Newsticker

16.700 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Das Internet zur eigenen Plattform machen

Kauf vor Ort

27.05.2015

Das Internet zur eigenen Plattform machen

2 Bilder

Der Onlinehandel macht den lokalen Händlern zu schaffen – mal mehr, mal weniger. Bei Expert Helo und in der Bücherstube von Hedwig Eser zum Beispiel hat man sich längst mit dem Internetgeschäft arrangiert

Die fetten Jahre sind für den Elektrohandel erst einmal vorbei. Ob es aber nur an der Konkurrenz Onlinehandel liegt, möchte Henry Gerhard nicht unbedingt bestätigen. Das Internet sei und bleibe zwar ein ernst zu nehmender Konkurrent. Doch wer dies akzeptiert, das Internet selbst als Plattform nutzt und dort präsent ist, gebe im Grunde die einzig richtige Antwort auf den Onlinehandel. Der Inhaber des Fachgeschäfts Expert Helo in Neuburg sieht zumindest für seine Branche noch andere Gründe für den Umsatzrückgang, der vor drei Jahren einsetzte.

Vor allem diesen: „Die Umstellung von analogem auf digitales Satellitenfernsehen hat sich in unserer Branche zwar sehr positiv auf den Umsatz ausgewirkt. Seither haben wir die damals fetten Jahre 2009 bis 2012 aber nie mehr erreicht.“ Viele Verbraucher haben mit der Umstellung neue Endgeräte und Komponenten benötigt und angeschafft. Und die seien nun alle mit neuer Ware ausgestattet. „Da wir Markenware vertreiben, sehen wir diese Kunden wegen eines Fernsehers erst mal nicht mehr“, schmunzelt Gerhard. Erst ein zweiter und wichtiger Grund sei der Internethandel.

Wobei man im Unterhaltungselektroniksektor das Internet weit mehr spüre als bei der sogenannten weißen Ware, also den Einbaugeräten. Denn eine Waschmaschine bestelle man nicht so schnell wie eine Kamera oder ein Navi. „Wobei auch bei solchen Geräten die Gründe für den Umsatzrückgang vielschichtig sind.“ Das Smartphone ersetze zunehmend herkömmliche Kleinkameras und auch Navigationsgeräte. Insofern könne man meist nicht einen einzigen Grund für einen Umsatzrückgang bei bestimmten Geräten ausmachen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Gerhard ist mit der Internetkonkurrenz fast täglich konfrontiert. Kunden kommen oft schon mit bestimmten Preisvorstellungen in den Laden. Manche lassen sich Geräte gar vorführen, kaufen aber nicht. Auf der anderen Seite nutzt Helo selbst das Internet. Im Verbund mit Expert kann der Kunde im Netz bestellen und im Geschäft abholen. Oder nach Hause liefern lassen.

Ähnlich funktioniert das Online-Bestellprinzip von Hedwig Eser. Die Bücherstube gibt es vor Ort – aber eben auch online. „Bei uns kann man bestellen und nach Hause liefern lassen. Oder das Buch bei uns im Laden abholen.“ Eser ärgert es, dass manche Menschen tatsächlich glauben, dass man nur beim Internethandel Bücher bestellen kann. Oder dass sie dort billiger seien. Dabei gebe es in Deutschland eine Buchpreisbindung, so dass Bücher, egal ob im Netz oder vor Ort gekauft, immer denselben Preis hätten. „Eines muss der Kunde sich vor Augen führen: Nur die Händler vor Ort zahlen auch vor Ort ihre Steuern. Und davon hat jeder in der Stadt etwas.“ Und nicht nur das. Die Arbeits- und Ausbildungsplätze stünden nur vor Ort zur Verfügung. Außerdem sei die Bücherstube, was die Lieferzeiten angeht, besser als beispielsweise Amazon. Die Konkurrenz scheut Eser nicht, wundert sich aber manchmal, dass man den Internetriesen mehr zutraut als den Buchhändlern vor Ort. „Mit Amazon halten wir allemal mit.“

Was den Händlern Sorge bereitet, ist die Altersstruktur der Kunden. Vor allem junge Käufer kommen kaum bei Gerhard ins Fachgeschäft. Wenn aber Fachgeschäfte vor Ort schließen, bleibt vor allem die ältere Generation auf der Strecke.

Der Trend, online zu kaufen, scheint sich gerade etwas zu drehen, wie auch Bernd Brenner, Vizepräsident des Handelsverbands Bayern bestätigt. Es gebe Anzeichen, dass Menschen wieder lieber durch die Stadt bummeln würden. Wichtig seien dafür attraktive Innenstädte und zeitgemäße Einkaufsmöglichkeiten. Der Service sei eh ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal, an dem die Händler feilen sollten. Brenner favorisiert genau den Mix, den Gerhard und Eser bereits praktizieren: Die Mischung zwischen Handel vor Ort und Online-Präsenz. Die Kunden reservieren via Internet und holen die Ware im Laden ab.

Wichtig ist Brenner, dass der Kunde erkennt, was er mit seinem Einkauf vor Ort bewirkt, so zum Beispiel, dass er an seiner eigenen Infrastruktur und dem Angebot in der eigenen Heimat mitgestaltet.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren