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Rohrenfels

20.06.2019

Das gibt es so noch nicht: Ein Kindergarten draußen in der Natur

Hinter den Gewächshäusern der Gärtnerei Spatenstich im Rohrenfelser Ortsteil Neustetten könnte ein Natur-Kindergarten entstehen. Das Areal soll naturbelassen bleiben, die Kinder sollen sich ihren Spielplatz selbst erkunden und gestalten. 
Bild: Claudia Stegmann

Plus Auf dem Gelände der Gärtnerei Spatenstich in Rohrenfels könnte ein Natur-Kindergarten entstehen. Das Konzept steht, doch die Initiatoren suchen noch Geldgeber.

Wenn Manuela Meier den Blick über die Wiesen, Erdhügel und Sträucher hinter der Gärtnerei Spatenstich schweifen lässt, dann sprudeln die Ideen nur so aus ihr heraus. Für Kinder wäre das ein Entdeckerparadies, ist sie sich sicher. Das Totholz ist zum Klettern da, auf die Erdhügel könnten die Kinder im Sommer hinaufkraxeln und im Winter herunterrutschen. Neben den Bäumen und Sträuchern am Längenmühlbach stehen Bienenstöcke, hinter den Gewächshäusern gibt es Ziegen und Gänse zu bestaunen. Und zwischendrin springt Kindergartenhund Aada. „Das ganze Gelände ist bespielbar – und zwar so, wie es ist“, sagt die Erzieherin. Es biete für Kinder ein Füllhorn an Möglichkeiten zum Spielen und Entdecken, und zwar weitestgehend ohne Anleitung.

Manuela Meier ist fest davon überzeugt: Hier wäre der ideale Standort für einen Natur-Kindergarten. Die angeschlossene Gärtnerei und die Tiere, die es auf dem Gelände bereits gibt, würden dem pädagogischen Konzept seinen Rahmen geben: „Kindergärtnerei“ soll der Kindergarten heißen, in dem der Anbau von Gemüse, Tierhaltung, gesunde Ernährung mit regionalen und saisonalen Produkten sowie die Herkunft von Lebensmitteln die Hauptrolle spielen. Es wäre der erste Kindergarten dieser Art im Landkreis.

Im Natur-Kindergarten in Rohrenfels wäre Ernährung ein großes Thema

Die Idee dazu hatten Manuela Meier und Christa Walter. Ihr und ihrem Mann Robert gehört das Areal im Rohrenfelser Ortsteil Neustetten, auf dem die Caritas das soziale Gärtnereiprojekt „Spatenstich“ betreibt. „Die Arbeit mit Kindern würde da sehr gut dazu passen“, sagt Christa Walter, die ebenfalls Feuer und Flamme für das Vorhaben ist. Und das sieht vor, ein rund 300 Quadratmeter großes Gewächshaus abzureißen und dort ein Holzgebäude für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren zu errichten. In das soll vor allem eine große Küche eingebaut werden, denn die Kinder sollen die Produkte, die sie in einem eigenen kleinen Gewächshaus angebaut haben, auch selbst ernten und verarbeiten. Sie sollen lernen, dass Gurken nicht im Gemüseregal eines Supermarktes wachsen, sondern Wasser, Nährstoffe, Pflege und Zeit zum Gedeihen brauchen. Es geht um das Wissen der Herkunft, aber auch um den Respekt vor Lebensmitteln. Dazu passt auch der Hühnerstall, der an das Haus angegliedert sein soll und aus dem die Kinder täglich frische Eier holen könnten. Ansonsten dient das Haus nur zum Aufwärmen oder als Unterschlupf, wenn es einmal aus Kübeln regnet. Denn den Großteil der Zeit sollen die Kinder draußen verbringen – auch im Winter, betont Manuela Meier. Das Gelände soll – von einem kleinen Bereich abgesehen – nicht eingezäunt werden, die Kinder sollen sich trotzdem frei bewegen. Denn auch das ist Teil des Konzepts: Die Kinder sollen lernen, natürliche Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren.

Dieses Gewächshaus soll einem Kinderhaus weichen, in dem vor allem gekocht wird – mit Produkten, die gleich nebenan in der Erde wachsen.
Bild: Claudia Stegmann

Manuela Meier ist es wichtig, dass die Kinder die Natur in all ihren Facetten kennenlernen – auch jene, die manche als unangenehm empfinden. Denn in den hohen Gräsern haben Bienen, Schnaken, Zecken und Co. ihren Lebensraum. „Das ist Natur!“, sagt die Neuburgerin. Doch nur wenn man sie kenne, würde man auch lernen, damit umzugehen.

Für die Kindergärtnerei gibt es noch keine Betriebserlaubnis

Manuela Meier ist gelernte Erzieherin und zertifizierte Kindergartenleiterin. Zuletzt war sie als Leiterin im Kindergarten Rennertshofen tätig. Neben der pädagogischen Ausbildung kann sie aber auch auf Erfahrungen als Baumschulgärtnerin und Floristin zurückgreifen. „Die perfekte Kombination“, wie Christa Walter findet. Während sie das Areal zur Verfügung stellt, würde Manuela Meier die Leitung der Kindergärtnerei übernehmen – sofern die Idee verwirklicht werden kann. Denn bislang fehlt es an zwei entscheidenden Dingen: einer Betriebserlaubnis und Geld.

Christa Walter (rechts) würde das Areal zur Verfügung stellen, Manuela Meier die Leitung übernehmen. Labrador-Hündin Aada wäre der Kindergartenhund.
Bild: Claudia Stegmann

Ob der Natur-Kindergarten umgesetzt werden kann, muss das Landratsamt entscheiden. Die zuständige Sachbearbeiterin hat sich das Gelände bereits angeschaut und sich das Vorhaben erklären lassen. Die Grundidee habe sie überzeugt und eine Umsetzung würde sie begrüßen, heißt es seitens der Kreisbehörde. Jedoch müsse erst das Gebäude stehen und ein fertiges Konzept vorliegen, ehe eine Betriebserlaubnis erteilt werden könne.

Dem Natur-Kindergarten in Rohrenfels fehlt noch ein Träger

Am Konzept wird der Natur-Kindergarten mutmaßlich nicht scheitern, möglicherweise aber an der Finanzierung, denn für die Umsetzung müssen sich die beiden Frauen einen Geldgeber ins Boot holen. „Wir suchen einen Träger, über den die Kindergärtnerei laufen könnte“, sagt Christa Walter. Die Gemeinde Rohrenfels scheidet aus, denn der kirchliche Kindergarten St. Elisabeth wird demnächst erweitert, die Kosten dafür trägt die Gemeinde. Auch die Caritas, die das Spatenstich-Projekt betreibt, habe bereits eine Absage erteilt. Doch die beiden Initiatorinnen sind voller Hoffnung, dass ein freier Träger das Potenzial erkennt und einsteigt. Denn ohne diesen können sie das Projekt finanziell nicht stemmen – und dann bliebe es bei einer Vision.

Wer Interesse an einer Teilhabe der Kindergärtnerei hat, der kann sich an Manuela Meier und Christa Walter per Mail an kindergaertnerei.neustetten@googlemail.com wenden.

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