Newsticker

Dänemark schließt Grenzen für deutsche Urlauber
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Der Zorn kommt unten an

Insolvenz

27.02.2015

Der Zorn kommt unten an

Die Neuburger Weltbild-Filale darf keine Gutscheine mehr annehmen. Die Kunden sind verärgert

Es sind schlechte Zeiten für die Angestellten von Weltbild. Erst geht der insolvente Buchhandelsriese mit der Nachricht an die Öffentlichkeit, dass er 70 seiner 145 Filialen deutschlandweit verkauft – darunter die Neuburger. Dann bringt sich der unbekannte Investor Rüdiger Wenk ins Gespräch, der zwei Buchhandlungen in Berlin betreibt und die Weltbildfilialen zum Preis ihres Inventars erstehen will. Aber selbst das ist noch nicht sicher. Erst muss der Gesamtbetriebs- und der Gläubigerrat zustimmen. So zeigt sich Weltbild derzeit „oben“, in der Führungsetage.

Am anderen Ende stehen die Angestellten in den Filialen und verkaufen Bücher und Dinge, die problemlos in schmale Regale passen. Deutlicher als die Buchrücken in den Reihen tritt die Unsicherheit hervor, mit der sich die Verkäuferinnen konfrontiert sehen. Und auch die Schikanen „von oben“ nehmen zu, in den letzten Tagen einer Filiale, deren Verkauf besiegelt, aber die Zukunft ungewiss ist.

Seit Kurzem dürfen die Verkäuferinnen in den Filialen, die verkauft werden, nun keine Gutscheine mehr annehmen. Also auch solche Gutscheine nicht, die die Großmutter für ihren Enkel an Weihnachten gekauft hat, in der Hoffnung, ihrem Enkel und gleichzeitig einem schwankenden Großkonzern etwas Gutes zu tun. Damit ist der Ärger in den Filialen vorprogrammiert. Genau dann, wenn die Weltbild-Arbeiterinnen ihren Kunden erklären müssen, dass der Gutschein nur noch in Augsburg und anderen Filialen eingelöst werden kann, die nicht verkauft werden – oder online.

Eine Verkäuferin, die mit dem Zorn der Kunden konfrontiert war, macht nun ihrem Ärger im Online-Netzwerk Facebook Luft. Sie schreibt: „Es wird nicht leichter, wenn Kunden ihren ganzen Zorn und ihre Wut an den Angestellten auslassen, welche von oben die Anweisung haben, dass sie nun mal so vorgehen müssen.“ Als kleine Mitarbeiterin könne man dagegen gar nichts tun, erklärt sie in ihrem emotionalen Schreiben. Kunden drohten ihr mit dem Anwalt und dem Verbraucherschutz. Der Zorn kommt unten an.

Doch wie kann es überhaupt sein, dass 70 Weltbild-Filialen keine Gutscheine mehr annehmen, obwohl der Wechsel zum neuen Inhaber noch nicht vollzogen ist? „Von oben“ gibt es dazu keine Antwort. In der Presseabteilung von Weltbild in Augsburg war gestern niemand zu erreichen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren