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Neuburg

14.01.2019

Damit sexueller Missbrauch kein Tabuthema mehr ist

Kerstin Egerer versucht als Karin Steinherr, sich gegen die Täter, die Sepp Egerer mit verschiedenfarbigen Masken darstellt, zu wehren.
Bild: Philipp Schäfer

An der Mittelschule Neuburg wurden die Schüler in einem Theaterstück mit dem Thema konfrontiert. Was sich die Initiatoren wünschen.

Die Erinnerungen sind schlimm, die Karin Steinherr an vergangene Jahre hat. „Ich hatte immer Angst, er war einfach immer da.“ Sie wurde über Jahrzehnte hinweg von mehreren Männern sexuell misshandelt. Ihre Geschichte erzählen Kerstin und Sepp Egerer in dem mitreißenden Theaterstück „Tabu“, das am Montag an der Mittelschule Neuburg gezeigt wurde.

Steinherrs Stimme ist im Hintergrund immer wieder zu hören, wenn sie ihre Erinnerungen für die Schüler der siebten bis neunten Klassen aufleben lässt. Steinherrs Leid begann bereits im Alter von nur acht Jahren. Nachdem ihr Vater gestorben war, war für Steinherr niemand da. Als nach einiger Zeit ein neuer Mann in das Leben ihrer Mutter trat, zwang dieser das junge Mädchen, sich ihm zu unterwerfen. Der Täter drohte ihr immer wieder. „Nach außen war ich so wie immer, innen sah es aber ganz anders aus“, sagt sie heute. Als Steinherr 19 Jahre alt war, kam der Täter ins Gefängnis. „Das sollte eigentlich beruhigend sein.“ Aber es kam anders. Denn bereits sechs Jahre zuvor hatte ihr Peiniger ihr einen weiteren Mann vorgestellt. Dieser stalkte sie über 20 Jahre hinweg, sogar als sie schon verheiratet war und Kinder hatte. „So viele Jahre hab ich geschwiegen, aus Angst und Scham“.

Ehepaar Egerer stellt Theaterstück dem Bundesfamilienministerium vor

Konrektorin Gabriele Sörgel nahm das Theaterstück mit: „Es macht betroffen“. Vor allem für Jugendliche an weiterführenden Schulen ab der siebten Klasse sei das Stück absolut geeignet, fügt sie hinzu. Besonders gut findet sie die anschließende Option, mit Steinherr ins Gespräch zu kommen, ihr Fragen zu stellen und mit den Schülern über das Gesehene zu reden. Das Opfer sexueller Gewalt nimmt sich für jede Klasse 45 Minuten Zeit. Steinherr motiviert zum Abschluss der Aufführung: „Ich will euch Mut machen, für euch da sein“. So hofft sie, dass Betroffene ihr Schweigen brechen und das Thema ansprechen, denn auch im 21. Jahrhundert ist der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen immer noch ein großes Tabuthema.

Kerstin und Sepp Egerer haben das Theaterstück „Tabu“ auch beim Bundesfamilienministerium vorgestellt und dort positives Feedback für ihre Arbeit bekommen. Die beiden reisten nach Berlin mit dem Wunsch, dass die Bundesregierung ihr Theaterstück finanziell unterstützt. Bis jetzt gibt es dazu noch keine Entscheidung. Das Ehepaar Egerer hofft auf weitere Auftritte an Neuburger Schulen. Das sei aber nicht so einfach, denn das Thema stoße auf manchen Seiten auf Widerstand, erklärt Kerstin. Die Egerers haben große Ziele. Die Geschichte soll bayernweit an Schulen gezeigt werden, erhofft sich Sepp. Seine Frau ergänzt: „Auch deutschlandweit“.

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