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Unterstall

26.03.2016

Der Frieden im Dorf ist gefährdet

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2 Bilder
Volles Haus im Schützenheim, als die Betreiber und Nutzer der auf dem Schützenheim geplanten Mobilfunk-Sendeanlage am Mittwoch zum Informationsabend geladen hatten.
Bild: Manfred Dittenhofer

Durch Unterstall ziehen sich tiefe Gräben, weil auf dem Schützenheim ein Sendemast errichtet werden soll. Die Anwohner fühlen sich überrumpelt

Bergheim-Unterstall Bis zum Schluss hatten die Gegner gehofft, dass sie das Blatt noch wenden können. Und das, obwohl bekannt war, dass der Vertrag bereits unterschrieben worden ist. Aber der Sendemast auf dem Schützenheim in Unterstall wird kommen. Denn der Vertragspartner Deutsche Funkturm GmbH wird von dem Vertrag nicht zurücktreten.

Viele der Anlieger hatten sich überrumpelt gefühlt von der Nachricht, dass der Schützenverein Eichenlaub Unterstall das Dach seines Schützenheimes in der Egweiler Straße für eine Mobilfunk-Sendeanlage verpachten wird. Schnell entstand eine breite Front an Gegnern. Über hundert Unterschriften wurden gesammelt.

Um die Nachbarn und Dorfbewohner zu informieren, lud der Vorstand der Schützen daher zu einem Informationsabend. Neben reichlich technischer Information über elektromagnetische Wellen im Allgemeinen und das Handy-Telefonieren im Besonderen erfuhren die Unterstaller dann am Mittwoch Abend, dass es ein Zurück nicht geben wird. So verlief der Abend in zwei Ebenen.

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Auf der rationalen versuchten der Vertreter der Deutschen Funkturm und der Telekom die Angst vor den Mobilfunkstrahlen zu nehmen. Ihr Argument: Der Mast sende je nach Nutzung mit höchstens 60 Watt. Die Strahlungsleistung sinke im Quadrat zur Entfernung. Die als fragwürdiger eingestufte, weil näher am Körper befindliche Strahlung des Handys würde aber mit einem näheren Sendemasten unter die maximal zwei Watt heruntergefahren.

Die vielen technischen Details, Zahlen und Diagramme aber konnten die Ängste und Abneigungen gegen den Mobilfunksender nicht nehmen. Ärzte würden vor der Strahlenbelastung, verursacht von Mobilfunk-Sendeanlagen, warnen. Das Metier sei zu wenig erforscht, die Risiken vor allem für Kinder zu hoch, sagen die Gegner.

Die zweite Ebene war die emotionale. Seit Bekanntwerden der Pläne der Schützen ziehen sich Gräben durch Unterstall, die am Mittwoch Abend nicht nur tiefer, sondern auch noch breiter wurden. Begonnen hatte die Veranstaltung schon mit einem Statement der Mutter der Vorsitzenden des Schützenvereins gegen eine weitere Unterstallerin. Sie verbiete sich weitere Anrufe, bei denen der Anrufer in das Telefon schreie und die Familie beleidige und belästige. Sprach es und verließ das Schützenheim. Die Angesprochene wollte das nicht auf sich sitzen lassen, sodass der Abend im Gefühlsdschungel unterzugehen drohte, bevor er überhaupt begonnen hatte. Vereinsvorsitzende Ann-Kathrin Mayer brachte das Treffen aber zurück auf die Infoschiene.

Nach all den technischen Details versuchten die Vertreter der Deutschen Funkturm und der Telekom die rechtlichen Aspekte noch einmal in den Vordergrund zur rücken. Schließlich dürfe man Menschen, die nach Recht und Gesetz agieren, nicht für ihr rechtmäßiges Handeln kritisieren oder gar verunglimpfen. Mayer versuchte zu erklären, wie wichtig diese Einnahmen durch die Verpachtung des Daches für den Erhalt des Schützenheimes seien. „Stellt sich irgendein Privatmann die Antenne auf sein Haus, haben wir auch keinen Einfluss darauf.“

Tatsächlich seien der Gemeinde die Hände gebunden, so Bürgermeister Tobias Gensberger. „Baurechtlich steht dem Unternehmen nichts entgegen und kann, solange es das Baurecht einhält, auch nicht verhindert werden.

All diese Informationen halfen aber nicht. Denn sie werden den Streit in Unterstall nicht schlichten. Der entwickelte sich am Infoabend am Schluss der Debatte hin auf eine dritte Ebene. Wer mitbestimmen wolle, solle sich mehr in die Vereinsarbeit einbringen. Jeder wolle telefonieren und einen schnellen Internetzugang mit seinem Smartphone, die Masten aber nicht, wurde in die Diskussion geworfen. Wieder viele Argumente, die die Gräben, die sich durch das Dorf ziehen, eher verbreitert haben.

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