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Das Freibad soll länger offen haben

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Kommentar Von Marcel Rother
17.10.2018

Um die Öffnungszeiten im Brandlbad gab es hitzige Debatten. Dabei liegt die Antwort auf der Hand.

Ja, es stimmt: Die Stadt muss sparen, und die Stadtwerke erst recht. Aber den Rotstift am Brandlbad anzusetzen, ist keine gute Idee. Warum:

Dem Brandl das Wasser ablassen – dass dieser Schritt nach hinten losgehen würde, hätte jeder Wochenmarktbesucher vorhersagen können. Kaum ein Thema eignet sich mehr, die Bürger einer Stadt zu verprellen wie Hand an geliebte öffentliche Einrichtungen zu legen. In Augsburg, meiner Heimatstadt, gründen sich sogar private Initiativen, um Freibäder vor der Schließung zu bewahren. Warum? Weil fast jeder Kindheitserinnerungen damit verbindet: das Colaeis, das Kokossonnenöl oder das erste Mal als Freischwimmer der König im Becken der König – bis die Eltern das erschöpfte Kind aus dem Wasser fischen. Kurzum, ein Freibad ist nichts weniger als ein emotional besetztes Kulturgut.

Die Sparmaßnahmen im Brandlbad sind nicht vermittelbar

Dagegen mit nüchternen Zahlen anzuargumentieren, ist eh schwierig. Unmöglich wird es, wenn man sich die Summen vor Augen führt, um die es eigentlich geht: 27000 Euro. Bei einem für Normalsterbliche absurd abstrakten Schuldenberg der Stadtwerke von 65 Millionen Euro ernsthaft zu glauben, man könnte der arbeitenden Bevölkerung plausibel vermitteln, warum sie sich im Sommer wegen eines fünfstelligen Betrags nicht mehr im Freibad abkühlen sollte, ist eine typische bürokratische Kopfgeburt: komplett an der Lebensrealität der Bürger vorbei. Erst recht in einer strukturstarken Region wie dieser.

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Beim Aufzug im neuen Parkdeck haben die Mandatsträger ihre Einsichtsfähigkeit unter Beweis gestellt und noch einmal die Kurve bekommen. Beim Brandlbad haben sie zum zweiten Mal die Chance zu zeigen, dass sie niemand daran hindern kann, jeden Tag ein bisschen klüger zu werden.

Lesen Sie hier den dazugehörigen Artikel.

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21.10.2018

Marcel Rother trifft den Nagel auf den Kopf. Es kann einfach nicht angehen auf der einen Seite für wirtschaftlich fragwürdige Unternehmen und einen viel zu üppigen Personalhaushalt Geld mit vollen Händen auszugeben und auf der anderen Seite den Zusammenhang zwischen Nehmen und Geben nicht zu verstehen. Zu sehr konzentriert sich Werkleiter Kuttenreich auf den Bereich des fragwürdigen Unternehmens Nahwärme und der Idee, die Stadtwerke zu einem lokalen Energieerzeuger zu machen. Natürlich würde er sich gerne der Verlustbringer entledigen, wie etwa der öffentlichen Bäder, aber er übersieht dabei völlig, dass es für den Verbraucher, bzw. den Bürger, völlig egal ist woher die Energie für Heizen und Strom kommt, solange dies nur günstig und ökologisch mit dem eigenen Gewissen vereinbar ist. Ginge es darum, könnte jeder Neuburger deutlich sparen auch ohne die Höhenflüge der Stadtwerke, die die Stadt auf Jahrzehnte hinaus belasten werden.

Wenn die Bürger den Stadtwerken treu bleiben und dabei mehr Geld ausgeben als es notwendig wäre, so hat das nur einen einzigen Grund: Mit den Erträgen werden Dienstleistungen der Stadt für Ihre Bürger, vor allem aber auch für die Kinder und älteren und finanziell schwächeren Mitbürger finanziert. Das ist kein Phlegma, sondern eine bewusste Entscheidung zugunsten der Gemeinschaft. Wer das nicht sieht sollte sich besser einen anderen Job suchen. Dem Werkausschuss aber sollte man es ins Stammbuch eingravieren und anraten solche Eskapaden in Zukunft zu lassen.

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