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Neuburg

21.02.2021

Corona und Kritik: Kann die Lichtershow im Neuburger Auwald kommen?

Schon einmal, im Jahr 2015, wurde der Auwald rund um Schloss Grünau in bunten Farben erleuchtet. Im März soll die Veranstaltung erneut stattfinden. Doch angesichts der Corona-Pandemie ist nach wie vor ungewiss, ob der Termin zu halten ist. 
Bild: Christian Obermeier

Plus Die Organisatoren planen fest mit dem Ausweichtermin Ende März. Unterdessen äußert die Anwohnerin Ute Patel-Mißfeldt scharfe Kritik am Winter-Wunder-Wald bei Schloss Grünau.

An diesem Wochenende wäre es soweit gewesen. Der Auwald rund um Schloss Grünau wäre in bunte Farben getränkt worden, die den Besuchern den Weg durch das Dickicht leuchten. Der Wald bei Neuburg wäre zum „Winter-Wunder-Wald“ geworden, getreu den ursprünglichen Planungen genau in diesen Tagen. Daraus wurde nichts – Stichwort Corona. Nun gibt es einen neuen Termin im März. Doch kann der angesichts des verlängerten Lockdowns eingehalten werden?

Hinter dem Projekt, das bereits 2015 im Neuburger Auwald über die Bühne ging, stecken der Förderverein des Auenzentrums, das Neuburger Stadtmarketing und die Event-Firma WBLT aus Kreut. „Wir planen fest mit dem Termin im März“, sagt Larissa Müller von WBLT.

Lichtershow in Grünau: Ersatztermin erst wieder im Oktober möglich

Man habe sich irgendwann entscheiden müssen, wie man die Planung in ungewissen Corona-Zeiten vorantreibt. In diesem Fall wollen die Macher ihr Event im Vorfeld so angehen, als ob es sicher stattfindet – auch wenn dies noch nicht wirklich absehbar ist. Der Lockdown ist vorerst bis zum 7. März verlängert. Dazu gelten momentan strenge Kontaktbeschränkungen. Der Winter-Wunder-Wald soll nach jetziger Planung an den Wochenenden vom 19. bis 21. März und vom 26. bis 28. März stattfinden. Man sei „guter Dinge“, dass es dieses Mal klappt, sagt Müller. Den Verantwortlichen ist jedoch klar: Der Lockdown dürfte nicht verlängert werden. Und die Kontaktbeschränkungen müssten gelockert werden. „Wir können Personen nicht einzeln durch den Wald schicken“, so Müller. Sollte es nötig sein, müsste die Veranstaltung erneut verschoben werden. Um die Brutzeit zu umgehen, wäre der nächstmögliche Termin in diesem Fall erst wieder im Oktober.

Die Beteiligten hoffen, dass dies nicht nötig sein wird. Schließlich handele es sich um ein Vorhaben, das speziell für die momentanen Umstände konzipiert worden sei, so Müller. „Wir wollen den Leuten in diesen schwierigen Zeiten etwas bieten.“ Um ein solches Erlebnis trotz Pandemie zu ermöglichen, habe man ein Hygienekonzept erstellt. Trotzdem ist man nun abhängig von den weiteren politischen Entscheidungen.

Event im Auwald: Ute Patel-Mißfeldt fürchtet Nachteile für die Tierwelt

Doch nicht nur diese Ungewissheit ist derzeit Thema bei den Verantwortlichen. Sie müssen auch auf Stimmen reagieren, die die Veranstaltung als solche kritisieren. Ute Patel-Mißfeldt, Bewohnerin des Schlosses Grünau und damit direkte Anwohnerin des geplanten Wald-Spektakels, hat in einem Brief an Landrat Peter von der Grün, dem Vorsitzenden des Fördervereins Auenzentrum Neuburg, große Bedenken geäußert. „Die Aussage, dass die Veranstaltung für die Natur und die Tierwelt unproblematisch ist, ist schwer zu glauben“, so die überregional bekannte Künstlerin. Es sei nicht vorstellbar, dass ein solches Event, bei dem Videoprojektion, Licht- und Ton-Animationen sowie scheinbar lebende Requisiten des Waldes zum Einsatz kommen, und dazu Tausende Besucher zu später Stunde durch den Wald laufen, keine negativen Auswirkungen auf die Waldbewohner habe. „Nimmt man Störungen von Hasen, Rehen und Wildschweinen, Irritationen bei Eulen und Beunruhigung der Kleintiere hin und erwartet von ihnen, ihren Lebensraum für eine Lichtershow zu räumen?“

Ende März würden sich, bei milden Temperaturen, Insekten bereits tummeln und Vögel schon mit dem Nestbau beginnen. Neben den Aspekten des Naturschutzes verweist Patel-Mißfeldt auf den Infektionsschutz: „Zu dieser Veranstaltung Besucher von weit über die Grenzen der Region hinaus anzulocken, erscheint in Zeiten von Corona, wo andere Städte versuchen, touristische Menschenströme abzuwenden, nicht nachvollziehbar.“ Patel-Mißfeldt bittet deshalb darum, von der Durchführung der Veranstaltung abzusehen.

Naturschutzbehörde: Keine Nachteile bei Lichtershow im Jahr 2015

Siegfried Geißler, Geschäftsführer des Fördervereins Auenzentrum, nimmt in einer Antwort an die Bewohnerin des Grünauer Schlosses Stellung. „Natürlich ist uns sehr bewusst, dass auch eine Veranstaltung dieser Art nur unter der Voraussetzung stattfinden kann, dass die dann aktuelle Corona-Situation es erlaubt und es dabei zu keinen erheblichen Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft und den darin lebenden Tierarten kommen kann“, heißt es darin. Aus diesem Grunde müsse man auch als Förderverein die Genehmigung einer solchen Veranstaltung bei der Stadt (Veranstaltungsgenehmigung) und der Unteren Naturschutzbehörde (naturschutzrechtliche Genehmigung) beantragen. „Dies bedeutet, dass die Verträglichkeit der Veranstaltung mit den Vorgaben des FFH- und Vogelschutzgebietes, sowie die Einhaltung der artenschutzrechtlichen Bestimmungen durch einen externen Gutachter erfolgt und von der Naturschutzbehörde geprüft wird“, schreibt Geißler. „Sofern die Naturschutzbehörde hier Bedenken anmeldet, wird eine Genehmigung nicht erfolgen können.“

Der geplante Termin im Februar sei auch den Veranstaltern lieber gewesen. „Jedoch sehen wir den Zeitraum von Anfang November bis Ende März als unbedenklich und werden dabei auch von den Gutachtern bestärkt, die in dieser Zeit keine erheblichen negativen Auswirkungen auf die Arten und Lebensräume im Umfeld von Schloss Grünau erkennen können.“ Auch bei der 2015 durchgeführten Lichtershow habe man keine negativen Auswirkungen feststellen können.

Grundsätzlich wolle man den Auwald der Bevölkerung nahebringen, so Geißler – gerade in der jetzigen Zeit. „Wir wollen hier als Förderverein durch unser Angebot in der kalten Jahreszeit ein Licht in die Region bringen und für Besucher die Pandemie und ihre Folgen zumindest kurzzeitig vergessen machen.“

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