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16.03.2009

Der Kern, die Kulisse und eine Kostbarkeit

Neuburg "Neuburg hat eine der schönsten Altstädte Bayerns, aber auch eine der totesten." Die Worte einer Münchner Wissenschaftlerin klingeln Stadtheimatpfleger noch in den Ohren. Längst gilt diese Beschreibung nicht mehr. Neuburgs Altstadt ist ein Juwel, dass tausende Besucher anlockt. Doch vor noch knapp 50 Jahren war der Stadtteil, der heute zu den begehrtesten Wohnorten der Stadt zählt, alles andere als ein schmuckes Viertel.

Das Urteil der Münchnerin fiel hart aus, aber nicht ohne Grund, wie Thiele erklärt. In der Altstadt gab es nach dem Zweiten Weltkrieg kein Stadtleben: Viehmarkt, Dult, Geschäfte und Verwaltung zogen die Neuburger in der Untere Stadt. Auf dem Berg wurde nur noch gewohnt, sagt Thiele und zitiert den berühmten Satz: "Wer was ist und was hat, der wohnt in der Oberen Stadt."

Am 6. Mai 1974 wurde die Amalienstraße als erster Teil der Oberen Altstadt offiziell als Untersuchungsgebiet ausgewiesen. Die Regierung von Oberbayern machte damit den Weg frei für die Sanierung der Altstadt, deren Ergebnis heute jeder sehen kann. "Man hat damals schnell kapiert, dass man alles tun muss, um das Ensemble der Oberen Altstadt erhalten zu müssen", erklärt Thiele.

Heute sind gut 80 Prozent der Häuser modernisiert. Insgesamt hat die Stadt seit 1974 über als Anteil aus der Städtebauförderung 13 Millionen Euro investiert. Dabei war es nicht immer einfach die Häuser so umzubauen, dass sie den heutigen Bedürfnissen entsprechen. "Die großformatigen Wohnungen waren so gebaut, dass alle wichtigen Zimmer zur Straße hingehen - egal welche Himmelsrichtung das ist", erklärt Thiele. Folglich waren die Treppenhäuser stets im Hinterhaus. Die wurden in die Hausmitte verlagert und gleichzeitig die großen Wohnungen in zwei Parteien geteilt. "Das war sozusagen der Kompromiss, Historisches bewohnbar zu machen", so der Stadtheimatpfleger weiter. Bis heute gilt die 1970 festgelegte Gestaltungsordnung für die Renovierung der Häuser: Fensterform, Dachneigung und vieles mehr sind dort festgehalten. Thiele: "Das sorgt manchmal für Ärger, wenn es mal wieder um Solaranlagen auf den Dächern geht, aber das ist einfach in der Altstadt nicht umsetzbar."

Der Kern, die Kulisse und eine Kostbarkeit

Mit der Modernisierung hat sich nicht nur das Straßenbild der Altstadt verändert, sondern auch die Menschen, die in den Häusern wohnen. Früher lebten meist ältere Menschen in den Wohnungen. Der Quadratmeterpreis lag damals zwischen zwei und vier D-Mark. Bewusst hielt die Stadt das Rathaus, die Verwaltung und das Amtsgericht in der Altstadt. Kulturelle Institutionen wie die Provinzialbibliothek, das Stadtmuseum und das Stadttheater sollten die Altstadt zu einem Ziel für den Fremdenverkehr machen. Und das Konzept ging auf. "Die Altstadt sollte Wohngebiet mit zentralen Funktionen bleiben - das war der Grundgedanke", so Thiele.

Wer heute in einem der schmucken Häuser wohnt, täglich über das holprige Kopfsteinpflaster der engen Gassen geht, freut sich sicher über die zauberhafte Atmosphäre. Aber ein Altstadtbewohner braucht auch gute Nerven: Einen Parkplatz zu finden scheint reines Glücksspiel. Der Versuch, das Problem mit Anwohnerparkausweisen zu lösen, funktioniert nur teilweise. Nahe Parkplätze am Stadtgraben zu schaffen, ist bautechnisch nicht möglich und andere Lösungen sind Dauerthema im Stadtrat. Haarig wird die Parksituation vor allem, wenn die Altstadt in den Sommermonaten als Bühne für diverse Veranstaltungen genutzt wird. Dann kommt zum Platzmangel der Lärm dazu und sorgt für Ärger. Genauso wie die Randale von Jugendlichen, die am Stadtgraben den Spielplatz verwüsten.

Für Besucher freilich ist die Neuburger Altstadt das, was Winter wie Sommer lockt. Stadtmuseum, Barockgalerie, Schloss, der Karlsplatz und der Blick auf die Donau sind reizvolle Ziele. In der sommerlichen Dämmerstunde mit dem Nachtwächter durch die engen Straßen zu flanieren und alte Geschichten zu hören - diese Idee funktioniert nur vor beeindruckender Kulisse der Neuburger Altstadt.

Bei uns im Internet

Ein Spaziergang durch Neuburgs Altstadt

www.neuburger-rundschau.de/ lokales

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