Newsticker

Bundesregierung erklärt fast ganz Österreich und Italien zu Risikogebieten
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Das hat die JVA Herrenwörth in 25 Jahren erreicht

Neuburg

10.05.2015

Das hat die JVA Herrenwörth in 25 Jahren erreicht

Verkehrte Welt: Der Leiter des allgemeinen Vollzugsdiensts Anton Degenmeier und Anstaltsleiter und Psychologe Ernst Meier-Lämmermann sitzen eingesperrt in einer Zelle.
2 Bilder
Verkehrte Welt: Der Leiter des allgemeinen Vollzugsdiensts Anton Degenmeier und Anstaltsleiter und Psychologe Ernst Meier-Lämmermann sitzen eingesperrt in einer Zelle.
Bild: Dorothee Pfaffel

Seit 25 Jahren verfolgt die Justizvollzugsanstalt für Jugendliche in Herrenwörth vor allem zwei Ziele: Sicherheit und Erziehung - teils mit überraschenden Ergebnissen.

Heulende Sirenen, ein sich schnell bewegender Lichtkegel und eine Schattengestalt, die hakenschlagend versucht, aus dem Fokus des Scheinwerfers zu gelangen. So stellt man sich – dank Hollywood – die Flucht eines Sträflings vor. Wie die Realität aussieht? Das will der Leiter des allgemeinen Vollzugsdiensts an der JVA Herrenwörth Anton Degenmeier aus Sicherheitsgründen nicht verraten. "Ungefähr wie im Fernsehen", sagt er nur.

Er ist seit 25 Jahren in der Jugend-Justizvollzugsanstalt tätig, also schon so lange, wie es die Einrichtung gibt. Sie feiert an diesem Wochenende ihr 25-jähriges Bestehen – mit einem Festakt für geladene Gäste am gestrigen Freitag und einem Tag der offenen Tür am heutigen Samstag von 10 bis 15 Uhr.

Sicherheit und Erziehung als Ziele der JVA

Degenmeier habe in seinen 25 Jahren Dienstzeit nur vier Ausbrüche erlebt, den letzten 2008. Alle Gefangenen seien wieder geschnappt worden. "Manche sind etwas weiter gekommen, aber nicht sehr weit." Die Sicherheit und der Schutz der Allgemeinheit seien eines der Kernziele der JVA, sagt Anstaltsleiter Ernst Meier-Lämmermann. Aber ebenso die Erziehung und Resozialisierung der Gefangenen. Die Jugendlichen sollen zu einem "rechtschaffenen Lebenswandel in sozialer Verantwortung" erzogen werden, heißt es im Gesetz.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

In der JVA Herrenwörth – eine von nur drei Justizvollzugsanstalten für Jugendliche in Bayern – sind derzeit 156 junge Männer im Alter zwischen 16 und 21 Jahren aus 24 verschiedenen Nationalitäten inhaftiert, manchmal auch schon 14- oder 15-Jährige. Darunter Sexual- und Gewaltstraftäter, Gefangene mit Suchtproblemen, aber auch Jugendliche, die schlicht mit der heutigen "Turbo-Leistungsgesellschaft" nicht zurechtkämen, erzählt Meier-Lämmermann.

Viele würden aus völlig zerrütteten Familienverhältnissen stammen. Ursprünglich war die Einrichtung auf 204 Insassen ausgerichtet, in den 90er Jahren gab es eine massive Überlegung, inzwischen liegt die Belegungsfähigkeit bei 187. Es wurde umgebaut, sozialtherapeutischen Einrichtungen kamen hinzu, 2011 außerdem ein Sicherheitszaun. Und auch die Personalstärke hat sich im Laufe der Jahre erhöht.

Weiterbildungsmöglichkeiten für jugendliche Straftäter

Die Jugendlichen können in der JVA einen (qualifizierenden) Mittelschulabschluss erwerben, Grundlehrgänge besuchen oder – wenn die Haftdauer passt – eine reguläre Ausbildung machen, zum Beispiel zum Metzger, Spengler, Heizungsbauer, Schreiner, Maurer, Maler und Elektrotechniker. 2014 seien die zwei Innungsbesten des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen im Metallhandwerk aus der JVA Herrenwörth gekommen, sagt Degenmeier. "Die können schon was, wenn sie wollen." Im Moment würde ein Inhaftierter sogar über eine Fernschule das Abitur machen. Dies sei allerdings eine echte Ausnahme.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren