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04.03.2009

"Der Verkehr ist der pure Wahnsinn"

Neuburg Viel Lob gab es für den Stadtteil Ostend, als die Neuburger Rundschau gestern vor Ort Bürger nach ihrer Meinung fragte. Begriffe wie "Lebensqualität" und "sich wohlfühlen" fielen und legten für diese einst so problematische Ecke der Ottheinrichstadt ein insgesamt gutes Zeugnis ab. Seit das Projekt "Soziale Stadt" dort verwirklicht wird, haben etliche Anwohner ihr Vorhaben aufgegeben, wegzugehen.

"Ich lebe seit 40 Jahren im Ostend", erzählte Heidemarie Heil, "und es war so vergammelt, dass wir umziehen wollten. Immer wieder hat man uns Dreck und Flaschen über den Gartenzaun geworfen. Doch dann kam die 'Soziale Stadt'". Ein dickes Lob teilte sie an Harald Neumeier aus, der in der Stadtverwaltung zuständig ist, und an Stadtteilmanager Jürgen Stickel. "Der ist ein großer Glücksgriff", so Heidemarie Heil.

Ähnlich wie ihr geht es Inge Sauermann, die jahrelang Ärger hatte. "Einmal sind mir sogar die Flaschen um die Ohren geflogen und ich hab die Polizei geholt." Heute ist vieles besser.

Freilich noch nicht alles, wie sich im Gespräch herausstellte. Es gibt nach wie vor reichlich Kritikpunkte. Der Verkehr - fahrend wie ruhend - ist beispielsweise Horst Scheible ein gewaltiger Dorn im Auge: "Eigentlich ist ja die Ostendstraße für den Lkw-Durchgangsverkehr gesperrt. Aber die Laster rauschen hier durch - das ist der pure Wahnsinn." Die meisten von ihnen steuern das Industriegebiet Nördliche Grünauer Straße an oder kommen von dort. Doch anstelle die Staatsstraße zu benutzen, die zwischen der Staustufe Bergheim und der Zeller Kreuzung verläuft, nehmen viele den Weg durchs Ostend. Ein Lösungsvorschlag Horst Scheibles: "Die Firmen sollten an ihre Lieferanten die nötigen Informationen weitergeben, auf welcher Route sie zu fahren haben."

"Der Verkehr ist der pure Wahnsinn"

Auch das Tempo hat Scheible zu bemängeln. Kaum einer halte sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit. Und hinzu kommt die unbefriedigende Parksituation. Die Ostendstraße wird über lange Strecken einseitig komplett zugeparkt, sodass die verbleibende Fahrbahn sehr schmal ist. "Dann fahren die Lkw halb über die Gehsteige. Als Kind oder alter Mensch hat man da im Zweifelsfall keine Chance", so der Anwohner. Versetztes Parken ist hier seiner Meinung nach eine Lösung des Problems.

Mehr Beleuchtung wünschen sich Tamara Berchtold und Annika Weinand. Die beiden Schülerinnen, die gerne das Angebot des Bürgerhauses nutzen ("Wir haben gerade unsere Hausaufgaben dort gemacht und gehen auch gerne dort ins Internet"), fürchten sich, im Dunkeln den unbeleuchteten Weg zwischen Berliner- und Wartburgstraße über den Volksfestplatz zu gehen. "Im Winter war ich dort beim Schlittschuhlaufen, das war toll", so Tamara Berchtold. "Aber wenn ich im Finstern den Weg laufen muss, dann renne ich immer."

Ungeeignet findet Inge Sauermann den Volksfestplatz für den Rummel: "Der gehört dort weg, denn der Platz ist viel zu klein". Doch eine Alternative ist ihrer Meinung nach schwer zu finden.

Mehr Pflege wünscht sich Heidemarie Heil für den Längenmühlbach, "der vergammelt". Da gehöre die Böschung gerichtet. Ebenso bedarf der Spielplatz am Volksfestplatz einer häufigeren Wartung schließt sich Inge Sauermann an. Rasenpflege und Säuberung von Unrat ließen zu wünschen übrig.

Um Jugendlichen mehr zu bieten, könne der Basketballplatz hinter dem Bürgerhaus nachmittags geöffnet werden, findet Heidemarie Heil. Das Problem sieht sie darin, dass wohl eine Aufsicht nötig wäre. Doch das könne bewältigt werden. Unbedingt erforderlich wäre auch ein Streetworker, der sich der Jugendlichen annehme.

Ein Miteinander der vielen verschiedenen Kulturen im Ostend gibt es noch nicht wirklich. Manche ethnische Gruppen sondern sich ab, bleiben unter sich. "Aber das Multi-Kulti-Fest hat da schon manches bewirkt", lobt Heidemarie Heil.

"Unter Lebensgefahr" bewegt sich Josef Grünwald durch das Ostend, wie er anmerkt. Der passionierte Radler hat Angst, unter die Räder zu kommen, denn "Neuburg ist nicht nur eine Radler unfreundliche Stadt, sondern sogar eine Radler feindliche!" Enge Straßen, Durchgangsverkehr und die vielen Lkw nennt Grünwald als Gefahrenpunkte. "Ich fahre auf dem Gehsteig, weil ich mich nicht umbringen lassen will." Sein Vorschlag lautet, die Gehwege auch als Radwege auszuweisen. "Hier sind nur wenige Fußgänger unterwegs und mit Vorsicht und Rücksichtnahme hätten auch die Radler Platz. Das ist mir ein echtes Anliegen, weil die Situation für mich Lebensgefahr bedeutet."

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