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Donauwörth

20.08.2018

„Das Problem liegt am anderen Ende der Leine“

Martina Kundinger (rechts) muss mehr Hundesteuern zahlen, weil ihre Bordeaux-Dogge zu den Rassen gehört, die als Kampfhund eingestuft werden. In der Hundeschule von Gabriele Müller hat Honeybal gelernt, den Anweisungen des Besitzers zu folgen.

Halter von Kampfhunden müssen in Donauwörth 400 Euro zahlen. Der Beschluss ärgert Besitzerin Martina Kundinger, vor allem wegen der Botschaft, die mitschwingt.

Martina Kundinger und ihre Bordaux-Dogge sind ein Herz und eine Seele. Sie hat die Dogge vor eineinhalb Jahren als Welpen vom Verein Doggen in Not geholt. Bordaux-Doggen gelten als Listenhunde, umgangssprachlich auch Kampf-hunde genannt. Die Stadt Donauwörth hat kürzlich beschlossen, für diese Tiere ab dem kommenden Jahr 400 Euro an Steuern zu verlangen – deutlich mehr, als bislang fällig werden. Aktuell zahlen Donauwörther für den ersten Hund 55 Euro, für den zweiten Hund 77 Euro und für jeden weiteren Hund 88 Euro. Kundinger verweist darauf, dass die meisten Unfälle mit Rassen passieren, die nicht unter die strengeren Regeln fallen.

„Es ist mein dritter Hund. Ich finde sie super. Honeybal ist ein geselliger und gemütlicher Hund.“ Weil die Dogge allerdings vergleichsweise groß und kräftig ist, erfährt sie viel Ablehnung. So kommt es schon mal vor, dass Mitbürger die Straßenseite wechseln oder sich im Restaurant wegsetzen und sie komisch ansehen. Auch wenn Honeybal ein- oder zweimal belle, seien die Reaktionen oft negativ, dabei handle es sich doch bloß um die Art, wie Hunde kommunizieren. Sie habe es aber auch schon erlebt, dass sich Leute entschuldigten, weil sie gesehen haben, dass Honeybal aufs Wort höre.

Bislang war Donauwörth die einzige Stadt im Landkreis, in der Besitzer von Listenhunden keine höheren Steuern für ihre Tiere bezahlen mussten. Aufgrund eines Antrags der Grünen stimmte der Stadtrat mit 16 zu fünf Stimmen dafür, dass ein erhöhter Steuersatz von 400 Euro im Jahr kommen soll. Diese Klassifizierung und die Wahrnehmung einiger Leute ärgert Kundinger noch viel mehr als die zusätzlichen Kosten.

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Bordeaux-Doggen werden in anderen Ländern als Therapiehunde eingesetzt

Sie bezieht sich dabei auch auf die Aussage des Grünen-Stadtrats Albert Riedelsheimer gegenüber unserer Zeitung: „Ein Hund als Kamerad ist okay, aber es gibt absolut keine Notwendigkeit, sich einen Kampfhund zu halten.“ Kundinger verweist darauf, dass Bordeaux-Doggen sehr menschenbezogen und bekannt für ihre hohe Reizschwelle seien. Die Rasse werde in anderen Ländern wie den USA auch als Therapiehund eingesetzt.

Kundinger braucht für ihre Bordaux-Dogge ein Negativzeugnis, andernfalls dürfte sie Honeybal gar nicht halten. 350 Euro musste sie für den Wesenstest bezahlen. Dabei wurde unter anderem geschaut, ob Honeybal zu ihr zurückkehrt, wenn sie nicht mehr in seinem Sichtfeld ist. Kundinger findet es richtig, dass ein solcher Nachweis verlangt wird. Sie betont aber auch: „Wie ein Hund tickt, liegt doch vor allem an dessen Besitzer.“ Sie selbst habe auch schon einen Dackel mit einem „sehr ausgeprägten Jagdtrieb“ gehabt, wegen dem sie sich in der Hundeschule von Gabriele Müller angemeldet habe. Trotzdem hatten die Reaktionen bei dem Dackel in der Regel meist den Tenor: „Ist der süß!“

Jeder Hund ist letztendlich ein Raubtier

Müller bestätigt die Sichtweise Kundingers. „Das Problem liegt immer am anderen Ende der Leine. Deswegen gehe ich immer zuerst zu den Leuten nach Hause und schaue mir das Umfeld an und wie das Verhältnis zwischen Hund und Besitzer ist. Man muss sich im Klaren sein, dass letztlich jeder Hund ein Raubtier ist und man am Verhalten arbeiten muss.“ Dazu gehöre die richtige und artgerechte Haltung. Wer die Tiere nur in einem Zwinger einsperre oder sich nicht mit ihnen beschäftige, brauche sich nicht wundern, wenn es Probleme gebe, so Müller. Sie befürwortet einen Hundeführerschein, wie es ihn schon in anderen Bundesländern gebe.

Gefährlich sei es auch, die Erziehung des Hundes schleifen zu lassen. Damit sollten Besitzer idealerweise in der zwölften Lebenswoche anfangen, so die Expertin. Je später damit begonnen werde, desto aufwendiger sei es, unliebsame Angewohnheiten wieder abzutrainieren. Beim Training gehe es darum, dass der Hund Vertrauen zu seinem Besitzer fasst, Respekt hat, Grenzen respektiert und sich in der Öffentlichkeit „unauffällig verhält“. Ein Grundproblem ist laut der Hundetrainerin auch, dass zu viele Halter ihre Kaufentscheidung nach optischen Kriterien fällen und sich zu wenig informieren, was die jeweilige Rasse braucht und welcher Aufwand damit verbunden ist.

In Donauwörth sind laut Auskunft der Stadt knapp 800 Hunde gemeldet. Darunter sind fünf Kampfhunde: Rottweiler, eine Bordeaux-Dogge und die italienische Rasse Cane Corso. Sie gehören zur Kategorie 2. Dabei handelt es sich um Kampfhunde, für die ein Wesensgutachten bestätigt, dass von ihnen keinerlei Gefahr ausgeht. Das Ordnungsamt hat deswegen die Erlaubnis erteilt, dass die Vierbeiner gehalten werden dürfen.

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