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Ingolstadt/Neuburg

29.12.2020

Corona: So ist die Lage an den Kliniken in Neuburg und Ingolstadt

Noch stoßen die Krankenhäuser in der Region nicht an ihre Grenzen bei der Versorgung der Patienten. Doch am Klinikum in Ingolstadt wurden noch nie so viele Corona-Patienten behandelt wie am Dienstag.
Bild: Bodo Schackow/dpa-zentralbild/dpa (Symbolbild)

Plus Viele Kranke scheuen einen Klinikaufenthalt aus Angst vor einer Corona-Ansteckung – oder vor der Einsamkeit. Wie die aktuelle Corona-Lage in der Region ist.

Die Corona-Inzidenzwerte fallen in der Region. Zumindest laut offizieller Statistik. Doch die ist wegen der Feiertage und damit verbundener Verzögerungen bei den Meldungen nur bedingt aussagekräftig. Doch wie sieht die Lage an den Krankenhäusern der Region aus? Hier bietet sich ein ganz unterschiedliches Bild: Zwar gibt es weder in Neuburg noch in Ingolstadt Versorgungsengpässe. Doch während an der KJF Klinik aktuell nur ein Covid-19-Patient auf der Intensivstation behandelt wird, vermeldet das Klinikum einen neuen Höchststand an Corona-Patienten. Andreas Tiete, Ärztlicher Direktor des Klinikums, spricht davon, dass die Lage „stabil, aber nach wie vor angespannt“ sei.

Im Klinikum Ingolstadt (Bild) werden aktuell 72 Corona-Patienten behandelt – so viele wie noch nie. Die Lage sei „stabil, aber angespannt“, heißt es von dort. Ein anderes Bild bietet sich in der KJF Klinik in Neuburg, von einer „entspannten“ Lage spricht Ärztlicher Direktor Stephan Seeliger. Beide Häuser betonten: Die Versorgung aller Patienten sei gewährleistet.

In Neuburg gibt es an der KJF-Klinik keine Versorgungsengpässe

Stephan Seeliger, Ärztlicher Direktor und Pandemiebeauftragter der KJF Klinik in Neuburg, beschreibt die Corona-Lage in seinem Haus hingegen als „entspannt“. Bei den Betten gebe es keine Engpässe, genauso wenig wie beim Pflegepersonal. Von 900 Mitarbeitern befinden sich momentan 16 in Quarantäne – über alle Bereiche hinweg. Während des ganzen Jahres über sei der Personalmangel nie so groß gewesen, dass Betten nicht belegt werden hätten können.

In Neuburg können bei Bedarf vier weitere Intensivbetten eingerichtet werden

Am Dienstag wurden in Neuburg elf Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung behandelt – halb so viele wie an einem Tag in diesem Dezember, als gleichzeitig 22 Infizierte im Haus waren. An der Klinik gibt es acht Intensivbetten für Erwachsene und zwei für Kinder. Bei Bedarf, so Seeliger, könnten weitere vier Plätze eingerichtet werden. Operationen müssen zurzeit weder in Neuburg noch in Ingolstadt verschoben werden, da während der Weihnachtsferien üblicherweise weniger geplante Eingriffe stattfinden. In Ingolstadt finden deshalb rund 40 Prozent weniger Operationen statt. Notfälle, betont Seeliger, werden zu jeder Zeit behandelt: „Hier gibt es keine Einschnitte.“

Noch nie wurden am Klinikum in Ingolstadt so viele Covid19-Patienten behandelt wie am Dienstag

Auch vonseiten des Ingolstädter Klinikums heißt es: „Die Notfallversorgung der Bevölkerung in der Region ist sicher gestellt.“ Und dennoch macht man kurz nach Weihnachten an einem der größten Krankenhäuser Bayerns andere Erfahrungen mit der Corona-Pandemie. Am Dienstag sind dort 72 Patienten mit einer Coronavirus-Infektion behandelt worden – so viele wie noch nie. Sieben von ihnen liegen aktuell auf der Intensivstation. Insgesamt gibt es am Klinikum 36 Intensivbetten, die Zahl kann kurzfristig auf 46 erhöht werden. Im Gegensatz zu Neuburg berichtet Andreas Tiete davon, dass inzwischen auch wieder viele Patienten, die deutlich jünger sind als 70 Jahre, erkranken und zum Teil beamtet und an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden müssen. Von allen Klinikums-Mitarbeitern sei knapp ein halbes Prozent selbst mit Corona infiziert, „die Ausfälle und die damit verbundenen Belastungen halten sich noch in Grenzen“. Doch die steigenden Patientenzahlen machen auch dem Personal zu schaffen: „Die Arbeitsbelastung ist stark gewachsen, auch das Arbeiten in Schutzkleidung kostet viel Zeit und ist kräftezehrend“.

Während des Jahres gab es in Ingolstadt und Neuburg deutlich weniger Patienten in der Notaufnahme

Während die Zahl der Patienten mit Covid-19 in Ingolstadt gestiegen ist, ist diejenige in der Notaufnahme „deutlich zurückgegangen“. Allerdings seien die Erkrankungen jener Patienten, die als Notfall gekommen waren, deutlich schwerwiegender gewesen. „Wir haben während der Corona-Zeit vergleichsweise viele Reanimationen erlebt“, sagt Tiete. Eine ähnliche Entwicklung hat auch Seeliger in Neuburg beobachtet: „Wer in die Klinik kam, war wirklich krank“, sagt er. „Hier hatte man manchmal das Gefühl, die Menschen kamen kränker in die Klinik als 2019, weil sie länger zu Hause abgewartet haben, um das Haus, so lange es ging, nicht zu verlassen.“ Insgesamt waren 2020 weniger Patienten in der KFJ Klinik stationär und ambulant versorgt worden. Zum einen habe die Angst vor einer möglichen Ansteckung eine Rolle gespielt, glaubt Seeliger. Vor allem bei älteren Menschen sei noch ein anderer Aspekt hinzugekommen: Manche scheuten einen Klinikaufenthalt, weil sie nur sehr eingeschränkt oder gar nicht besucht werden konnten. „Menschen, die keinen Besuch empfangen können, verschieben lieber eine Intervention, als alleine in der Klinik zu verbleiben“, sagt Seeliger.

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