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Neuburg

29.08.2017

Der Schrei nach Krippenplätzen wird laut

Alles belegt. Wer derzeit in Neuburg auf der Suche nach einem Krippenplatz für sein Kind ist, bekommt häufig diese Antwort. Die Einrichtungen sind voll, Absagen an die Eltern sind an der Tagesordnung. Nun will die Stadt reagieren und neue Krippenplätze schaffen.
Bild: Julian Stratenschulte, dpa

In Neuburg warten derzeit 50 Kinder auf einen Platz in einer der begehrten Einrichtungen. Was die Stadt tun will, um dem Notstand zu begegnen.

Ab September wuseln wieder Kinder durch die Räume, krabbeln und quengeln um die Wette und halten Kinderpfleger und Erzieherinnen auf Trab. Das ist Alltag in Kinderkrippen. Die Einrichtungen sind für viele Eltern eine unverzichtbare Stütze in der Lebensgestaltung – und dennoch werden einige von ihnen ab September in Neuburg auf sie verzichten müssen. Denn in der Stadt herrscht Krippenplatzmangel. Derzeit fehlt rund 50 Kindern für das Jahr 2017/2018 ein Platz. Die Stadt ist alarmiert. Nachdem in den vergangenen Jahren erfolgreich Kindergartenplätze geschaffen wurden, müssen jetzt Krippenplätze entstehen.

„Uns ist klar, dass sich die Fehlplätze im Krippenbereich massiv erhöht haben“, sagt Matthias Enghuber, Kindergartenreferent der Stadt Neuburg. Von den aktuell 172 Kinderkrippenplätzen der Stadt seien derzeit alle belegt, rund 50 Kinder seien für das kommende Jahr leer ausgegangen. Dagegen will – und muss die Stadt vorgehen. Denn seit 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihre ein- und zweijährigen Kinder, sollten sie keinen finden, können sie im Zweifel Schadensersatz einfordern.

Vor zwei Jahren habe die Situation noch ganz anders ausgesehen, sagt Enghuber: „Da hatten wir einen Überhang an Krippenplätzen.“ Das zeige, wie schwer sich der Bedarf an Krippenplätzen planen lasse. Im Gegensatz zu Kindergartenplätzen, bei denen die Stadt ab Geburt drei Jahre Zeit hat, sich auf den Bedarf einzustellen und für jedes Neugeborene genau einen Kindergartenplatz plant, verhält es sich bei Krippenplätzen komplizierter.

„Theoretisch könnten die Eltern schon kurz nach der Geburt Bedarf anmelden.“ Dabei könne die Stadt nie vorhersehen, wie viele Kinder wann geboren werden und wie viele Eltern ihre Kinder ab welchem Alter in eine Krippe geben wollen. In der Vergangenheit sei der Prozentsatz der Kinder, die in eine Krippe kommen, jedoch gestiegen. „Wir rechnen inzwischen grob mit einem Drittel“, sagt Enghuber.

Gründe, warum Eltern ihre Kinder in eine Krippe geben, gibt es viele, sagt Petra Dörr, Leiterin der AWO-Kita Neuburg. „Das können alleinerziehende Eltern sein, Paare, bei denen das Einkommen nicht ausreicht, oder Familien, in denen bewusst beide Partner arbeiten gehen möchten.“ Umso größer ist die Enttäuschung, wenn eine Absage kommt. „Manche nehmen es kommentarlos hin, aber bei einigen bekommt man mit, wie groß die individuelle Not ist, die dahintersteckt“, sagt die Erzieherin. Etwa wenn Paare des Berufs wegen von weit her nach Neuburg gezogen sind, wissen, dass ihre Elternzeit endet, und sie im Umkreis weit und breit niemanden haben, der bei der Kinderbetreuung einspringen könnte.

Um solche Notlagen abzufedern, stünde eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, sagt Enghuber. In dringenden Fällen könnten sich Eltern an den Verein Mobile Familie wenden, der Kinder gegebenenfalls an die Großtagespflege oder an Tagesmütter vermitteln könne. „Oft sei den Eltern schon geholfen, wenn sie ihr Kind nur an zwei Tagen abgeben, Teilzeit arbeiten oder etwas erledigen könnten“, sagt Enghuber. Dennoch soll es mittelfristig genügend Plätze für alle Kinder geben. Das BRK prüfe derzeit Räumlichkeiten für einen neuen Standort, an dem ab Januar 2018 zusätzliche Gruppen starten könnten.

Und auch die Stadt kommt ins Handeln. Sie will ein Kinderhaus bauen, das sowohl Kita wie Krippe sein kann. Als Vorbild dient das Kinderhaus in Ingolstadt. „Geplant ist ein Neubau mit einem flexiblen Raumkonzept, das an den jeweiligen Bedarf angepasst werden kann“, erklärt Enghuber. Derzeit befinde man sich in Vorgesprächen mit den Stadtwerken bezüglich deren Gelände an der Heinrichsheimstraße. Angedacht sei ein Bau mit zwei Ebenen und Platz für fünf Gruppen. Über eine entsprechende Absichtserklärung müsse der Stadtrat im Herbst entscheiden. „Wenn wir Gas geben, könnten wir im Jahr 2020/2021 eröffnen“, sagt Enghuber. Bis es so weit ist, könnten bedarfsweise einzelne Kindergartengruppen zu Krippengruppen umfunktioniert werden, etwa bei St. Peter. Aber auch das müsse erst noch geprüft werden.

Insgesamt bezeichnet Matthias Enghuber die aktuelle Situation als Luxusproblem. „Seit fünf Jahren verzeichnet Neuburg einen deutlichen Zuzug, davor hieß es immer, Deutschland stirbt aus.“ Im Vergleich mit anderen Regionen, in denen die Entwicklung stagniert, sei die Stadt in der glücklichen Lage, gestalten zu dürfen – mit allen damit verbundenen Herausforderungen.

Kindergartenleiterin Petra Dörr sieht die Stadt in der Pflicht: „Sie ist dafür zuständig, für ausreichend Krippenplätze zu sorgen.“ Dabei solle nicht allein auf die Quantität, etwa in Form von Gruppengrößen, sondern auch auf die pädagogische Qualität geachtet werden.“

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