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Neuburg

10.01.2020

Der Schwarzspecht ist ein Zimmermann des Auwalds

Beim Füttern seines Vogeljungen: der Schwarzspecht.
Foto: G. Heidemeier

Plus Im vierten Teil ihrer Serie stellt das Neuburger Aueninstitut den Schwarzspecht vor – den größten Specht Europas.

Der Donau-Auwald zwischen Neuburg und Ingolstadt bietet vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Das Aueninstitut Neuburg erforscht seit über zehn Jahren dieses besondere Ökosystem und unterstützt so die Arbeit des Wasserwirtschaftsamtes Ingolstadt und der Naturschutzbehörde Neuburg und Ingolstadt bei deren Bemühungen, den Auwald und seine natürlichen Bedingungen zu erhalten. Hier wird regelmäßig über besondere Arten, fragile Beziehungen und Kuriositäten aus der Aue vor unserer Haustüre berichtet.

„Kliööh!“ – so hallt sein Ruf kilometerweit durch den Wald, wenn der größte Specht Europas seinen Standort preisgibt. Anzutreffen ist er auch in unserem Auwald an der Donau. Leicht zu erkennen ist dieser tagaktive Vogel daran, dass er ein gänzlich schwarzes Federkleid trägt. Lediglich der rote Fleck am Hinterkopf, der sogenannte Hinterscheitelfleck, bildet dazu einen Kontrast. Mit einem knappen halben Meter Körperlänge und etwa 70 Zentimetern Spannweite ist er die zweitgrößte Spechtart weltweit.

Der Schwarzspecht wird als Zimmerer der Wälder bezeichnet. Von unschätzbarem Wert sind seine Fertigkeiten für zahlreiche Waldbewohner, denen seine verlassenen Höhlen als Unterschlupf dienen. Diese großen Nester bieten Platz für Bienen, Hornissen, Siebenschläfer, Fledermäuse sowie Dohlen oder Käuze. Die Fertigung einer solchen Baumhöhle nimmt etwa zwei Wochen in Anspruch und findet meist im Frühjahr zur Brutzeit beziehungsweise im Spätsommer und Herbst statt, wenn die Jungvögel ihre Reviere abstecken.

Bevorzugt werden hierzu mindestens 35 Zentimeter breite Altbäume mit Pilzbefall, bei denen im Idealfall das Kernholz weich, das Splintholz hingegen hart ist. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 25 Kilometer pro Stunde prallt dabei der Schnabel auf das Holz, was nur deshalb keine Kopfschmerzen zur Folge hat, da der Körper des Vogels als Stoßdämpfer fungiert: Der Schädelknochen besteht aus einem luftigen Zellgewebe mit deformierbaren Zellschichten im Schnabel. Zudem wird die Kraft durch eine stark ausgebildete Nackenmuskulatur bis zu den Rippen weitergeleitet.

Für den Nahrungserwerb des Schwarzspechts ist sein Schnabel unabdingbar

Auch für den Nahrungserwerb ist der Schnabel unabdingbar, denn der Schwarzspecht ist auf Ameisennester im Totholz oder in der Erde aus. Bodennahe Hackspuren an Nahrungsbäumen, oft als längliche Furchen, finden sich daher häufig als erstes Zeichen für Schwarzspechte im Wald. Wichtig für die Nahrungsaufnahme ist, wie bei allen Spechtarten, die sehr bewegliche, dünne Zunge. Dieses mit Tastborsten besetzte Organ ist weit vorstreckbar, besitzt an der Spitze Widerhaken und sondert ein klebriges Sekret aus, an dem Insekten kleben bleiben. Schwarzspechte sind während einer Brutsaison monogam, wobei es häufig zur Wiederverpaarung im nächsten Jahr kommt.

Ihre Reviere sind oft Partnerreviere, in denen sich sowohl Weibchen als auch Männchen am Bau der Bruthöhlen beteiligen. Geschlafen wird allerdings in getrennten Höhlen! Die Weibchen legen pro Saison 2-6 Eier in eine Nisthöhle, gebrütet wird abwechselnd, die Nachtschicht übernehmen jedoch stets die Männchen.

Der Schwarzspecht benötigt in seinem Habitat einen hohen Anteil an stehendem Totholz. Er bevorzugt große, zusammenhängende Wälder, in denen forstwirtschaftliche Eingriffe möglichst gering sind, die den Bruterfolg sonst stören.

Der Neuburger Auwald mit seinen Altbäumen und seinem hohen Totholzanteil bietet dieser Art also einen hervorragenden Lebensraum. Der Artenreichtum dort und anderswo profitiert immens durch die Anwesenheit dieses tatkräftigen Zimmermanns.

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