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Bei Audi in Ingolstadt 

30.01.2016

Der Mösler im Aufsichtsrat von Volkswagen

Peter Mosch
Bild: Audi

  Peter Mosch ist fast auf den Tag zehn Jahre Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Audi. Er sitzt mit den Größen der Volkswagen-Welt am Tisch. Aber der Kontakt zu den Kollegen am Band ist ihm genauso wichtig. Und noch so einiges

 "Man muss immer wissen, wo man her kommt“, sagt Peter Mosch. Damit meint er natürlich in erster Linie seine eigene Herkunft. Der jetzt bald 44-Jährige ist ein Mösler, genauer gesagt aus Klingsmoos. Er ist Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Audi. Seit zehn Jahren schon. Über einen Mösler, dessen Name und Gesicht selbst Größen in der Automobilwelt wie Ferdinand Piëch, Martin Winterkorn oder der jetzige VW-Chef Matthias Müller kennen.

Mit 34 wurde Mosch erstmals zum Gesamtbetriebsratsvorsitzenden gewählt. Vorher war er Vertrauenskörperleiter der IG Metall. Der Umstieg in die „ganz andere Welt“ erfolgte mit Wucht: Hier die Gespräche mit den Kollegen an den Bändern in Ingolstadt, gleich nach der Wahl der erste Auftritt im Aufsichtsrat von Volkswagen; dazwischen alle Themen, die Mitbestimmung, Tarifrechte, Gesundheit der Arbeitnehmer und sonst noch alles betreffen. „Es war eine enorme Umstellung“, erinnert er sich.

Das alles liegt nicht nur zehn Jahre, sondern auch 10000 Mitarbeiter zurück, wenn man so will. Um diese imposante Zahl hat der größte Arbeitgeber der Region im selben Zeitraum aufgestockt. Derzeit sind es am Mutterstandort rund 43000. Die Organisierungsquote ist hoch, die Zuwachsraten der IG Metall in Ingolstadt dementsprechend.

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Die IG Metall und die SPD: Auch von dort kommt Mosch her. Das sozialdemokratische Gedankengut hat ihm der Vater mit auf den Lebensweg gegeben. Auch deshalb fiel ihm der Schritt zur IG Metall leicht, als Mosch mit 15 eine Lehre bei Audi anfing, also ziemlich weit unten. Und nun ganz oben, mit den Bossen von Audi und VW am Verhandlungstisch. Wie viel Bodenhaftung kann man sich da noch bewahren? Sehr viel, sagt der zweifache Familienvater, der sich vorgenommen hat, „immer bei den Menschen zu sein“. Alle vier Wochen kommt er deshalb mit „Betriebsrat vor Ort“ in die Abteilungen. „Da stellen wir einen Stehtisch auf und dann wird diskutiert, da erfährt man, was den Kollegen wichtig ist“, beschreibt er.

Der Betriebsrat und sein Chef sind ein gutes Stück weit auch als Botschafter mit den Interessen des Konzerns unterwegs. Auch politisch. Wie unlängst vor den Landtagsfraktionen von CSU und SPD, oder in einem Gespräch mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner.

Da ging es speziell um die Digitalisierung in der Fertigung und die Elektromobilität. Mosch fordert mehr Unterstützung. Bei letzterem sei die deutsche Politik „zu halbherzig“. Die Automobilindustrie brauche finanzielle Anreize, beispielsweise steuerlich, aber auch für Forschung und Technik. Außerdem müsse die notwendige Infrastruktur unterstützt werden, wie der flächendeckende Ausbau mit Ladestationen. Mosch sieht die Europäer bereits im Hintertreffen. Beispielsweise die USA würde viel mehr Geld in die Entwicklung neuer Batterietechnologien stecken. Wenn die Industrie in Europa solche Vorsprünge einmal durch den Zukauf von Wissen und Material aus dem Ausland ausgleichen müsse, würden Arbeitsplätze und Wertschöpfung wegbrechen.

Politische Baustellen sehen die Arbeitnehmergremien aber auch in der Region. Die neuen Standorte in Neuburg und Münchsmünster seien erste gute Schritte zur Entflechtung am Stammsitz, weitere müssten aber folgen. Ein Dauerthema sei der Verkehr. Vor über zehn Jahren schon hat der Betriebsrat einen Bahnhof auf dem Audi-Gelände gefordert. Nun kommt er. Mosch will jetzt den nächsten Schritt: Die Städte im Umland müssten ihre Bahnhöfe ertüchtigen und große Parkplätze zur Verfügung stellen, damit die Werksangehörigen auf den Zug umsteigen können. Aber auch der Autoverkehr müsse ständig neu geregelt werden. Der Betriebsrat favorisiert den vierspurigen Ausbau des Zubringers vom Autobahnanschluss Lenting, eigene Abbiegespuren von und in Richtung Eichstätt an der Gabel und einen gesonderten Autobahnanschluss für den IN-Campus. Für Mosch ist auch das Thema Seilbahnen oder Schwebebahn noch nicht ad acta gelegt. „Das muss man weiter prüfen“, sagt er.

Baustellen im eigenen Haus? Das ist unter anderem auch alles das, was unter den Begriff „modernes Arbeiten“ fällt, sagt Mosch. Manche Themen seien jedoch auch in einem modernen Konzern wie Audi nicht leicht anzugehen. Vor allem, wenn es um die Weiterentwicklung von Unternehmenskultur, Führungsstil oder Vertrauen gehe. Beispiel: Nach wie vor würde in vielen Bereichen eine ausgeprägte „Präsenzkultur“ gepflegt, obwohl die Mitarbeiter viele ihrer Aufgaben auch von daheim aus zur vollsten Zufriedenheit erledigen könnten.

Beibehalten und ausgebaut werden soll der „Audi-Checkup“, das spezielle Gesundheitsprogramm für alle Beschäftigten, das während der Arbeitszeit angeboten wird. Momentan läuft die zweite Welle. Die Marke von 80000 Untersuchungen und Maßnahmen ist fast erreicht.

Und die Baustellen auf der höchsten Ebene, gerade jetzt, wo es so viele Fragezeichen wegen des Abgasskandals gibt? Da wird Mosch sehr deutlich, was die zunächst vom neuen VW-Chef Müller geforderte Streichung aller Bonuszahlungen anbelangt: „Wir haben in den langen und guten Jahren auch nicht mehr gefordert und Verträge müssen in guten wie in schlechten Zeiten gelten“, schickt er ein deutliches Signal. Und das Geld für das Expansionsprogramm von Audi müsse ebenfalls kommen, denn „wir brauchen diese Investitionen für unsere Zukunftsthemen“.

Mosch glaubt, dass der von ihm schon so oft erfolgreich beschworene Audi-Geist in der Belegschaft alles stemmen wird, wenn tatsächlich eine Durststrecke kommen sollte. Aber er denkt nicht, dass es überhaupt so weit kommen wird: „Ich habe die ersten neuen Modelle gesehen – unsere Designsprache ist einfach sehr gut. Ich bin überzeugt, dass die Autos einschlagen“, spricht er mindestens so selbstbewusst, wie seit Monaten die Herren aus der Vorstandsetage. Alle sind nach Kräften bemüht, Optimismus zu verbreiten. Sind halt alles „echte Audianer“ – und ein solcher vergisst seine Herkunft nie...

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