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Neuburg

06.01.2021

Corona: Neuburger Senioren "sehr enttäuscht" von Impfstart

Die Senioren in Neuburg übern Kritik am Impf-Wirrwarr.
Foto: Ulrich Wagner

Plus Der Neuburger Seniorenbeirat ist enttäuscht vom bisherigen Verlauf der Impfungen und moniert mangelhafte Kommunikation. Was das Landratsamt zu den Vorwürfen sagt und wie es nun weitergeht.

Die Zuversicht war groß, als kurz nach Weihnachten der Corona-Impfstoff auch im Kreis Neuburg-Schrobenhausen ankam. „Wir haben uns alle gefreut“, sagt Renate Wicher, Vorsitzende des Neuburger Seniorenbeirats. Schließlich sei es sehnlicher Wunsch der älteren Menschen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen und dadurch ein Stück weit Sicherheit zurückzugewinnen. „Die Leute sind bereit und willig.“ Doch von der anfänglichen Euphorie ist derzeit wenig übrig. Wicher spricht auf Nachfrage von einer „Katastrophe“, davon, dass man „sehr enttäuscht“ sei.

Die Vorsitzende des Seniorenbeirats kritisiert mehrere Punkte, unter anderem die Informationspolitik. Seit Wochen gab es beim Thema Corona-Impfungen im Landkreis einige Wendungen, etwa bezüglich eines weiteren Impfstandorts in Neuburg und der Terminvergabe. Wicher sieht die Senioren – die derzeit Hauptbetroffenen – in diesen Punkten nicht ausreichend informiert. „Keiner weiß, was Sache ist, das ist nicht schön.“ Wicher bekomme zahlreiche Anrufe von Menschen, die sich erhoffen, von ihr Informationen zur Impfung zu bekommen. „Ich weiß gar nicht, was ich den Leuten sagen soll“, beklagt sich Wicher. Die Ungewissheit, die derzeit in vielen Punkten herrsche, sei belastend, gerade für ältere Menschen, sagt sie.

Der Seniorenbeirat Neuburg nimmt die Politik in die Pflicht

Auch die Terminvergabe steht in der Kritik. Ursprünglich sollten Senioren, die für die Impfung infrage kommen, angeschrieben werden, berichtet Wicher. Doch es kam anders. In der Region müssen Impfwillige selbst aktiv werden, um einen Termin zu bekommen – entweder über Internet oder Telefon. Für Senioren sei dies eine Herausforderung, sagt Wicher. Hat man einen Termin ergattert, steht die nächste Hürde an, zumindest für Menschen aus dem Raum Neuburg: Derzeit gibt es lediglich in Mühlried die Möglichkeit zum Impfen. „Viele Senioren sind aber nicht mobil genug, um dorthin zu kommen“, sagt Wicher. Sie seien auf Angehörige oder Freunde angewiesen, die sie fahren können.

Wicher nimmt die Politik in die Pflicht. „Das hätte man vor Ort anders lösen müssen“, sagt sie zum bisherigen Verlauf der Impfungen.

Die Vorsitzende des Seniorenbeirats betont, wie wichtig ein zweites Impfzentrum in Neuburg ist. Dies wird auch kommen, und zwar bis zum 1. Februar in der Ostendhalle. Ein Sprecher des Landratsamts nimmt Stellung zur Kritik des Seniorenbeirats. Zur Informationspolitik sagt er: „Wir fühlen uns manchmal auch nicht gut informiert.“ Die Weitergabe der Vorgaben von Berlin über München in die Region laufe „nicht richtig gut“ und sei kein spezielles Phänomen des Landkreises. „Das ruckelt einfach noch“, heißt es. Dies zeige sich unter anderem in der Terminvergabe. Bis vor Kurzem hatte das Gesundheitsministerium angekündigt, die Impfkandidaten selbst anschreiben zu wollen. Daraus wurde nichts, heißt es vom Landratsamt. Die Behörde will nun den eingeschlagenen Weg weitergehen. Heißt: Menschen müssen sich aktiv für Impftermine anmelden. „Wir wollen nicht jeden Tag unsere Strategie ändern“, betont der Sprecher.

Nächste Impfstoff-Lieferung für Neuburg-Schrobenhausen am Wochenende

Zur Information schalte man zusätzlich Zeitungsanzeigen, unter anderem in der Neuburger Rundschau. Man sei zuversichtlich, so alle 6000 Menschen im Landkreis, die über 80 Jahre alt sind, zu erreichen. Schließlich seien bislang bereits 1075 Impfungen erfolgt. Wann der Rest an der Reihe ist, ist unklar. Wie berichtet, ist in dieser Woche der Impfstoff ausgegangen. Das Landratsamt erwartet die nächste Lieferung am kommenden Wochenende. So lange der Impfstoff fehlt, kann man keine Termine vereinbaren. Das für die Terminreservierung eingesetzte Programm „Terminland“ ist nur eine Notlösung, heißt es vom Landratsamt. Das eigentlich vorgesehene Programm der Firma „Accenture“ sei aufgrund von technischen Problemen noch nicht im Einsatz.

Zum Hin und Her um ein zweites Impfzentrum im Landkreis sagt der Sprecher, dass durch das vorhandene Testzentrum in Mühlried der Weg für ein dortiges Impfzentrum vorgezeichnet war. Dass man in Neuburg zunächst den Marstall zum Impfzentrum umfunktionieren wollte und diese Idee dann wieder fallen ließ, lag offenbar an einer fehlenden Information. Es sei zunächst nicht bekannt gewesen, dass heuer für diesen Veranstaltungsraum bereits Hochzeiten fix gebucht sind, sagt der Sprecher. Somit war der Marstall wieder aus dem Rennen – jetzt konzentriert man sich auf die Ostendturnhalle als Impfstandort.

Sozialreferent spricht sich für Shuttle-Service in Neuburg aus

Wie man die Zeit, bis der Betrieb dort läuft, überbrückt, beschäftigt auch den Neuburger Sozialreferenten Ralph Bartoschek. Er hat selbst seine beiden Eltern zum Impfen nach Mühlried gefahren – die Zeit dafür fand er nur, weil er in dieser Woche Urlaub hat. Haben ältere Menschen solche Fahrer aus dem Familien- oder Freundeskreis nicht, könnte es schwierig werden. „Das ist nicht optimal“, sagt Bartoschek auf Nachfrage. „Ich finde, da sollten wir etwas tun.“ Er honoriert das Engagement von Oberbürgermeister Bernhard Gmehling, der sich für das zweite Impfzentrum in Neuburg eingesetzt hat. Bis dieses kommt, denkt der Sozialreferent über Zwischenlösungen nach. Seine Idee: ein Shuttleservice von Neuburg nach Mühlried, etwa mithilfe der Bundeswehr oder Taxi- und Omnibusunternehmen. „Das wäre kein großer Akt“, ist Bartoschek sicher.


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