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Neuburg

13.09.2019

Das lange Warten auf ein Taxi in Neuburg

Wer nachts ein Taxi braucht in Neuburg, kann Glück aber auch Pech haben. 
Bild: Daniel Karmann, dpa

Wenn man eines braucht, kriegt man keines. Ist das richtig? Fakt ist: Neuburg ist ein schwieriges Pflaster. Die Taxiunternehmen kämpfen mit Problemen.

Der Abend war schön, lustig und weinselig. Um 0.30 Uhr wollte das Pärchen die Feier verlassen. Das Taxi sollte sie von der Innenstadt nach Bittenbrunn bringen. Aber: Fehlanzeige! Erst um 2.53 Uhr nahm ein Taxifahrer die Anrufe an. Um 3.45 Uhr stiegen die beiden dann tatsächlich ein und waren fünf Minuten später zu Hause.

Erlebnisse wie diese sorgen natürlich für Ärger und machen im Freundeskreis die Runde. Schnell wird attestiert: In Neuburg kriegt man nachts kein Taxi. Aber stimmt das wirklich? Die Ottheinrichstadt ist für Taxiunternehmen tatsächlich ein schwieriges Pflaster, daraus machen wieder die Taxler selbst noch das Landratsamt einen Hehl. Unter der Woche ist nachts fast immer tote Hose und auch an den Wochenenden verdient man sich keine goldene Nase. Deswegen sind die Nachtdienste bei den Taxiunternehmen nicht beliebt. Damit aber trotzdem die Zeit zwischen Mitternacht und fünf Uhr früh abgedeckt ist, gibt es seit gut einem Jahr einen Dienstplan, den das Landratsamt als genehmigende Behörde aufstellt. Die Taxiunternehmen teilen sich die Nachtdienste auf.

Die späten Gäste des Central waren auch Gäste für die Taxiunternehmen

Früher, als das „Central“ noch bis in den Morgen geöffnet hatte, liefen die Geschäfte besser, berichtet Michaela Hofner, die seit neun Jahren für Taxi Schneider arbeitet und den Betrieb inzwischen übernommen hat. Da gingen die Leute nach dem Besuch im „Hertlein“ noch auf eine deftige Mahlzeit in das Lokal am Schrannenplatz, tröpfelten dann nach und nach heraus und ließen sich mit dem Taxi nach Hause bringen. Nun platzt ein Schwung Menschen aus dem Tanzcafé, wenn das Hertlein schließt, und Hofner kann meistens genau eine Fahrt machen. Bis sie wieder zurück ist am Donaukai haben sich die restlichen Gäste meist eine andere Mitfahrgelegenheit gesucht oder laufen heim. „Früher gab es keinen Sonntag, an dem ich vor 7 Uhr aufgehört habe“, sagt sie. Doch solche Tage seien inzwischen selten.

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Das Hauptgeschäft machen die Taxler untertags. Vor allem geplante Fahrten, wie Krankenfahrten, bringen Geld. Sie sind planbar und erleichtern den Taxifahrer die Arbeit. Sie raten deswegen jedem, der schon im Vorfeld weiß, dass er zu einem bestimmten Termin ein Taxi braucht, dieses im Vorfeld zu bestellen. Wer anruft und sofort eines braucht, kann auch Wartezeit stoßen. Und das verärgert natürlich.

Wenn es Neuburg mehr Kneipen gäbe, würde sich auch Taxis lohnen

Sind mehr Konzessionen die Lösung? Nein, auch da sind sich die Unternehmer einig. „Dann würde es finanziell schön langsam wirklich knapp werden“, sagt Taxifahrer Andreas Eibl. Derzeit hat das Landratsamt 14 Konzessionen, verteilt auf vier Unternehmen, für Neuburg vergeben. Dazu kommen eine in Karlshuld, eine in Burgheim, drei in Waidhofen und acht in Schrobenhausen. Schon seit Jahren kam keine mehr hinzu, berichtet der zuständige Sachbearbeiter, Bernd Walter. Der Markt sei hart umkämpft.

Dazu käme in Neuburg das leidige Verkehrsproblem. „Oft sind wir stundenlang damit beschäftigt im Stau zu stehen – vor allem zu den Stoßzeiten“, sagt Gerhard Bucher. Er macht den Job seit 26 Jahren, aber es werde immer schwieriger damit Geld zu verdienen. Es gebe Nächte unter der Woche, da komme er kaum auf 20 Fahrten in 13 Stunden Dienstzeit.

Was also ist die Lösung? „In Neuburg muss sich wieder mehr rühren“, sagt Bucher. Mehr Kneipen, mehr Discos – mehr Menschen, die unterwegs sind. Dann wären auch mehr Taxis im Einsatz. „Wenn es mehr Umsatz gäbe, wäre ich der Letzte, der das Geld nicht mitnimmt“, sagt Andreas Eibl lachend. Doch das Party-Problem können die Taxler nicht lösen. Deswegen wird auch in Zukunft unter der Woche nachts nur ein Taxi im Einsatz sein. Und darüber können die Neuburger froh sein. In Schrobenhausen, so berichtet Eibl, fährt nachts gar keiner mehr Taxi – und das seit inzwischen gut 20 Jahren.

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