gewonnen werden konnte. In Wolframs-Eschenbach bei Ansbach groß geworden, musiziert Gruber seit ihrer Kindheit. 2011 zog sie mit ihrer Familie nach Bittenbrunn. Da ihr die Musik fehlte, suchte sie nach einem Chor, in dem sie mitwirken konnte. 2015 hat sie die Leitung übernommen. Seither hat der Bittenbrunner Chor wieder Zulauf. Momentan zählt er 23 Sänger. Alle vier Stimmlagen sind gut besetzt.

Manche Chöre haben nicht genug Männerstimmen

Fragt man Neuburgs Stadtpfarrer Herbert Kohler nach seinen Kirchenchören, kann der Priester durchaus Positives vermelden: „Ich habe einige ganz tolle Kirchenchöre in unserer Pfarreiengemeinschaft.“ Kohler zählt auf. Neben Bittenbrunn nennt er St. Peter, Heilig Geist und Rohrenfels. Die anderen Gemeinden hätten zwar keine eigenen Chöre, manche Sänger dieser Gemeinden hätten aber in den bestehenden Kirchenchören eine neue Heimat gefunden. Dazu kämen noch mehrere Musikgruppen. Dennoch kennt auch Kohler die Probleme, mit denen manche Chöre schwer zu kämpfen haben. Der Nachwuchs fehlt, damit ist in manchen Chören eine gewisse Überalterung zu spüren. Vor allem die Männerstimmen würden oft fehlen, meint Kohler. Abhilfe schaffe manchmal ein zeitgemäßes Repertoire an Liedern. Für Kohler haben die Chöre eine zentrale Bedeutung für die Pfarrgemeinde. „Musik öffnet die Menschen. Gestalten unsere Chöre den Gottesdienst mit, sind mehr Besucher in der Kirche.“ Außerdem sieht Kohler den Vorteil für die Teilnehmer. Singen bereite Freude und: „Wer singt, betet doppelt.“

Im Bistum Augsburg gibt es derzeit 410 Erwachsenenchöre, 140 Kinderchöre und 100 Jugendchöre. Und diesen Chören geht es recht unterschiedlich, wie Peter Frasch, Referent für Neue Geistliche Musik im Amt für Kirchenmusik, berichtet. „Manche freuen sich über regen Zuwachs, viele aber verzeichnen auch einen Rückgang, der meist auf den natürlichen Schwund aufgrund des zunehmenden Alters der Teilnehmer zurückzuführen ist.“ Nachwuchs findet sich laut Frasch überall dort, wo engagierte Chorleiter und Chöre es schaffen, Menschen zu begeistern und mitzunehmen. Dies gelinge oft, wenn verschiedene Faktoren passen: Die Persönlichkeit und Musikalität des Chorleiters, ein ansprechendes Chorrepertoire, qualifizierte Chorarbeit und damit im Ergebnis eine hohe musikalische Qualität, gute äußere Rahmenbedingungen, wie etwa Probenräume, Unterstützung durch den Ortspfarrer und die Gemeinde und schließlich die Motivation der Sänger selbst. Das Bistum bietet Laienmusikern Fortbildungen an und hilft beim Aufbau neuer Chöre.

Der Kirchenchor Bittenbrunn singt an Mariä Himmelfahrt

Auch die evangelischen Kirchenchöre leiden unter dem allgemeinen Mitgliederschwund, wie ihn alle Vereine beklagen. Kirchenmusikdirektor Hans Schott, Leiter des Verbandes evangelischer Chöre in Bayern e.V., verfolgt die Entwicklung der Chöre seit Jahrzehnten. Wegzug, nachlassende kirchliche Bindung, die Alterspyramide, Freizeit und Urlaubsverhalten. All das kollidiere mit der für einen Chor notwendigen Präsenz an Feiertagen, sagt Schott. Die beruflichen Anforderungen und die weiteren Arbeitswege fordern ihren Tribut in der Freizeitaktivität. Und das gelte auch für die Chorleiter. Und ohne Chorleiter stehe der Chor vor der Auflösung. Neue Motivation zum Mitsingen sollen die Landes-chortage bringen, die nächstes Jahr in Nördlingen stattfinden werden. Attraktive Auftritte und Weiterbildungsmöglichkeiten heben die Bereitschaft zum Mitsingen. Der Verband hat vor einigen Jahren Stefanie Hruschka-Kumpf als Chorreferentin eingestellt. Sie bietet regionale Fortbildungen an, kommt zu Chorproben und berät und unterstützt die Chorleitung.

Unterdessen hat der Bittenbrunner Kirchenchor seine eineinhalbstündige Chorprobe hinter sich. Die Mitglieder üben gerade für ihren Auftritt im Gottesdienst an Mariä Himmelfahrt. Auf ein kleines Schwätzchen bleiben die Mitglieder auch danach gerne noch. Man singt eben nicht nur miteinander.

Der Kirchenchor Bittenbrunn singt am Donnerstag, 15. August, also an Mariä Himmelfahrt, um 9 Uhr in kleiner Besetzung in der Bittenbrunner Kirche.

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