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Rennertshofen-Stepperg

14.07.2013

Den Goliath vom Podest geholt

Stepperger Fischerstecher gewinnen nach vielen Jahren wieder einmal die Heimveranstaltung auf dem Antonibergsee

Rennertshofen-Stepperg „Pull, pull, pull“, hallt es über den Antonibergsee, und während die Paddelschläge der Ruderer in den beiden aufeinander zufahrenden Booten immer schneller werden, gehen die Kämpfer mit gespreizten Beinen in Stellung. Die Lanze mit zwei Armen in Hüfthöhe haltend, belauert man den Gegner. Da, jetzt prallte die Lanze gegen die Brust des Angreifers. Dieser rudert noch kurz mit den Armen und platsch, schon taucht er ab ins trübe Wasser.

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Das von den Steppergern alljährlich veranstaltete Fischerstechen ist schon eine Besonderheit und eine Marathonveranstaltung zugleich. Im Gegensatz zum Spektakel in Neuburg wird dort nach den französischen Regeln gestochen. Das heißt, die Plattform auf den Zillen ist erhöht und die Ruderer sitzen in ihren Booten, während sie beim Wettkampf in Neuburg stehen. Und es gibt auch nicht nur zwei Stecher oder zwei Ruderer. In Stepperg müssen die fünf Mann allesamt in den verschiedenen Positionen ihre Qualität beweisen. Ein echter Mannschaftssport also, der den Recken eine Menge an Kondition und Stehvermögen abverlangt.

Freudentaumel nach Kuglers wuchtigem Angriff

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Vier Stunden standen sich die Kämpfer aus Donauwörth, Oberndorf, Laufen, Tegernsee, Neuburg, Strassburg, Lauingen und natürlich die der Gastgebers am vergangenen Samstag gegenüber, bis am Ende das hart umkämpfte und knappe Ergebnis feststand: Stepperg siegte vor Donauwörth. War das ein Freudentaumel, als Johannes Kugler beim alles entscheidenden Durchgang mit dem Donauwörther Willi Heckmeier jenen Mann vom Podest wuchtete, der in den Kreisen der Fischerstecher bis dato als schier unbezwingbar galt – zumindest bis zum Samstag. Dabei war Heckmeier im Finale gegen die Stepperger sogar dreimal baden gegangen. Der Donauwörther nahm es sportlich gelassen, und lobte seinen Gegner über alles.

Wie lange die Lokalmatadoren schon nicht mehr als Sieger hervorgingen? Vor zehn oder gar 15 Jahren? Niemand in Stepperg kann sich mehr daran erinnern. Nicht einmal Fischerstecher-Vereinsvorsitzender Anton Riedl, der den Wettkampf vor einem Vierteljahrhundert mit aus der Taufe gehoben hatte. Entsprechend enthusiastisch brandete auch der Applaus der bei schönstem Sommerwetter am Seeufer harrenden Besucher auf. Nachdem sich auch noch Jürgen Heckl gegen den Donauwörther Philipp Heckmeier den Titel des Stecherkönigs sicherte, war die Menge nicht mehr zu halten.

„Wer im Wasser abtaucht bekommt keine Punkte“, erklärt Stefan Degmayer, einst Aushängeschild der Fischerstecher aus Neuburg. Der Schwerathlet hatte sie in seiner Glanzzeit alle in die Donau befördert. Seit diesem Jahr versucht sein 16-jähriger Filius Jakob in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Auch wenn es für ihn und seine Neuburger Mannschaftskameraden nur zum sechsten Platz reichte, wacker geschlagen habe sich die Ottheinrichstädter allemal. Schließlich praktizieren sie den bayerischen Modus, und die Mannschaft als solche ist noch ziemlich jung. Und schließlich musste ihr Zugpferd Florian Zettel verletzungsbedingt zusehen.

Apropos Verletzung, die sind schnell passiert, hält sich einer der Stecher nicht exakt an die Regeln. Man darf nicht stoßen sondern nur drücken, und getroffen werden darf nur die Brust, ansonsten droht die Disqualifikation. Doch die Kämpfe auf dem Antonibergsee verlaufen seit jeher gesittet. Zumindest sind keine Unfälle verzeichnet, seit das Spektakel vor 25 Jahren begann. Schon damals, als der längst verstorbene Pfarrer Ludwig Eberle die beiden ersten selbstgeschreinerten Zillen an der Ussel weihte, war es eine Volksbelustigung. Daran hat sich bis zum heutigen Tag nicht viel geändert. Drei Stunden dauerten die Vorkämpfe, in denen die Teams fleißig Punkte sammelten. Danach erst ging’s um die Platzierung. Und diese lautete heuer Stepperg vor Donauwörth, Laufen, Straßburg, Tegernsee, Neuburg, Oberndorf und Lauingen.

Nach der Siegerehrung auf dem Antoniberg konnten die Athleten mit den zahlreichen Besuchern beim von der örtlichen Feuerwehr inszenierten Bergfest ihre Blessuren pflegen. Eine pfundige Stimmung, Essen und Getränke, das lodernde Feuer und die Stadtkapelle Neuburg bestimmten zusammen mit den Schnacken die Szenerie.

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