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Neuburg

20.06.2017

Das Geburtstagskind beschenkte seine Gäste

Johannes Seifert (oben rechts) hatte sich zu seinem runden Geburtstag mit einem Konzert in der Schlosskapelle etwas ganz Besonderes ausgedacht. Zu den Höhepunkten zählten dabei auch die Auftritte von Geigerin Theona Guba-Chkheidze (oben links) und der Sopranistin Susanne Bernhard (rechts unten).
Bild: Tobias Böcker

Johannes Seifert wurde 50. Der Mitarbeiter der NR lud aus diesem Anlass zu einem besonders feinen Barockprogramm mit hervorragenden Künstlern. Und dies alles hatte auch noch einen sozialen Hintergrund.

Dass das Geburtstagskind selbst das größte Geschenk mitbringt zur Feier, ist ja eher selten. Johannes Seifert, neben seinem Hauptberuf als Religions-, Musik- und Sonderpädagoge als Kulturjournalist aktiv, nicht zuletzt als Rezensent der Neuburger Rundschau, machte diese Ausnahme anlässlich seines Fünfzigsten. Und er setzte noch eins drauf, indem er, auf alle Geschenke verzichtend, allein um Spenden für Elisa e.V. bat. Es war viel geboten in der Neuburger Schlosskapelle mit einem Barockprogramm von erlesener Güte: eine überaus bemerkenswerte Idee, mit hervorragenden Künstlerinnen und Künstlern umgesetzt in einem stimmigen Programm.

„Gott allein zur Ehr... und uns Menschen zur Freude!“

Das begann mit Heinrich Ignatz Bibers Rosenkranzsonate zu Mariä Himmelfahrt. Selten mag ein Stück das Motto „Gott allein zur Ehr ...“, wie Johannes Seifert Johann Sebastian Bachs Signet zitierte, mit dem Zusatz vervollständigen „… und uns Menschen zur Freude“. Fast tanzt Maria in den Himmel. Theona Guba-Chkheidze ließ ihre umgestimmte, „skordierte“ Geige nur so singen und springen. Doppelgriffe, atemberaubende Akkordaufgliederungen, bogentechnische Finessen, kurz ein frühes Virtuosenstück allererster Güte präsentierte die international gefragte Solistin in mitreißender Manier.

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Dem kaum nachstehen wollte Andrii Slota am Cembalo mit einem Solostück des barocken französischen Cellovirtuosen Jean Baptist Barriere. Sacht, bedacht, sensitiv und fein entlockte Slota dem Instrument beachtliche klangliche Nuancen auch in Georg Böhms Allemande.

Susanne Bernhard sorgte für ein kleines Fest der Sinne

Dann aber: Auftritt Susanne Bernhard! Zunächst mit Johann Sebastian Bachs Arie „Schafe können sicher weiden“, einem wunderbaren Beispiel geistlicher Inbrunst, später mit einer der schönsten Opernarien der Musikgeschichte: „Lascia ch‘io pianga“, in der Rinaldos Liebe Almirena in wahrhaft unglücklicher Lage ihre Sehnsucht nach dem Geliebten besingt. Große Gefühle im Medium einer wunderbaren Stimme, weich timbriert, ausgewogen, klar und von wohlproportionierter Fülle. Ein kleines Fest der Sinne, wie die Sopranistin in getragenem Tempo jeden Ton im süßen Schmerz der Arie bis zur Neige genüsslich auskostet.

Dagegen gesetzt das geistliche Meisterwerk des nämlichen Komponisten: Händels Messias und die Arie mit dem Text aus Hiob: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, eines der tiefst tröstlichen Stücke aller Musik von geradezu übernatürlicher Kraft. Auch hier erweist sich Susanne Bernhard als überlegte Interpretin, die dem genius loci der Schlosskapelle in der Entdeckung der Langsamkeit gebührenden Tribut zollt mit hohem Stehvermögen, hellen Höhen und wohltönenden tieferen Lagen. Wahre Freude schließlich Wolfgang Amadeus Mozarts „Laudate Dominum“,wunschgemäß einziger klassischer Ausreißer im Barockprogramm, dennoch in glänzender Folgerichtigkeit der Darbietung zelebriert.

Keine Sorge, dass nicht auch Theona Gubba-Chkheidze noch einmal zu ihrem Recht gekommen wäre: Mit Arcangelo Corellis Sonata a violino e cimbalo in g-moll konnte sie ihrem Hang zu starken Emotionen, Energie, Verve und expressivem Temperament nach Lust und Laune frönen in reizend gelassener Souveränität.

Concerto de Bassus war ein verlässlicher Begleiter

Nicht zuletzt war das Ensemble Concerto de Bassus, allesamt in verschiedensten Konstellationen verlässliche, sichere, sensible Begleiter, in beschwingter Bewegung eigenständig als Klangkörper zu erleben mit Bachs viertem brandenburgischem Konzert, dessen munter ineinander verflochtene Linien dem ernsten „biblisch Gemäl“ der Schlosskapelle einen heiter festlichen Kontrapunkt setzten.

Wie war noch das Motto dieser Geburtstagsfeier? „Gott allein zur Ehr, …. und uns Menschen zur Freude!“

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