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25.07.2010

Den Mantel der Geschichte gelüftet

Mit dem symphonischen Werk Beethovens begeisterten Anima Aeterna unter der Leitung von Jos van Immerseels bei den Audi Sommerkonzerten. Foto: Audi
Bild: Audi

Ingolstadt Intensität entsteht nicht durch Lautstärke. Das Orchester Anima Aeterna unter der Leitung Jos van Immerseels ließ im Sinne historischer Aufführungspraxis teilhaben an der erstaunlichen Wiederentdeckung reicher Klangfacetten im symphonischen Werk Ludwig van Beethovens.

"Eine Vervielfachung der Akteure verbessert mitnichten den Klang eines Ensembles. Im Gegenteil: Er wird weniger akkurat, weniger verbindlich, weniger farbig und weniger aufregend für beide, Spieler wie Zuhörer."

Jos van Immerseel gründete das Ensemble Anima Aeterna 1987 mit dem Ziel, so nah wie nur irgend möglich an der ursprünglichen Intention des Komponisten zu musizieren. Nicht um Interpretation geht es ihm, sondern um Authentizität. Die Mischung aus Forschungsarbeit und passionierter Musikalität, mit der das Orchester seine Projekte angeht, zeigte auch für den Beethoven-Abend im Rahmen der Audi Sommerkonzerte ein beflügelndes Ergebnis. Der Mantel der Geschichte wurde kräftig gelüftet.

Bereits der Beginn bestach durch rhythmische Präzision

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Schon der Beginn mit der Ouvertüre "Die Geschöpfe des Prometheus" bestach durch rhythmische Präzision, temporeiche Fülle und erstaunliche Variabilität im Klang. Letzterer gab sich, bedingt durch den fast kammermusikalischen Charakter des Orchesters wie durch die Verwendung historischer Instrumente, etwas gedämpfter, feiner, zarter, immer umhüllt mit dem leichten Hauch des Geheimnisses, zugleich jedoch sehr intensiv und authentisch, reibender, auch stärker bläserdominiert im farbenreichen Ausspielen der ungefilterten, ursprünglichen Charakteristik der zum Teil fast solistisch eingesetzten Instrumente.

Temperament und Gefühl, eine fast explosive Energie und innigste Empfindsamkeit in der 2. Sinfonie sind keine Gegensätze, sie wurden in einem äußerst abwechslungsreichen, in sich stets schlüssigen Dialog der Stimmen in grandioser Weise lebendig.

Nicht minder in der Fünften: Die erklang in einer dem modernen Hörer wahrlich bisher unerhörten Weise wie zu Zeiten ihres Schöpfers in betörender Intensität, kontrastreich, aufwühlend, zärtlich, intim, eigenwillig, prächtig und in jedem Moment bezwingend.

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