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Neuburg an der Donau

30.05.2015

Der Feuerball und "das Wunder von Eschling"

Um die Absturzstelle vor möglichem Regen zu schützen, hat die Feuerwehr Burgheim über dem Krater ein Zelt aufgebaut. Etwa 3000 Liter Kerosin sind in dem Klee-Acker versunken.
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Um die Absturzstelle vor möglichem Regen zu schützen, hat die Feuerwehr Burgheim über dem Krater ein Zelt aufgebaut. Etwa 3000 Liter Kerosin sind in dem Klee-Acker versunken.
Bild: Jung

Heute vor zehn Jahren stürzte zwischen Eschling und Wengen eine spanische Mirage ab. Andreas Flath räumte gerade die Biertischgarnituren zusammen, als das Unglück passierte ...

Dieses tosende Geräusch hat Andreas Flath heute noch im Kopf. Schrill, kreischend und vor allem fürchterlich laut ist es. So laut, dass kein Zweifel daran bestand, dass das Unheil in nächster Nähe sein muss. Es ist Montag, der 30. Mai 2005, gegen 8.40 Uhr, als der Wengener Kommandant Andreas Flath und sein Feuerwehrkollege Michael Ruf gerade dabei sind, die Biertischgarnituren vom Pfarrfest zusammenzuräumen, das tags zuvor im Feuerwehrhaus stattgefunden hat. Doch der Lärm, der aus dem Nichts auftaucht, lässt die beiden Männer sofort aus dem Gerätehaus stürmen. Kaum stehen sie auf der Straße, sehen sie einen riesigen Feuerball und dann pechschwarzen Rauch hinter dem Dorf aufsteigen. Oder hat es vielleicht sogar die Häuser am Ortsrand getroffen?

Das Flugzeug ist auf dem Feld abgestürzt

Auch zehn Jahre nach jenen Schrecksekunden kann sich Andreas Flath noch ganz genau an diesen Tag erinnern. Er läuft zurück ins Feuerwehrhaus und setzt sofort einen Notruf ab. Dann rennt er die Straße hinunter nach Hause, setzt sich ins Auto und fährt los. Es sind nur wenige hundert Meter, die Flath fahren muss, bevor er das Unheil vor Augen bekommt. Auf einem Feld zwischen Wengen und Eschling ist ein Flugzeug abgestürzt. Der Kommandant erkennt: Er und die anderen Anwohner, die zur Unglücksstelle geeilt waren, können hier nichts ausrichten. Es wäre sogar lebensgefährlich, sich blindlings der Maschine zu nähern. Flath riegelt deshalb so gut er kann die Unfallstelle ab, bis die Burgheimer Feuerwehr als erste Rettungsmannschaft vor Ort eintrifft.

„Am Anfang herrschte das totale Chaos“, erinnert sich Flath. Innerhalb kürzester Zeit waren rund 150 Rettungskräfte vor Ort. Zu löschen gab es nicht viel, wie Flath sagt, denn das meiste Kerosin verpuffte mit der Explosion, der Rest versickerte im Boden. Was dagegen wesentlich mehr Sorge bereitete, war die Frage: Welche Maschine ist da abgestürzt? Und vor allem: Wie viele Passagiere saßen in ihr? Weil Andreas Flath zwei Fallschirme gesehen hatte, mussten die Rettungskräfte zunächst davon ausgehen, dass mindestens zwei Personen im Flugzeug waren. Erst später wird klar: Im Flugzeug saß ein Pilot, der sich über den Schleudersitz retten konnte. An dem zweiten Fallschirm hing ein Rettungsboot.

Fallschirm ging herab: "Wo ist mein Flieger?"

Den Absturz des Flugzeuges hat auch Karola Ritzer-Wünsch aus Illdorf miterlebt. Sie war an jenem Vormittag auf dem Dach ihres Hauses, wo Dachdecker gerade zugange waren. Das Flugzeug rauschte über ihre Köpfe hinweg und ging nur wenige hundert Meter hinter dem Dorf zu Boden. Nur wenige Augenblicke später sahen sie einen Fallschirm in Richtung Illdorf segeln. Karola Ritzer-Wünsch und einer der Handwerker stiegen vom Dach und liefen auf das freie Feld hinter dem Haus. „Wo ist mein Flieger?“, war die erste und einzige Frage, die der Pilot an die beiden richtete. Die Illdorferin kann sich heute nicht mehr erinnern, in welcher Sprache der spanische Pilot gesprochen hatte. In jedem Fall hatten sie ihn aber verstanden und ihm zu verstehen gegeben, dass das Flugzeug auf einem Acker abgestürzt sei. „Man sah ihm die Erleichterung an, dass der Flieger kein Haus erwischt hat“, erinnert sie sich. Der damals 27-Jährige kam mit drei gebrochenen Rückenwirbeln davon.

Von der Luft aus wird das Ausmaß der Absturzstelle erst erkennbar. Vier Tage dauerte es, bis die weit verstreuten Wrackteile geborgen waren. Die Entschädigung der Ackerbesitzer und die Bereinigung des mit Kerosin verseuchten Bodens zog sich dagegen länger hin.
Bild: FW Wengen-Eschling

Als klar ist, dass es sich bei dem abgestürzten Flugzeug um eine spanische Mirage F1 handelt, die zusammen mit einem zweiten Kampfflugzeug am Jagdgeschwader 74 in Neuburg zu einer Nato-Elite-Übung gestartet war, rückte die Bundeswehr mit 30 Mann an, übernahm das Kommando und erklärte die Absturzstelle zur militärischen Sicherheitszone. „Da standen die Soldaten mit ihren Maschinengewehren und passten auf, dass kein Unbefugter das Areal betrat“, erinnert sich Andreas Flath.

Schon am nächsten Tag machte sich das spanische Militär an die Aufräumarbeiten. Die Maschine, die einen vier oder fünf Meter tiefen Krater auf dem Feld hinterlassen hatte und dessen Triebwerk sich bestimmt fünf weitere Meter tief in die Erde gebohrt hatte, musste geborgen werden. Allen voran galt es natürlich, den Flugschreiber zu finden. „Als sie den gefunden haben, sind alle aus dem Krater rausgesprungen, haben sich gefreut und hätten wohl am liebsten mit allem anderen aufgehört“, erzählt Flath.

Marienbild lag im Cockpit

Gerade mal vier Tage lang dauerten die Aufräumarbeiten, dann war auch das kleinste Wrackteil eingesammelt. Über ein Jahr dauert dagegen die Auswertung der Blackbox. Der Grund, warum im Cockpit ein Brand ausgebrochen und eine Treibstoffpumpe ausgefallen waren, wurde allerdings nie öffentlich bekannt.

Der Flugzeugabsturz ging wie durch ein Wunder für alle Beteiligten glimpflich aus: für die Bewohner aus Eschling, Wengen und Illdorf, weil der Kampfjet ohne Weiteres in eines der Dörfer hätte rauschen können, wäre er nur wenige Sekunden länger in der Luft geblieben. Und für den Piloten, der offenbar einen Schutzengel bei sich hatte. In seinem Cockpit lag ein Marienbild, auf dem stand:

Wenn unsere Flügel brechen,

vor dem Ende unseres Fluges,

bevor wir auf die Erde kommen,

öffne du deine Arme mit Liebe.

Sei gegrüßt Mutter, Königin des Himmels.

Dankgottesdienst Zum zehnten Jahrestag des Flugzeugabsturzes findet diesen Sonntag, 31. Mai, um 18.30 Uhr an der Marienkapelle (bei schlechtem Wetter in der Pfarrkirche) in Illdorf ein Dankgottesdienst statt.

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