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Ehekirchen/Rennertshofen

30.12.2017

Curries, Wraps und Brautkleider

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2 Bilder
Katrin Appel (links) verkauft in ihrem Foodtruck Streetfood aus Sri Lanka. Im Frühjahr hat sie damit begonnen und musste ihr Leben von da an komplett umstellen.
Bild: Jutta Appel

Katrin Appel aus Fernmittenhausen und Karin Koller aus Rennertshofen haben sich 2017 selbstständig gemacht. Für beide eine große Umstellung.

Als Katrin Appel mit ihrem Foodtruck im April 2017 auf den Sportplatz in Ehekirchen fährt, ist sie „mega nervös“, wie sie sagt. Es soll die Feuertaufe für ihr eigenes Unternehmen „Fairella“ werden. Doch die Sorge der 25-Jährigen aus Fernmittenhausen ist unbegründet. Alles geht gut. In nur zwei Stunden verkauft sie fast 80 srilankische Curries und Wraps.

Mit dem entspannten Studentenleben ist von da an allerdings Schluss. Die Woche wird ab sofort streng durchgeplant: Dienstag Büro-Angelegenheiten erledigen, Mittwoch zum Mittagsstandort nach Ingolstadt fahren, Donnerstag und Freitag Lieferanten abklappern, einkaufen und vorkochen. Samstag und Sonntag heißt es in der Hauptsaison, auf Streetfoodfestivals fahren und jeweils zwölf Stunden pro Tag knapp 600 Portionen verkaufen. Montag ist Ruhetag. Appel wird mit ihrem Foodtruck auch für private Feiern gebucht, für runde Geburtstage unterschiedlicher Altersgruppen. „Es lief alles anders als geplant. Und dass es so viel Arbeit wird, hätte ich nicht gedacht“, gibt die 25-Jährige zu.

In ihrer ersten Streetfood-Saison hat Katrin Appel viel gelernt: Man muss Probierportionen anbieten, Stimmung im Truck machen und den Kunden deutlich machen, woher die Produkte kommen, erzählt die junge Frau. Diese Tipps haben ihr erfahrenere Verkäufer auf ihrem ersten Streetfoodfestival gegeben. „Es hat mich überrascht, wie viel Solidarität es zwischen den Streetfood-Anbietern gibt. Ich hatte viele gute Gespräche.“ Doch es gab auch harte Zeiten, etwa wenn bei Events nicht viel los war oder wenn ganz kurzfristig Aufträge eingingen, die sich nicht ablehnen konnte. „Manchmal habe ich mich schon gefragt: Was mache ich hier eigentlich?“ Am Ende hat sich die 25-Jährige aber stets durchgebissen. „Ich habe immer noch Bock!“, betont sie.

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Auch privat hat sich für Katrin Appel 2017 viel verändert: Statt Fußball zu spielen, geht die 25-Jährige nun klettern – ein regelmäßiges Training kann sie nämlich nicht mehr besuchen. Die Zeit für Freunde ist ebenfalls knapp geworden. Im August ist die Unternehmerin auch noch von zuhause ausgezogen – nach Pöttmes. Ihr Büro ist allerdings weiterhin im Haus der Eltern und der Truck steht ebenfalls nach wie vor dort. Mutter Jutta Appel hilft ihrer Tochter viel beim Verkauf. „Da ist es gut, wenn man nicht auch noch zusammen wohnt“, begründet die junge Frau ihre Entscheidung. Sie brauche den Abstand zum Abschalten.

Jetzt – im Winter – herrscht Flaute im Streetfood-Geschäft. Deshalb macht die Unternehmerin derzeit Urlaub in Amerika. Aber für nächstes Jahr hat sie sich viel vorgenommen: Katrin Appel will ihre Kapazitäten steigern und einen Mittags-Standort im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen finden. Außerdem will sie anhand eines so genannten Vlogs – eine Internetseite, die funktioniert wie ein Blog, jedoch mit Videos statt Textbeiträgen – aus dem Trucker-Leben berichten. „Die Leute sollen mich im Alltag begleiten können, zum Beispiel, wenn ich zum Geflügelhof gehe oder wenn ich koche.“

Einige Kilometer weiter nördlich im Landkreis – in Rennertshofen – hat sich Karin Koller vor gut einem Jahr mit der „Hochzeitsgalerie“ selbstständig gemacht. Und obwohl die Rennertshofenerin vorher schon als Kleingewerbetreibende gebrauchte Kindermode vertrieben hatte, war der Schritt ein großer.

„Mir war schon klar, dass es viel Arbeit sein würde. Nicht umsonst setzt sich das Wort selbstständig aus „selbst“ und vor allem aus „ständig“ zusammen“, sagt Karin Koller und lacht. Blickt sie auf das erste Jahr ihrer „Hochzeitsgalerie“ zurück, muss sie sich eingestehen, dass sie zwar auf vieles gefasst war – aber trotzdem überrascht wurde. Die Hochzeitsgalerie ist ein Familienunternehmen, in dem alle an einem Strang ziehen. Aber es gibt allerlei Einflüsse von außen, auf die reagiert werden muss. Das Geschäft rückt in den Lebensmittelpunkt. All die kleinen und größeren Probleme müssen binnen kürzester Zeit gelöst werden. Trotz allem freut sich Koller über die erfolgreiche erste Saison. „Unser Konzept der individuellen und persönlichen Beratung, gepaart mit einem besonderen Ambiente, ist aufgegangen.“ Denn die Brautmodenspezialistin hat eine riesige Auswahl an Brautkleidern in ihrer „Hochzeitsgalerie“ vorrätig. Rund 300 Kleider warten auf heiratswillige Frauen – jedes Modell gibt es nur einmal.

„Mein Tagesablauf hat sich komplett verändert. Die Küche wird mehr und mehr zum Arbeitsfeld meines Mannes“, sagt Koller und schmunzelt. Mit der „Hochzeitsgalerie“ hat sie Verantwortung für drei Mitarbeiterinnen übernommen. Die zählt sie inzwischen zum erweiterten Familienkreis.

„Als wir im Familienrat die Entscheidung gefällt haben, meinen Traum von einem Hochzeitsmodengeschäft zu verwirklichen, ging alles ganz schnell. Im November 2015 wurde der Plan in Auftrag gegeben. Im März 2016 meldete ich das Gewerbe an und war damit faktisch selbstständig. Im Juni begannen dann die Bauarbeiten an der Halle und am 19. November feierten wir Eröffnung“, erzählt Koller. Sohn Fabian hatte zuvor das Grundstück gekauft und darauf eine Lagerhalle geplant. Als die Idee von der Hochzeitsgalerie reifte, schlug er vor, entsprechend größer zu bauen. So konnte Koller ihre Wünsche bereits in der Planungs- und Bauphase umsetzen und musste keine Kompromisse eingehen.

Heute bestimmen Verkaufs- und Einkaufszeiten das Leben der Rennertshofenerin. „Brautkleider werden von September bis März verkauft. Kommunionkleider von November bis Februar. Ein halbes Jahr vorher kaufe ich auf den Messen die Kleider ein.“ Zu dem Zeitpunkt muss die Inhaberin der Hochzeitsgalerie wissen, was ihre Kundinnen im nächsten Jahr tragen wollen. Gar nicht so einfach. Und natürlich muss sie die Kleider alle bezahlen, bevor sie verkauft werden. „Das bereitet mir schon mal schlaflose Nächte.“ Aber trotz alledem – Karin Koller würde es sofort wieder machen. „Ich will mit Menschen zusammen sein und bin mit Herzblut in meinem Geschäft. Und unsere familiäre Atmosphäre danken uns auch unsere Kunden, die aus einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern zu uns kommen.“

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