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Neuburg

23.11.2020

Der Neuburger Auwald soll wieder leuchten - doch zahlt die Stadt dafür?

So leuchtete der Auwald bei Schloss Grünau bereits 2015. Im kommenden Februar soll die Veranstaltung erneut stattfinden.
Foto: Christian Obermeier (Archiv)

Plus Aus dem Neuburger Auwald wird, wie 2015, ein „Winter-Wunder-Wald“. Doch es gibt offene Fragen. Die Kämmerei spricht von „unangemessenen“ Kosten.

Auf der Internetseite läuft bereits der Countdown. Bis auf die Sekunde genau erfährt der Nutzer, wann aus dem Auwald beim Schloss Grünau ein „Winter-Wunder-Wald“ werden soll. Wie schon einmal im Jahr 2015 ist geplant, dort, zwischen Bäumen und Sträuchern, einen Nachtwanderweg zu schaffen. Dafür würden Videoprojektion, Licht, Ton, Animation und scheinbar lebende Requisiten des Waldes zum Einsatz kommen. Aus dem Wald soll so ein nächtlicher „Erlebnispfad“ werden, heißt es von den Veranstaltern. Hinter dem Vorhaben stecken der Förderverein des Auenzentrums, das Neuburger Stadtmarketing und die Event-Firma WBLT aus Kreut. Sie wollen den „Winter-Wunder-Wald“ an zwei Wochenenden im kommenden Februar auf die Beine stellen. „Das war 2015 eine richtig tolle Aktion“, sagt Siegfried Geißler, Geschäftsführer des Fördervereins Auenzentrum. Damals habe er zahlreiche positive Rückmeldungen erhalten. Es habe ihn und seine Mitstreiter schon lange „gedrückt“, ein solches Vorhaben zu wiederholen.

Der Auwald bei Schloss Grünau erstrahlte am Wochenende in geheimnisvollen Farben.
Foto: Foto: Manfred Dittemhofer

Die Veranstalter in Neuburg haben wegen Corona ein Hygienekonzept ausgearbeitet

Doch noch ist nicht alles in trockenen Tüchern. Da ist, natürlich, die Corona-Pandemie. Die Veranstalter haben ein Hygienekonzept ausgearbeitet. Abstandsgebote, Einbahnstraßenregelung, getakteter Zugang in kleinen Gruppen – so soll das Event möglich sein. Das Konzept und die Tatsache, dass die Veranstaltung an der frischen Luft stattfindet, würden die Situation aus Sicht des Infektionsschutzes „beherrschbar“ machen, ist sich Geißler sicher. Er betont, dass ein solches Event sogar gerade in Corona-Zeiten wichtig ist, um dem mitunter belastenden Alltagstrott zu entfliehen. Doch in diesen Tagen muss man mit allem rechnen. So steht für den Fall einer coronabedingten Verschiebung bereits ein Ausweichtermin fest: Herbst 2021.

Die Redynamisierung hat der Donau und ihren Zuflüssen wieder Leben eingehaucht.

Eine Crowdfunding-Aktion soll die Veranstaltung in Neuburg ermöglichen

Auch zur Finanzierung gibt es noch Fragezeichen. Die Veranstalter kalkulieren für die beiden Wochenenden mit Kosten von insgesamt 150.000 Euro, etwa für Planung, Technik, Bewachung und Strom. Ein Betrag, den die Veranstalter nicht mal eben aus dem Ärmel schütteln können. Es gibt Sponsoren, das Auenzentrum selbst beteiligt sich laut Plan mit 15.000 Euro, und natürlich kommt auch Geld durch den Ticketverkauf herein. Doch das reicht nicht. So haben die Verantwortlichen erst vor wenigen Tagen im Internet eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen, mit dem Ziel, bis Mitte Dezember 15.000 Euro zu generieren. Kurz nach dem Start sind Spenden von gut 1500 Euro zugesagt. Geißler ist zuversichtlich und hofft, dass am Ende vielleicht sogar mehr als die angepeilten 15.000 Euro zusammenkommen. Schaden könnte es nicht. Denn eine andere kalkulierte Einnahmequelle könnte versiegen.

Für die Kämmerei in Neuburg sind die Kosten "völlig unangemessen"

Der Förderverein Auenzentrum hat bei der Stadt Neuburg eine Kulturförderung in Höhe von 20.000 Euro beantragt. Der Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschuss wird in seiner Sitzung am kommenden Dienstag darüber entscheiden. „Wir hoffen, dass wir die geplante Finanzierung verwirklichen können“, sagt Geißler – mit dem Zuschuss der Stadt also. Im Vorfeld der Sitzung gibt es jedoch negative Signale. „Aus Sicht der Kämmerei kann dem Antrag nicht entsprochen werden“, heißt es in der Beschlussvorlage. Die Kosten der Veranstaltung für nur zwei Wochenenden mit 150.000 Euro seien „völlig unangemessen“, das Ganze betont mit einem Ausrufezeichen. Die Argumentation der Kämmerei: In der Corona-Krise würden Landkreise und Städte derzeit um jeden Euro ringen und „sparen, wo es geht“, um ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen. Im städtischen Haushalt sei an vielen Stellen gekürzt worden, um die Kreditaufnahme im Rahmen zu halten, die mit sieben Millionen Euro immer noch sehr hoch sei. „Eine Unterstützung in Höhe von 20.000 Euro wäre daher nicht zu verantworten“, heißt es. Oberbürgermeister Bernhard Gmehling teilt auf Anfrage über seinen Sprecher Bernhard Mahler mit, dass er aus rein finanzpolitischer Sicht die Argumente der Kämmerei verstehen kann. Er wolle der Entscheidung des Ausschusses jedoch nicht vorgreifen und im Vorfeld der Sitzung Neutralität wahren. Siegfried Geißler betont, dass die Stadt Neuburg profitieren würde. Ein solches Event könne Besucher weit über die Grenzen der Region anlocken, glaubt der Veranstalter. Sollte der eingeplante Zuschuss der Stadt wegbrechen, oder auch die Crowdfunding-Aktion nicht den gewünschten Erfolg bringen, werde man an der Konzeption der Veranstaltung arbeiten, um Kosten zu reduzieren, so Geißler.

Eine besonders reizvolle, mitunter noch unberührte Natur bietet der Auwald entlang der Donau.
Foto: Gloria Geißler

Für den Winter-Wunder-Wald in Neuburg sind auch der Tier- und Umweltschutz ein Thema

Im Zusammenhang mit dem „Winter-Wunder-Wald“ sind auch Tier- und Umweltschutz ein Thema. In der Beschlussvorlage kritisiert die Kämmerei: „Die Tierwelt wird durch diese Veranstaltung durch die nächtliche Beleuchtung und den Menschenauflauf verschreckt und verstört.“ Geißler, selbst Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, kündigt an: „Natürlich wird es eine artenschutzrechtliche Prüfung geben, die ordnungsgemäß durchgeführt wird.“ Er erwarte in diesem Punkt jedoch keine Probleme – so wie 2015. Im Februar stehen keine Vogelbruten an, auch gebe es zu dieser Jahreszeit keine Insekten. „Störpotenzial sehe ich maximal für ein paar Rehe und Wildschweine, das ist aber nichts, was ein naturschutzrechtliches Problem darstellen sollte“, sagt Geißler. Nach seinen Angaben habe auch der Grundbesitzer, der Wittelsbacher Ausgleichsfonds, keine Bedenken geäußert. Geißler möchte mit der Aktion den Auwald „ins rechte Licht rücken“ und Werbung für die in seinen Augen „nationalparkwürdige“ Umgebung machen. Menschen, die das Waldstück bisher nicht auf dem Schirm hatten, sollen durch dieses Event herangeführt werden, so sein Wunsch.

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