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Kirche

23.02.2018

Das Fasten der Seele

Das Fasten der Seele
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Die Fastenpredigten setzen sich mit 400 Jahren Jesuitentum in Neuburg auseinander

Wer weiß, wie sich López de Loyola gefühlt haben muss, als er auf der Pritsche im Lazarett lag. Sein Bein zertrümmerte eine französische Kanonenkugel, als er am 20. Mai 1521 den aussichtslosen Versuch startete, mit seinen spanischen Truppen die Stadt Pamplona zurückzuerobern. Die Kugel und sein Bein verdonnerten den bis ins Mark überzeugten Ritter zu einer Auszeit – und dann geschah das, was in unzähligen christlichen Erzählungen über Bekehrte berichtet wird.

Nur während andere Auserwählte aus der Begegnung mit einem Heiligen ihr Leben von Grund auf änderten, hat López in sich hineingehört. In seiner Autobiografie erzählt er, wie er auf dem Krankenbett Ritterromanzen gegen theologische Literatur eintauschte, seine Lebensbeichte ablegte und die Waffen am Altar der Klosterkirche Montserrat zurückließ. Dann begann das neue Leben des Ignatius von Loyola: Ordensgründer, Missionar, Sinnsuchender und -stiftender. Die von ihm und seinen sechs Glaubensbrüdern im Jahr 1534 gegründete Societas Jesu erlebte in den turbulenten Jahren der Reformation und Gegenreformation einen regelrechten Ansturm auf den Orden und nur wenige Jahrzehnte später war auch das Neuburger Bildungswesen – nach kurzem Intermezzo der „lutherischen Präbende“ – in Händen der Jesuiten. Am 2. Februar 1617 wurde mit dem ersten Stiftungsbrief für das Jesuitenkolleg auch der Grundstein für das spätere Studienseminar gelegt.

„400 Jahre jesuitischer Geist in Neuburg“ – das ist das Leitmotiv der Fastenpredigten 2018 der Pfarreiengemeinschaft St. Peter und Heilig Geist. Der jesuitische Geist ist für Pfarrer Herbert Kohler das, was mit dem heiligen Ignatius von Loyola begann und nun mit Papst Franziskus seinen Höhepunkt erlebt. Noch nie zuvor gab es einen Papst aus den Reihen der Jesuiten. Viel mehr galten sie als die hochgebildete „Armee des Papstes“ – auch wenn sie dafür viel zu oft eigene Ansichten vertraten, wie Pfarrer Kohler erklärt.

Für ihn und viele Gläubige findet sich das „Herzstück“ des jesuitischen Geistes aber nicht in der großen Kirchenpolitik, sondern an abgeschiedenen Orten der Stille. Es sind die Exerzitien, die den Geist des Glaubens einfangen. Zeiten der Besinnung auf sich selbst und die „Unterscheidung der Geister“, wie es der Heilige in seinen „Ignatianischen Exerzitien“ beschrieb. Pfarrer Kohler weiß aus eigener Erfahrung: „Man kann süchtig werden nach der Stille.“ Das erfordert allerdings auch Mut. Denn bei den Exerzitien gehe es wie im Leben Ignatius’ nicht darum, Konflikte zu verdrängen, sondern sie zu erkennen, um besser leben zu können.

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