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Neuburg

26.02.2016

Der Kampfpilot und sein Erbe

Kriegsverbrecher oder Vorzeigemilitär? Seit Jahren arbeiten sich Bundeswehr und Abgeordnete an Werner Mölders auf.
Bild: Archiv

Die Diskussion um Werner Mölders reißt nicht ab: Die Linke behauptet, die Bundeswehr betreibe Traditionspflege für einen NS-Verbrecher. Die Regierung sieht das anders.

Würde man die beiden Lager auf einer Weltkarte einzeichnen, zwischen ihnen läge nicht nur ein Ozean. Die einen, die Mölderianer, bauen auf ihre Tradition. Der Kampfpilot Werner Mölders ist für zahlreiche Flieger ein Held, der Deutschland vor seinen Feinden verteidigte. Hochdekoriert, mit mehr Abschüssen als der Rote Baron Manfred von Richthofen und trotzdem bodenständig. Für die Mitglieder der Mölders-Vereinigung vertritt der 1941 verunglückte Pilot ein Wertespektrum, das alle Eigenschaften eines Militärmythos abdeckt: diszipliniert, aufrecht, vaterlandstreu. So beschreiben seine Verehrer den Piloten, der einst auf der Seite der Nationalsozialisten Flieger um Flieger vom Himmel holte.

Auf der anderen Seite steht zum wiederholten Male die Bundestagsfraktion der Linken. Anfang Dezember hat die Ingolstädter Abgeordnete Eva Bulling-Schröter zusammen mit Fraktionskollegen eine kleine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet. Die Fragen drehen sich allesamt um die Mölders-Vereinigung und deren Verbindung zum Neuburger Luftwaffengeschwader. Sie wirft der Bundeswehr konkret „NS-Traditionspflege“ vor: „Ich empfinde es als unerträglich, dass der Vereinigung kostenlos regelmäßig Räume in der Kaserne zur Verfügung gestellt werden und einzelne Geschwaderangehörige während der Dienstzeit redaktionell für die Vereins-Zeitschrift Der Mölderianer arbeiten.“

Die Mölders-Vereinigung macht kein Geheimnis daraus, dass ihr die Luftwaffe drei Räume der Wilhelm-Frankl-Kaserne zur Verfügung stellt. Dort arbeiten sie die Geschwaderchronik aus, führen die Bibliothek und fünfmal im Jahr erscheint das Magazin „Der Mölderianer“. Auch ein Traditionsraum wird von der Vereinigung betreut. Allerdings, darauf legt der ehemalige Kommodore und Vorsitzende der Vereinigung Helmut Ruppert, wert, ohne „auch nur einen Heller“ dafür zu kassieren. Die rund 750 Mitglieder finanzieren die Aktivitäten durch den Mitgliedsbeitrag und durch Spenden, erklärt er.

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2005 hat das Taktische Luftwaffengeschwader 74 offiziell den Beinamen Mölders ablegen müssen. Damals auf Initiative der Linken und der SPD, deren Aufruf Verteidigungsminister Peter Struck folgte. Für die Mölderianer war dieser Schritt ein herber Schlag gegen das Erbe ihres Namensgebers. Seitdem verloren auch die Festlichkeiten zum Todestag des Piloten ihre offizielle Aura, weil kein aktiver Soldat mehr in Uniform auftreten durfte. Geht es nach Oberst Ruppert, führt die Gegenseite einen Kampf, ohne sich wirklich mit Mölders auseinanderzusetzen. Niemand könne ihm eine Verfehlung nachweisen. „Umso mehr sind wir enttäuscht, dass dieses Pauschalurteil gefällt wurde.“ Er bezieht sich auf eine Entscheidung des Bundestags aus dem Jahr 1998. Damals haben die Abgeordneten dafür gestimmt, dass für kein Mitglied der „Legion Condor“, die im spanischen Bürgerkrieg auf Seiten des Diktators Franco kämpften, vonseiten der Bundeswehr Traditionspflege betrieben werden darf. Damit war auch nach langer Diskussion das Schicksal Mölders besiegelt.

Daran hat sich aus Sicht der Bundesregierung nichts geändert. In der Antwort auf die kleine Anfrage der Linken antwortet sie: „Die Diskussion über die historische Rolle von Werner Mölders und sein Verhältnis zum verbrecherischen NS-Regime wurde (...) intensiv geführt.“ Und: „Die Bundeswehr hält daran fest, Mölders nicht selbst zu ehren.“

Bundestagsabgeordneter Reinhard Brandl (CSU), der unter anderem im Verteidigungsausschuss sitzt, ergreift für die Mölderianer Partei: „Die Mölders-Vereinigung ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Geschwader und Gesellschaft. Den Mitgliedern eine Nähe zum Nationalsozialismus zu unterstellen ist ehrabschneidend.“ Ein Ende der Diskussion um Tradition und Schuld ist allerdings nicht in Sicht.

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Die Diskussion ist geschlossen.

28.02.2016

Auch ich habe 12 Jahre im damaligen JG 74 "Mölders" gedient und werde mich immer als "Mölderianer" fühlen. Es war eine sehr schöne Zeit in der ich Erfahrungen für´s Leben sammeln konnte, welche einen Teil meines Lebens geprägt haben! Anscheinend sind es nur politische Vereinigungen, welche keinen Plan haben und sich an solchen Dingen hochziehen und meinen dann wunder was sie geschafft haben, zu mehr reicht es aber nicht!

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