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Stadtrat

08.06.2018

Der Schatz im Schlamm

Schwindende Phosphorressourcen machen NP-Dünger (Stickstoff-Phosphor-Dünger) zu einem begehrten Produkt.
Bild: Bernd Wüstneck, dpa

Bevor beim Klärwerk eine Phosphoranlage gebaut werden kann, muss der Stoff offiziell als Düngemittel zugelassen werden. So wirkt sich das Projekt auf den Endverbraucher aus

Im Klärwerk schwimmt ein Schatz. Für all diejenigen, die diesen Satz zum ersten Mal lesen, mag er absurd klingen, wenn nicht sogar falsch. Doch er stimmt und Neuburg befindet sich auf der Suche danach. Ewa fünf Jahre ist es her, da hat sich die Stadt dazu entschieden, im Abwasser vorhandenes Phosphor zu recyceln, um es etwa als Düngemittel in der Landwirtschaft einzusetzen. Das Projekt spart Energie und schont die Umwelt. Gleichermaßen kostet es Zeit und Geld.

Zum Hintergrund: Phosphat ist ein organischer Stoff. Im menschlichen Körper wie auch bei Aufbau und Funktion anderer Organismen spielt es eine zentrale Rolle, es ist Bestandteil der DNS und unter anderem bei der Energieversorgung von Bedeutung. Doch ähnlich dem Erdöl erschöpft sich Phosphat, was bedeutet, dass es sich nicht von selbst erneuert. Allerdings lässt sich das Element mittels einer bestimmten Methode aus Klärschlamm gewinnen. Neuburg beauftragte also ein Ingenieurbüro, um eine entsprechenden Anlage am hiesigen Klärwerk zu installieren. Doch hat die Geschichte einen Haken: So mussten die Bau- und Planungsmaßnahmen bis auf Weiteres gestoppt werden, weil Phosphat bis zum heutigen Zeitpunkt nicht in der Düngeschutzverordnung zugelassen ist.

Das soll sich nun ändern, berichtete Carmen Niggemeyer während der jüngsten Stadtratssitzung am Mittwochnachmittag. Ihrem aktuellen Kenntnisstand zufolge soll der Stoff die Zulassung offiziell erhalten, wodurch die Arbeiten am Neuburger Klärwerk aufgenommen werden können. Freilich, bemerkte die Wasserwirtschaftsamtleiterin, dürfe das rückgewonnene Phosphor kein Sicherheitsrisiko darstellen. „Grenzwerte von Schadstoffen und Arzneirückständen müssen eingehalten werden“, betonte sie. Sollte es tatsächlich zur Zulassung kommen, kann der Bau der Anlage am Jahresende beginnen.

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Nach einer zweijährigen Pilotphase erhielt die Stadt im Jahr 2016 für ihr Phosphor-Recycling-Projekt den bayerischen Abwasser-Innovationspreis. Damit steht ihr eine Förderung von 530000 Euro bereit. Insgesamt muss sie 980000 Euro für die Umsetzung des Konzepts berappen. Mit dem staatlichen Zuschuss hat sich Neuburg dazu verpflichtet, die Phosphatrückgewinnung innerhalb von 15 Jahren umzusetzen. Verbesserungsbedarf sei weiter vorhanden, gab Niggemeyer zu. Gleichermaßen blieben noch Jahre Zeit, um die Methode zu optimieren. Oberbürgermeister Bernhard Gmehling bekräftigte mit Blick auf die Finanzen: „Das Ganze muss eh gemacht werden.“ Man müsse die Fördersumme ausnutzen. Die nötigen Mittel im Haushalt, sagte er daraufhin, seien vorhanden.

In der Kosten-Nutzen-Bilanz schlägt die Phosphatrückgewinnung mit insgesamt 360000 Euro mehr zu Buche. Die Summe kann auf die Abwassergebühr umgelegt werden. Pro Kubikmeter Abwasser bedeutet das einen Anstieg um 2,3 Cent für den Endverbraucher.

Andreas Schwierz (FDP) erkundigte sich nach der Weiterverwertung des Phosphats. Niggemeyer sprach diesbezüglich von mehreren Möglichkeiten – eine davon sei, das Phosphor an Landwirte in und um Neuburg zu verkaufen. Nichtsdestotrotz sei die genaue Vermarktung noch offen. Ohnehin, bemerkte sie, seien die Mengen so gering, dass die Wirtschaftlichkeit nicht im Fokus steht. Alfred Hornung (CSU) sprach sich für das Projekt und die weitere Vorgehensweise aus, zumal damit ein Zeichen für den Umweltschutz gesetzt werde. Ebenso tat es Karola Schwarz (Grüne). Die Stadträte stimmten der Durchführung sämtlicher Projektphasen der Phosphoranlage in Neuburg zu.

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