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Der Landkreis vergibt eine Riesenchance

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Kommentar Von Norbert Eibel
30.11.2018

Der Kreisausschuss hat die gemeinsame Bewerbung mit den Nachbarn aus Aichach-Friedberg für eine Öko-Modellregion Paartal abgeschmettert.

Es gibt Menschen, sogar Politiker, die leugnen den Klimawandel schlicht. Wissenschaftler, die zur globalen Erderwärmung forschen, haben eine politische Agenda, glaubt Donald Trump. In der sehr eindimensionalen Weltsicht des US-Präsidenten ist der Klimawandel ein Scherz. Und dann gibt es Politiker, die halten Sonntagsreden, gerne in Wahlkampfzeiten, und mahnen Verhaltensänderungen an, um den Kollaps doch noch stoppen zu können. Sitzen die Damen und Herren dann in den politischen Gremien, halten sie es lieber mit den drei Affen: Sie wollen nicht sehen, hören und sagen, was offensichtlich ist. Wer ist schlimmer?

Eine Öko-Modellregion Paartal unter Einbeziehung des Donaumoos’ wäre ein Ansatz, um etwa eine Umstellung der Landwirtschaft hin zum ökologischen Landbau anzuschieben. Im Moos, das kann nicht mehr verleugnet werden, schreitet die Moorsackung immer schneller voran. Wer die Staatsstraße zwischen Langenmosen und Ludwigsmoos fährt oder zwischen Brunnen und Karlshuld unterwegs ist, kann das am eigenen Leib spüren. Durch den absackenden Untergrund wird die Fahrbahn zur Schlagloch- und Slalompiste. Wer nicht aufpasst, fliegt von der Straße. Doch es geht hier nicht um freie Fahrt. Jährlich löst sich durch die Mineralisierung, also den Abbau der organischen Substanzen, im Moos eine rund 1,5 Zentimeter dicke Torfschicht in Luft auf. Zu den klimaschädlichen Ausgasungen und dem starken Bodenschwund kommt noch der hohe Nitrateintrag ins Grundwasser.

Der Begriff Klimawandel ist etwas unglücklich, denn er suggeriert, irgendwann wäre das Klima einmal statisch gewesen. Das stimmt natürlich nicht, Klimaschwankungen sind Teil der thermodynamischen Prozesse unseres Planeten. Gemeint ist eine Abkühlung oder Erwärmung über unterschiedliche Zeiträume. Was die Sache aktuell so dramatisch macht, ist das rasante Tempo, mit dem das Gleichgewicht aus den Fugen gerät. Und Verursacher ist der Mensch. Neue Hochrechnungen und Bodenanalysen zeigen, dass das Problem des CO2-Ausstoßes noch größer sein könnte, als allgemein befürchtet. Durch eine Art Schneeballeffekt führen mehr Emissionen zu stärkerer Erderwärmung und eine stärkere Erwärmung führt wiederum zu mehr Emissionen.

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Eine Öko-Modellregion, von der es in Bayern bisher sechs und bald viele mehr geben soll, ist ein Ansatz, diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen. Es geht hier nicht ums Prinzip. Wir müssen endlich handeln und unsere Verhaltens- und Wirtschaftsweisen ändern. Das gilt für die konventionelle Landwirtschaft und für uns alle. Der Kreisausschuss hat dies abgewiegelt. Das ist kleingeistig und erbärmlich. Unsere Kinder und Kindeskinder werden uns das einmal zu Recht vorhalten.

Lesen Sie dazu den Artikel "Der Öko-Offenbarungseid des Landkreises" von Norbert Eibel

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