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Neuburg

11.09.2019

Der Töpfermarkt feiert 40-jähriges Bestehen

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3 Bilder
Bei der Promi-Gartenzwerge-Versteigerung 1994 freut sich Unicef-Sprecherin Kristin von Philipp über den Erlös des von Carolin Reiber gestalteten Exemplars. Den höchsten Betrag erzielte das Zwergerl Nr. 1: bemalt vom Bundeskanzler. „Helmut Kohl und Heinz Rühmann behaupteten sich auch im Regen“ titelte die NR. 
Bild: Michael Bickel

Ein Blick in die Historie zum 40. Jubiläum des Töpfermarkts zeigt: Aus bescheidenen Anfängen wurde einer der schönsten und größten Märkte Süddeutschlands.

Das große Vorbild liegt ein gutes Stück weiter südlich, nämlich am Ammersee: Dort erlebte 1978 der Dießener Töpfermarkt mit gerade mal 12 Ausstellern seine Premiere, heute ein international bekannter Markt mit Zehntausenden von Besuchern. Begeistert von diesem Mini-Markt, überlegte sich der Neuburger Unternehmer Fritz Seebauer damals: „Das wäre doch auch etwas für unsere Stadt!“ Gedacht, getan. Schon ein Jahr später fand der erste Neuburger Töpfermarkt mit einer Handvoll ausstellender Hafner statt - und es hatte zuvor keiner so recht an einen Erfolg geglaubt, manche sprachen sogar von einer „Totgeburt“. Doch leben Totgesagte bekanntlich manchmal länger: Das Interesse der Bevölkerung war so groß, dass auch für 1980 gleich wieder der nächste Termin angesetzt wurde.

Nur drei Jahre später stellten etwa 30 Töpfereien aus ganz Deutschland aus und es gab bereits ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen zum Thema Naturschutz und einer Podiumsdiskussion über „Agrarpolitik in der Sackgasse“. 1984 wuchs die Zahl der Aussteller auf 35 und erstmals platzte der Marstall fast aus allen Nähten: Zeitweilig musste wegen zu starken Andrangs der Zugang gesperrt werden. Auf rund 10.000 schätzte man die Besucherzahl, hinzu kamen weitere Tausende von Menschen, die am verkaufsoffenen Sonntag in der Unteren Stadt flanierten und einkauften.

Fritz Seebauer ist der Neuburger Töpfermarkt zu verdanken.
Bild: privat

Die erfolgreichen Vorläufer des Neuburger Töpfermarkts

1990 drängten sich rund 20.000 Besucher in der Stadt, angezogen sicher auch von 16 Drehorgelspielern aus ganz Deutschland, zum Teil im Frack und mit Zylinder. An allen Ecken und Enden der Stadt intonierten sie zur Freude des Publikums Kinderlieder, Choräle, Märsche und Walzer, aber auch mal einen Lambada oder eine „Patrona Bavariae“. Auf dem Programm des kleinen „Leierkasten“-Festivals - wiederum eine Initiative von Fritz Seebauer, der selbst ein solches Instrument besaß - stand auch ein großes Senioren-Konzert mit dem „Göttinger Drehorgelorchester“ im Stadttheater. 1990 fand auch zum ersten Mal der Bauernmarkt statt, bei dem bis heute rund um den Marstall Selbstgemachtes und handwerklich Erzeugtes angeboten wird.

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Eine weitere tolle Idee von Fremdenverkehrsreferent und Stadtrat Fritz Seebauer wurde 1994 verwirklicht: die „Promi-Zwergerl“-Aktion. Prominente aus Politik, Gesellschaft, der Musik- und Filmwelt sowie den Medien steuerten von ihnen selbst bemalte und signierte Gartenzwerge bei, die zugunsten von Unicef versteigert wurden. Zu den Promis gehörten Heinz Rühmann, Edmund Stoiber, Theo Waigel, Hans-Dietrich Genscher, Otto von Habsburg, Gerhart Polt, Jürgen Drews und viele andere. Oberbürgermeister Hans Günter Huniar gestaltete seinen Zwerg ganz neuburgerisch mit dem Stadtwappen am Rücken, Horst Seehofer schuf einen echten Bayern mit weiß-blauer Rauten-Zipfelmütze. Bei der Auktion allerdings erzielte der in den Bundesfarben gehaltene Zwerg Nr. 1 mit 1300 Mark das beste Ergebnis, gestaltet von einem schwarzen Riesen aus der Pfalz - Bundeskanzler Helmut Kohl.

Drei Beispiele für bemalte und signierte Zwerge (von links): die Werke von Horst Seehofer, Gloria Thurn und Taxis und Hans Günter Huniar.
Bild: Michael Bickel

Rückgang der Besucherzahlen beim Neuburger Töpfermarkt

Nach der Jahrhundertwende verzeichnete der Neuburger Töpfermarkt keine so hohen Besucherzahlen wie in seiner Blütezeit in den Neunzigern, wohl auch weil hochwertige Handwerksprodukte nicht mehr so geschätzt werden wie früher. Nicht zuletzt spielt stets auch das Wetter eine große Rolle. Nach einem verregneten Markt 2016 mit gerade mal 4000 Besuchern stieg die Besucherfrequenz in den letzten Jahren wieder kontinuierlich bis auf 10.000 im vergangenen Jahr an.

Das 40. Jubiläum ist natürlich für die heutige Organisatorin, Fritz Seebauers Tochter Claudia Unger, ein Grund zum Feiern. Dabei hat sie in erster Linie an das Publikum gedacht. Anlässlich des Jubiläums gibt es ein Gewinnspiel mit drei schönen Preisen: einem Brottopf von der Töpferei Zauberhaus aus Deggenhausertal , einem kunstvoll verzierten Teller von mema Keramik sowie einer Schale von Alexandra Zinner aus Eichenau.

Mit Claudia Unger und ihrem Team, das aus der ganzen Familie rekrutiert wird, kann auch Nikolaus Pollok aus Obernzell 40. Jubiläum feiern. Der treueste Aussteller des Töpfermarkts, der Keramik für Haus und Garten anbietet, war einer von den sechs beim ersten Markt im Jahr 1979. Rund 70 Aussteller aus ganz Europa sind es im Jubiläumsjahr, die am 14. und 15. September im Marstall, Boxenstall und auf dem Freigelände ihre Töpferwaren offerieren. „Darunter sind viele junge Frauen, die dieses schöne Handwerk gelernt haben“, freute sich Claudia Unger bei der Pressekonferenz im Vorfeld. Sie ist überzeugt, dass weiterhin Tausende Keramikfans gerne nach Neuburg kommen werden und der Töpfermarkt auch in Zukunft jedes Jahr im September die „Herrschaftszeiten“ einläutet.

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