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Neuburg

23.11.2017

Der Retter von Neuburg

Ein Mann und sein Auto: Ludwig Wünsch und sein 250er Mercedes waren ein eingespieltes Team im Dienst des Nächsten.
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Ein Mann und sein Auto: Ludwig Wünsch und sein 250er Mercedes waren ein eingespieltes Team im Dienst des Nächsten.
Bild: Wünsch

Ludwig Wünsch war der erste Rettungssanitäter im Landkreis. Mit einem Mercedes 250 machte er sich von der oberen Altstadt aus auf den Weg zu Un- und anderen Notfällen.

An das Ende seines ersten Arbeitstags erinnert sich Ludwig Wünsch genau. Er kam nach Hause und sagte zu seiner Frau: „Da gehe ich keinen Tag länger hin.“ Das war im Jahr 1973. Wünsch blieb. Erst als Sanitäter, dann als erster Rettungsassistent im Landkreis. Innerhalb von 25 Jahren stellte er den Rettungsdienst auf professionelle Beine und baute ihn systematisch auf. Dabei hatte er ursprünglich etwas ganz anderes gelernt.

„Ich bin gelernter Zimmermann“, erinnert sich Wünsch. Zu seinem neuen Beruf sei er durch seine Frau gekommen. Als er Ende 30 war, hatte diese kurzerhand entschlossen, er solle nicht länger auf Baustellen unterwegs, sondern mehr bei ihr und den drei gemeinsamen Kindern sein. „Sechs, neun und zwölf Jahre alt – rechte Rüpel“, erinnert sich Ehefrau Ingrid. Sie las eine Anzeige in der Zeitung: „Kraftfahrer gesucht.“ Dass eigentlich Sanitäter gemeint war, stellte sich erst später heraus. Trotzdem wurde ihr Mann auf Anhieb genommen.

Katastrophale Zustände

Die Zustände damals waren „katastrophal“, erinnert sich Wünsch. Das BRK Neuburg bestand aus lediglich einem haupt- und sechs ehrenamtlichen Mitarbeitern. „Alle Notrufe liefen über Telefon, Funk gab es noch keinen“, sagt er. Ein Umstand, der sich bis zum Ehebett durchschlagen sollte: Um immer erreichbar zu sein, bekamen er und seine Frau eine eigene Telefonleitung für Notrufe an ihr Nachtkästchen gelegt. „Das hatte die ein oder andere schlaflose Nacht zur Folge“, schmunzelt Ingird.

Die Zeit hatte aber auch schöne Seiten. Zum Beispiel schöne Autos. An eines erinnert sich Wünsch besonders gerne: Seinen 250er Mercedes, fünf Liter Hubraum, eine Erscheinung. Der war seiner. „Die anderen durften ihn nur in Ausnahmefällen fahren.“ Auch ein VW Bulli zählte zur Flotte – richtige Rettungswagen kamen erst später. So wie sich vieles erste mit der Zeit entwickelte. Auch bei ihm persönlich.

Den Schock des ersten Arbeitstages überwunden, den Anblick Verletzter gewöhnt, arbeitete er zunächst als Sanitäter. Kurz darauf absolvierte er als erster im Landkreis eine zweijährige Ausbildung zum Rettungssanitäter in München. Dort gab es Messerstechereien, Drogensüchtige und Massenkarambolagen. „Danach war ich auf alles gefasst“, sagt er. Er wurde stellvertretender Wachleiter und kurz darauf Leiter der Wache. Die Wachstube befand sich damals noch in der Oberen Altstadt, direkt neben dem Gefängnis. Bei Glatteis sei er schonmal quer den Altstadtberg runter zu Einsätzen gerutscht. Erst später zog das BRK an den jetzigen Standort in der Karl-Konrad-Straße. Über die Jahre hat Wünsch den Rettungsdienst ausgebaut, Leute eingestellt und die Professionalisierung vorangetrieben.

Bilder, die nicht aus dem Kopf gehen

Es gibt Bilder, die lassen ihn noch heute nicht los. Verletzte Kinder, Tote. Irgendwie habe er es immer geschafft, abzuschalten – in Zeiten, in denen Supervision noch ein Fremdwort war und Rettungssanitäter ohne psychologische Unterstützung auskommen mussten half ihm vor allem die Natur. Unfälle, Verletzungen, Schwangerschaften – all das sei dabei über die Jahre gleich geblieben, sagt er. Zwar habe sich die technisch-medizinische Ausstattung geändert, aber die Arbeit am Menschen bliebe immer gleich. Eine erfüllende Arbeit, wie er in der Rückschau meint. „Ich habe es nie bereut. Mein zweiter Beruf war der schönste, den ich hätte ergreifen können.“

Kürzlich hat er im Kreis seiner Familie, Freunde und Weggefährten seinen 80. Geburtstag gefeiert. Er ist dankbar für die Unterstützung, die er die Jahre über erfahren hat: Von seiner Frau, die für ihn schonmal den Telefondienst übernommen hatte oder von Werner Schulz von der Sanitätsstaffel des Fliegerhorsts, der ihn mehr als einmal als Beifahrer begleitet hatte.

Zusammen haben sie einen weiten Weg zurückgelegt. Ein Weg, geebnet von einem Zimmermann. Seinen ersten Beruf hat er übrigens nie aufgegeben: Für seine Tochter hat er ein Haus in Neuburg ausgebaut, und für sich und seine Frau eines in Ingolstadt. Mit Garten und Teich – zum Ausgleich.

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