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Neuburg

08.01.2021

„Click and Collect“: So läuft das Abholgeschäft in Neuburg

Maximilian Dünstl vom gleichnamigen Neuburger Sportgeschäft zeigt, wie "Click and Collect" ab Montag läuft: Kunden bestellen online oder per Telefon und können ihre Einkäufe beim Händler vor Ort abholen.
Bild: Claudia Voth

Plus In Bayern ist „Click and Collect“ ab Montag wieder erlaubt. Damit können Kunden ihre Einkäufe direkt in den Geschäften abholen. Wie Händler in Neuburg darauf reagieren.

Seine Einkäufe im Internet oder per Telefon zu bestellen, dürfte in Lockdown-Zeiten mittlerweile für viele Standard sein. Ab kommenden Montag haben Kunden eine neue Möglichkeit, ihre Waren zu bekommen. Die Bayerische Staatsregierung hat „Click and Collect“, zu deutsch „Klicken und Sammeln“, wieder erlaubt. Wie schon im vergangenen Frühjahr ist es also möglich, während des Lockdowns Artikel zu bestellen und im Geschäft vor Ort abzuholen. Zuletzt hatte dies der Freistaat aus Sorge vor Menschenansammlungen vor den Geschäften und der möglichen Ansteckungsgefahr nicht zugelassen. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bittet Kunden, FFP2-Masken zu tragen, und bezeichnet die Abholmöglichkeit als „vielleicht letzten Strohhalm“ für viele Händler. Wie reagieren Geschäftsleute in Neuburg?

Neuburg: So reagieren Händler auf „Click and Collect“

Wer sich mit Händlern vor Ort über „Click and Collect“ unterhält, hört immer wieder die gleiche Redewendung: „Ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Dies sagt beispielsweise Maximilian Dünstl, Juniorchef des gleichnamigen Neuburger Sportgeschäfts. Es sei ein kleiner Baustein, der dazu beitrage, auch in schwierigen Zeiten ein bisschen Umsatz zu generieren. Außerdem verringere es den Aufwand der Händler. Die fuhren zuletzt viele Kilometer, um ihre Waren an die Kunden auszuliefern – nicht immer lohnten sich die Fahrwege, zumindest rein auf dem Papier. „Nachrechnen darf man da nicht immer“, sagt Dünstl. „Aber wir sind auf jeden Kunden angewiesen und wollen zeigen, dass wir für die Leute da sind.“

Neuburger Händler wollen für Kunden da sein

Dünstl hat den Eindruck, dass die Menschen die lokalen Händler unterstützen möchten. Er ist jedoch realistisch genug und weiß: „Viele bestellen derzeit bei großen Onlineplattformen oder warten bis nach dem Lockdown.“ Ab Montag kann er seinen Kunden die Waren wieder vor Ort aushändigen, über eine kleine Seitentür des Geschäfts. Dafür, dass dies zuletzt nicht erlaubt war, hat der Händler kein Verständnis. „Ob ich zum Kunden fahre oder der Kunde zu mir fährt, ist dasselbe“, sagt er.

Auch im Modehaus Brenner hört man den Vergleich mit dem Tropfen und dem Stein. Inhaber Thomas Holatko sagt bezüglich „Click and Collect“: „Es ist schön, dass das wieder erlaubt ist. Für Kunden ist das eine wichtige Möglichkeit, um kurzfristig an Ware zu kommen.“ Auch für ihn als Händler sei es ein „Zuckerl“, dass er weniger Aufwand zum Ausliefern hat. Die Ware möchte er über eine Art „Schleuse“ sicher und kontaktlos an den Kunden bringen.

„Click and Collect“ in Neuburg: Händler erwartet keinen großen Umsatzsprung

Große Umsatzsprünge durch die Abholmöglichkeit erwartet Holatko jedoch nicht. Er sieht in der Maßnahme vor allem symbolischen Wert. „Es ist ein Signal für die Kunden, dass wir weiter für sie da sind.“ Um als Händler durch die schwierige Zeit zu kommen, brauche es innovative Ideen im Bereich der Digitalisierung, ist Holatko sicher. Sein Herrenausstatter hat seit dem vergangenen Frühsommer einen Online-Shop aufgebaut. Kunden können sich unter anderem per Videochat oder Whatsapp beraten lassen. Mit solchen Angeboten will man bei Brenner den großen Onlineplattformen die Stirn bieten.

Shopping in Corona-Zeiten: Händler in Neuburg, wie hier das Modehaus Brenner, bieten beispielsweise Beratungen in Videochats an.
Bild: Claudia Stegmann

Henry Gerhard, Inhaber von Expert Helo in Neuburg, blickt positiv auf die Wiedereinführung von „Click and Collect“. „Das ist eine große Erleichterung und sehr gute Nachricht“, sagt Gerhard. Die Entscheidung, dass Abholungen wieder möglich sind, habe ihn „sehr gefreut“. Diese Möglichkeit habe zuletzt gefehlt. Die Lieferungen in den vergangenen Wochen seien mit Kosten und Aufwand verbunden gewesen. „Das war zum Teil sehr unwirtschaftlich“, sagt Gerhard. Durch die Abholungen könne der Elektrohändler nun Planbarkeit und Effizienz steigern. Menschenansammlungen könne man, wie schon im vergangenen Jahr, durch Terminvergaben vermeiden. „Da gab es nie kritische Momente“, so Gerhard. Kunden bestellen etwas über Telefon oder Internet, kommen zum Eingangstor und drücken eine Klingel. Der Händler weiß, dass es auch mit diesem Verfahren lediglich darum gehe, Umsätze teilweise zu kompensieren, die Verluste nicht zu groß werden zu lassen. „Jedes Gerät, das wir verkaufen, lindert den Schmerz.“

Händler in Neuburg: Lage ist angespannt

Die Lage der Einzelhändler ist angespannt. Das betont Michael Regnet, Geschäftsführer des Neuburger Stadtmarketings. „Je länger die Situation andauert, desto schwieriger wird es.“ Auf der einen Seite laufen Ausgaben wie etwa Mieten weiter. Auf der anderen Seite kommt die finanzielle Unterstützung des Staates nur verzögert. Die Hilfsgelder werden zum Teil erst Monate später ausgezahlt, so Regnet. „Viele Händler brauchen das Geld aber sofort.“ Vor diesem Hintergrund sei das wieder erlaubte Abholgeschäft wichtig, den lokalen Einzelhandel ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. „Großen Umsatz wird dies aber nicht bescheren“, glaubt Regnet. Dafür sei es für kleine Geschäfte zu schwierig, mit Internetgiganten wie Amazon zu konkurrieren.

Wer sich über den Neuburger Einzelhandel informieren möchte, kann dies auf der Internetseite www.neuburg.com tun. Dort sind alle verfügbaren Online-Shops der lokalen Händler aufgeführt, so der Geschäftsführer des Stadtmarketings. Nach seinen Angaben wird ein Großteil der Geschäfte in Neuburg „Click and Collect“ anbieten. Wie sich die momentane Krise auf die Neuburger Geschäftswelt auswirken wird, sei derzeit noch nicht absehbar. „Das gesamte Ausmaß wird man erst in Monaten sehen“, sagt Regnet.

Lesen Sie dazu einen Kommentar: "Click and Collect" in Neuburg: Jetzt kommt es auf die Kunden an

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