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Neuburg

18.01.2021

Das bedeutet die Corona-Krise für die Klimaziele und den Müll

Während des Lockdowns hat sich in den Haushalten des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen mehr Müll angesammelt. Das bestätigen aktuelle Zahlen der Landkreisbetriebe. Allein beim Restmüll waren es 2020 fünf Prozent mehr als noch im Vorjahr.
Foto: Marcus Merk (Symbolfoto)

Plus Wegen der Corona-Krise hat Deutschland die Klimaziele für 2020 geschafft. Darauf ausruhen sollte sich die Gesellschaft aber nicht. Im Gegenteil, mahnen Neuburger Aktivisten.

Flugzeuge blieben am Boden, die Fabriken ruhten: Der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid in Deutschland ist im vergangenen Jahr gesunken. Das ist eine ausgesprochen gute Nachricht. Gut zwischen all den Bilanzen, den Enttäuschungen und Niederschlägen, die das Corona-Jahr 2020 ansonsten hinterlassen hat. Bereinigte Luft also, die da durch unsere Straßen zieht – Anlass genug, um auch beim Klimaschutz durchzuatmen?

Auf gar keinen Fall, sagt Mona Wolbert, die sich für die Parents for Future in Neuburg engagiert. Zumal nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nur noch zehn Jahre Zeit blieben, um das Pariser Abkommen zu erfüllen. Danach muss die Erderwärmung – im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter – auf unter 1,5 Grad begrenzt werden. Denn nur so lassen sich Umweltfolgen wie Naturkatastrophen, Dürren und ein Anstieg der Meeresspiegel eindämmen.

Umweltschutz in Deutschland: Die Klimaziele 2020 wurden erreicht

Vom Durchatmen, bekräftigt die Aktivistin, könne daher keine Rede sein. Dass die Klimaziele für 2020 erreicht worden sind, sei positiv, das sicherlich. Allerdings müsse man auch beachten, dass es sich um einen Effekt der Corona-Krise handelt. „Weniger Flugverkehr, weniger Autos auf den Straßen, Homeoffice, keine Versammlungen, geschlossene Geschäfte: Es ist unglaublich, was durch Corona in die Waagschale gelegt worden ist.“ Nachhaltig aber sei dieses Ergebnis nicht, der Klimaschutz müsse vorangetrieben werden. „So viel Zeit bleibt uns nicht mehr“, warnt Mona Wolbert.

Dass der Ausstoß von Treibhausemissionen in Deutschland um 42,3 Prozent zu 1990 zurückgegangen ist, ist tatsächlich vor allem der Pandemie zu verdanken – nach Berechnungen sogar zu zwei Dritteln. Die Menge sank laut einer Analyse der Denkfabrik Agora auf 722 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid. Gleichzeitig aber hatte die Corona-Krise einen Anstieg in anderen Bereichen zur Folge, etwa beim Müll. Deutschlandweit ist die Abfallproduktion um sechs Prozent gestiegen, wie eine Umfrage des Bundesverbands der Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft ergeben hat. Eine Tendenz, die sich auch in Neuburg und der Region abzeichnet.

Neuburger Aktivisten: Die Corona-Krise ist gut für's Klima

Mathilde Hagl als Werkleiterin der Landkreisbetriebe bestätigt die Entwicklung. „Die Zahlen für 2020 zeigen, dass während Corona mehr Müll angefallen ist.“ Eine signifikante Steigerung hat sich etwa beim Restmüll herauskristallisiert: Fünf Prozent mehr Abfall gegenüber zum Vorjahr haben die Menschen im Landkreis produziert. Was nach Ausführungen der Werkleiterin verdeutlicht, „dass die Leute durch den Lockdown mehr Zeit zuhause verbracht haben, mehr eingekauft und vielleicht auch mehr gekocht haben. Dadurch hat sich der Müll angesammelt“. Auch in der Biotonne. Nach Hochrechnungen könnte der Biomüll ein Plus von zehn Prozent zu 2019 erreichen. Beim Mischpapier geht man von vier Prozent Steigerung aus.

Mit Sorge reagiert Manuela Breu vom Unverpacktladen „Auffüllbar“ in Neuburg auf dieses Wachstum. Die Aktivistin von Parents for Future führt diesen Anstieg mitunter auch auf die vielen To-go-Angebote zurück, die es während der beiden Lockdown-Phasen gegeben hat und nach wie vor gibt. Dabei hätte es gar nicht so weit kommen müssen, meint die Inhaberin der Auffüllbar. „Am Anfang hat es viel Unsicherheit in der Gastronomie, den Metzgereien und Bäckereien bei der Frage gegeben, ob man mit seinen eigenen Gefäßen kommen kann, um das Essen zu holen.“ Fälschlicherweise sei das verneint worden und musste als Vorurteil bereinigt werden. Deshalb findet Manuela Breu: „Man hätte es besser kommunizieren können. Aber wem soll man das im Nachhinein auch vorwerfen?“

Fridays for future-Bewegung ist auch in Neuburg noch aktiv

Man habe schließlich auch einiges ausprobiert in der Krise – gerade was den stationären Einzelhandel betraf. Das Stadtmarketing zum Beispiel hat damals einen Lieferdienst im Stadtbereich Neuburg initiiert. Ein richtiger Ansatz, wie die Umweltschützerin resümiert.

Nichtsdestotrotz müssten die Menschen die Augen aufmachen und nachhaltiger leben. „Wir müssen anfangen, etwas zu tun“, fordert Manuela Breu. Eine Meinung, die sie mit Mona Wolbert von den Parents for Future und Nina Vogel von den Fridays for Future teilt. Die Umweltschützer sehen es als ihre Aufgabe, mit ihren globalen Schwesterbewegungen einen besseren Klimaschutz anzustoßen. Ihr Medium: die Demonstration. „Wir sind hier, wir sind laut“, sagt Mona Wolbert. Durch Corona musste aber auch das pausieren. In den Hintergrund geraten aber sei die gemeinsame Sache nicht, betont Nina Vogel, die auch für die Grünen im Stadtrat in Neuburg sitzt. Denn der Aktivismus ging 2020 auch abseits der Straße weiter.

Parents for future gibt es auch in Neuburg-Schrobenhausen

„Wir haben viel gemacht und geschafft in dieser Zeit“, erzählt Mona Wolbert. Man habe die Stadtwerke besucht, deren Strommix durchleuchtet, die Unterschriftensammlung zur Rettung des Schmuttertals angekurbelt, die Petition für sichere Geh- und Radwege in Neuburg initiiert. „Wir waren nicht untätig.“ Moorschutz und Mobilität sind Themen, mit denen sich die Umweltschützer auch in den kommenden Monaten beschäftigen wollen.

Unterdessen sollte auch der nächste globale Protest nicht mehr lange auf sich warten lassen: Für den 19. März hat Fridays for Future unter dem Motto #NoMoreEmptyPromises zu Aktionen aufgerufen. Damit geht der Klimastreik auch 2021 weiter.

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