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27.03.2009

Der Unterschied zwischen Freund und Feind

Rennertshofen Bedrohlich nähern sich ein paar Gestalten den fünf Jugendlichen, die durch eine enge Gasse nach Hause gehen wollen. Jetzt fangen die Aggressoren an zu pöbeln und zu schubsen. Plötzlich blitzt in der Hand eines der Angegriffenen ein Messer auf... - Ein scharfer Pfiff und Trainer Andreas Busche geht dazwischen. "Jetzt verändert sich die Situation schlagartig, das Opfer wird zum Täter", erklärt er den acht Mädchen und zehn Jungen aus der fünften bis achten Klasse, die sich um ihn versammeln. "Du musst wissen, was du damit tust, habe ich dir gesagt", wendet er sich an den Jungen, dem er zuvor das Messer gegeben hat, "du hast die Verhältnismäßigkeit der Mittel aufgehoben. Du hattest die Wahl, es zu zücken oder es auch stecken zu lassen und damit die gefährliche Situation nicht noch mehr eskalieren zu lassen."

Was hier geübt wird, ist Teil des Kidspro-Schulungssystems, eines Selbstbewusstseins- und Kinderschutztrainings, das der Neufahrner Kinder- und Jugendtrainer Andreas Busche seit Anfang März in der Volksschule Rennertshofen in Kursen mit jeweils vier Doppelstunden durchführt. Busche definiert die Ziele seines Antiaggressionsprogramms: Das Wichtigste sei die Kommunikation untereinander. Die Kinder sollten lernen, Probleme mit Worten zu lösen und dabei die Körpersprache und die Gesetze der Gruppendynamik berücksichtigen.

Mit Hilfe von Spielen erfahren die Kursteilnehmer provozierendes Verhalten, sie erleben dabei am eigenen Körper, wie sich Provokation durch Körperspannung aufbaut. Sie lernen aber auch, wie man den Provokationen durch richtiges Einschätzen der Situation und ruhiges, besonnenes Verhalten begegnen kann.

Gegenseitiges Vertrauen ist wichtig

Der Unterschied zwischen Freund und Feind

Ganz wichtig sei auch die Gemeinschaft, die Verantwortlichkeit füreinander. "Titanic" ist der Name eines Rollenspiels bei dem die Kinder die Stärke der Gemeinschaft erfahren. Die Schiffbrüchigen haben sich auf eine große Pappe als symbolische Eisscholle gerettet, der Moderator reißt Teile der Pappe ab, was bedeutet, dass durch den Wellengang Ränder von der Eisscholle abbrechen. Der Raum wird immer enger und die Personen darauf müssen versuchen, sich gegenseitig zu helfen, damit möglichst viele überleben. "Gegenseitiges Vertrauen und Gemeinschaft machen stark", lautet die Botschaft, die sich wie ein roter Faden durch das ganze Programm zieht.

Auch das Thema Mobbing und die Geschehnisse von Winnenden kommen zur Sprache.

Die Kinder sind von dem Training begeistert: "Es macht uns Spaß, dass alles so spielerisch abläuft, obwohl es eigentlich um ganz ernste Themen geht", meint Jeromé aus der achten Klasse und sein Klassenkamerad Johannes fügt hinzu: "Wir haben gelernt, wie man sich nicht provozieren lässt, wie man Streit aus dem Weg geht." Auch die Jüngeren aus der ersten bis vierten Klasse schwärmen von den Kursen, die vor allem das Selbstbewusstsein der Kleinen stärken: "Der Herr Busche ist cool, wir machen Spiele, wer unser Freund und unser Feind ist", sagt Judith und ihre Mutter Daniela Weigl erklärt: "Das Thema ist brisant, es ist wichtig, dass die Kinder spielerisch lernen, wem sie vertrauen können und wie sie sich in bedrohlichen Situationen richtig verhalten."

Auch Elternbeiratsvorsitzender Roland Seifert, der die Kurse für die 83 Teilnehmer initiiert hat, findet das Konzept gut: "Die Kurse sind altersgerecht konzipiert, hochprofessionell aufgebaut und mit vier Doppelstunden auch intensiv genug," begründet er die Entscheidung des Elternbeirates.

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