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Neuburg

19.11.2019

Der Stadtrat verliert eine Identifikationsfigur

Michael Kettner war unter anderem stellvertretender Landrat – wie auf diesem Foto aus dem Jahr 2013.
Foto: Norbert Eibel (Archivfoto)

SPD-Politiker Michael Kettner legt aus gesundheitlichen Gründen sein Mandat nieder. Ein Rückblick auf seine Vita.

 Die Frage nach der Identität – nicht selten wird sie von Volksparteien nach sogenannten Schicksalswahlen bedeutungsschwanger aufgeworfen. Wen repräsentieren wir? Für welche Werte stehen wir? Gerade die SPD steckt bundesweit, so hat man das Gefühl, in einer Identitätskrise und sehnt sich nach einer Identifikationsfigur, nach jemandem wie Michael Kettner.

35 Jahre saß er für die Sozialdemokraten im Neuburger Stadtrat. Nun legt er sein Mandat aus gesundheitlichen Gründen nieder. Seine Amtskollegen haben seinem Gesuch in der Sitzung am Dienstagabend zugestimmt. Ein Stadtratsmandat kann jederzeit niedergelegt werden. Dass das Neuburger Gremium dadurch allerdings ein Stück Identität verliert, verrät ein Blick in Kettners Vita.

Michael Kettner: Er erhielt die Willy-Brandt-Medaille

Schon früh identifiziert sich der gebürtige Neuburger mit der Sozialdemokratie. Bereits als Juso ist der heute 67-Jährige engagiert. „Michael wollte immer gestalten, verändern und bewegen“, hat ihn Kreisvorsitzender Werner Widuckel einmal beschrieben. Mit Fleiß und Disziplin verschafft er sich bei politischen Kontrahenten nicht nur eine Menge Respekt, sondern dessen harte Schale lässt manchen Kollegen ehrwürdig über ihn sprechen. Widuckel beispielsweise sagt: „Michael hat Neuburg mit geprägt. Heimatverbunden ist er und zugleich Internationalist, der für ein gemeinsames und friedliches Europa gearbeitet hat.“

Für seine mitunter identitätsstiftenden Verdienste rund um die Sozialdemokraten wird er vor zwei Jahren an seinem 65. Geburtstag mit der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet. Ein Preis, der für die SPD einen ähnlichen Stellenwert hat, wie das Bundesverdienstkreuz für die Bundesrepublik Deutschland.

Michael Kettner: Wer nachrückt

Auch außerhalb der Parteipolitik prangert Kettner soziale Ungerechtigkeit an. Unvergessen die Abiturrede Kettners – ein „Aufruf zur Zersetzung“. Mehrere Lehrer verließen den Saal, drei Jahre lang verzichtete die Schule auf eine weitere Abiturfeier, um sich von der unverblümten Rede des Neuburgers zu erholen.

Nun verlässt Kettner den Sitzungssaal des Rathauses. Zum Abschied gab es von den Kollegen Beifall. Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) fand in der Sitzung am Dienstag, bei der Kettner nicht anwesend war, lobende Worte: „Es ist höchst bedauerlich. Er war in vielen Ämtern engagiert. Wir hoffen nun, dass er zum Weihnachtsessen des Stadtrates kommt, damit wir ihn in einem würdigen Rahmen verabschieden können.“

Kettners Nachfolgerin im Stadtrat wird voraussichtlich Birgitt Glasenapp. Die Wahl hat sie bereits schriftlich angenommen. Offiziell rückt sie in der Stadtratssitzung am 17. Dezember nach.

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