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Theater in Ingolstadt

02.08.2020

Das Schwere, leicht gesagt: Die Premiere von "Anderthalb Meter"

Die beiden Darsteller des Open-Air-Stücks „Anderthalb Meter“ in Ingolstadt: Kolja Heiß und Isabel Kott.

Plus Das Altstadttheater Ingolstadt nimmt mit dem Open-Air-Stück „Anderthalb Meter“ den Spielbetrieb wieder auf. Wie war die Premiere?

Gut gelaunt, gelassen und gespannt auf das, was gleich passiert, sitzt das Premierenpublikum unter Linde und Kastanie. Auch dank Unterstützern und Sponsoren geht nach viermonatiger Zwangspause wieder was: Altstadttheater-Open-Air im Innenhof des Anwesens Peters in der Donaustraße 3. Auf dem Spielplan steht das Stück „Anderthalb Meter“.

"Anderthalb Meter" ist kein kritisches Quarantäne-Kammerspiel

Wer bei dem Titel, der auf den Corona-Sicherheitsabstand anspielt, ein kritisches Quarantäne-Kammerspiel für zwei Infizierte erwartet hat, liegt falsch. Autorin Leni Brem-Keil, die auch Regie führt, beweist mit ihrer kurzweiligen Komödie für zwei Personen nicht zum ersten Mal: Sie kann Dialoge. In diesem Fall demonstriert sie außerdem, wie man das Schwere leicht sagt, ohne dass der Wortwechsel zur Floskelparade wird.

Isabell Kott gibt Aenne, die in allem irgendwie ist: Risikogruppe, weil undefiniert vorerkrankt, diffus existenzbedroht, weil irgendwas Freiberufliches, flippig, frech, vielleicht ein bisschen zu viel Pippi Langstrumpf-Charme, direkt und doch unentschieden. Kolja Heiß ist Felix, der unnahbare, unverschämt-egoistische Manager, routiniert unfreundlich, manchmal lächerlich ernst und latent unglücklich. Sehr bald ist klar, dass die durchschaut geglaubte Konstellation – die Naive gegen den Zyniker – zu eindimensional ist.

Das Schwere, leicht gesagt: Die Premiere von "Anderthalb Meter"

Aus spontaner gegenseitiger Abneigung wird Neugierde, wird Zuneigung, wird ein heftiger Dachterrassen-Flirt. Unter Einhaltung aller hygienischen und emotionalen Sicherheitsregeln nähern sich die beiden einander an beim Gespräch über die Pandemie und was sie mit ihnen macht. Finden unter anderem heraus, wie kurz der Weg vom Genuss der Ruhe bis zum Gefühl der Einsamkeit ist, und wie groß das Bedürfnis nach „Normalität“.

Premiere in Ingolstadt: ein locker-flockig inszenierte Sommertheater

Wie wahr und wenig tröstlich es ist, dass es Schlimmeres gibt, und dass einen Sätze wie „Es kann nur besser werden“ genauso nerven, wie der Standardspruch von der Krise als Chance. Politisch, geradezu tagesaktuell, wird das Gespräch, wenn beide darüber spekulieren, mit welcher Motivation so viele so verbissen demonstrieren und wogegen genau.

Das locker-flockig inszenierte Sommertheater hält wunderbar die Waage zwischen der Angst vor zu viel Nähe und der Sehnsucht danach, zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Irgendwann sagt Felix: „Wir können alles, was wir wollen“. Man möchte es an diesem bilderbuchmäßigen Sommerabend glauben.

Tickets: Karten für die 14 weiteren Aufführungen von "Anderthalb Meter" im August in Ingolstadt gibt es telefonisch unter 0841/9666800 zu erwerben.

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